Die Roll­trep­pen-Regel in Japan

Foto: Stre­et­VJ / Shut​ter​stock​.comLinks ste­hen, rechts gehen: Die­se Regel möch­te man beseitigen.

Effi­zi­enz steht in Japans Pen­del­ver­kehr an ers­ter Stel­le. Die Züge haben auf die Sekun­de pünkt­lich zu sein. Für die Pas­sa­gie­re, die auf die Bahn war­ten, gibt es Mar­kie­run­gen zum Anste­hen. Bei der Benut­zung der Roll­trep­pe ist eben­falls alles klar gere­gelt. Auf Tokios Roll­trep­pen gilt: «Links ste­hen, rechts gehen». In Osa­ka heisst es aus­nahms­wei­se: «Rechts ste­hen, links gehen». Die­se Regel haben die Japa­ner ver­in­ner­licht. Nur so kann der rie­si­ge Pas­sa­gier­fluss bewäl­tigt wer­den, war man bis­lang über­zeugt. Bereits vor 10 Jah­ren began­nen die Bahn­hofs­be­trei­ber jedoch umzu­den­ken (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Mit wie­der­keh­ren­den Pla­kat­kam­pa­gnen ver­sucht man seit­her die Pas­san­ten dazu zu brin­gen, auf bei­den Sei­ten der Roll­trep­pe ste­hen zu bleiben. 

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Für die­ses Umden­ken gibt es zwei Erklä­run­gen. Der Haupt­grund ist die Sicher­heit. Das Gehen auf der Roll­trep­pe schlicht­weg zu gefähr­lich. Die gehen­den Pas­san­ten stol­pern, sie sehen eine Stu­fe nicht, stos­sen mit den ste­hen­den Per­so­nen zusam­men oder las­sen ihr Gepäck fal­len. Die Fol­gen sind gefähr­li­che Stur­zun­fäl­le. 2017 wur­den in ganz Tokio 1396 Unfäl­le auf der Roll­trep­pe regis­triert, wie die Nik­kei Shim­bun berich­te­te. Die meis­ten davon gesche­hen in den Bahn­hö­fen. Die lan­gen War­te­schlan­gen auf den Bahn­stei­gen, die durch die­ses Sys­tem ent­ste­hen, sind eben­falls ein Pro­blem. Es wird nicht nur gefähr­lich eng, man steht auch andern Pas­san­ten im Weg. 

Da gibt es aber auch noch die Effi­zi­enz. Stu­di­en haben inzwi­schen erge­ben, dass deut­lich mehr Pas­sa­gie­re beför­dert wer­den, wenn alle kon­se­quent auf bei­den Sei­ten der Roll­trep­pe ste­hen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Uni­ver­si­tät der Prä­fek­tur Iwa­te hat aus­ge­rech­net, dass die Beför­de­rungs­ra­te so um den Fak­tor 1,5 gestei­gert wer­den kann. So kön­nen bei­spiels­wei­se inner­halb einer Stun­de 6000 anstatt 4000 Per­so­nen die Roll­trep­pe benutzen. 

Wir­kungs­lo­se Kampagnen

Bis­lang konn­te jedoch kein noch so krea­ti­ves Pos­ter (sie­he unten) die Pas­san­ten zu einem Umden­ken bewe­gen. Die Angst, dass man jeman­den im Weg steht, über­wiegt. Aus die­sem Grund wer­den die Pla­kat­kam­pa­gnen von Jahr zu Jahr inten­si­viert. Denn bis zu den olym­pi­schen Som­mer­spie­len 2020 will man das Ziel, dass man auf bei­den Sei­ten steht, erreicht haben. 

Seit die­ser Woche machen nun 52 Bahn­fir­men, Kauf­häu­ser und Flug­hä­fen im gan­zen Land auf die neue Regel auf­merk­sam, mit Pos­tern, kos­ten­lo­sen Papier­ta­schen­tü­chern, Auf­kle­bern und mit Per­so­nal, das zu den Stoss­zei­ten die Pas­san­ten vor Ort auf­for­dert, ste­hen zu blei­ben oder sonst die Trep­pe zu benut­zen. «Die Reform der Roll­trep­pen-Benut­zung» heisst die Kam­pa­gne. Bis zum 31. August dau­ert die­se Akti­on. Es wird wohl nicht die letz­te gewe­sen sein.

Bild: Tokyo MetroDie neu­es­te Kampagne.
Foto: Tokyo MetroMit Humor: Eine Kam­pa­gne von 2017.
Bild: Tokyo MetroEine älte­re Kampagne.
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