Eine App gegen Grab­scher in Zügen

Foto: Matej Kas­te­lic / Shut​ter​stock​.comIn einem Zug in Tokio.

Sexu­el­le Beläs­ti­gun­gen in den über­füll­ten Pend­ler­zü­gen sind seit Jahr­zehn­ten ein gesell­schaft­li­ches Pro­blem in Japan (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Bereits vor Jah­ren wur­den Wagen­ab­tei­le eigens für Frau­en geschaf­fen, Sicher­heits­leu­te ein­ge­stellt, Kame­ras instal­liert, Warn­pla­ka­te in den Bahn­hö­fen ange­bracht und selbst eige­ne Warn­kle­ber für Pas­sa­gie­re kre­iert (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Trotz all die­ser Bemü­hun­gen trei­ben die Grab­scher, auf Japa­nisch Chi­kan, wei­ter ihr Unwe­sen. Jähr­lich wer­den über 4000 Fäl­le der Poli­zei gemel­det. Gegen sexu­el­le Beläs­ti­gung im Zug wird auch hart vor­ge­gan­gen. Den Grab­schern droht in Japan eine Geld­stra­fe von 500’000 Yen oder bis zu 10 Jah­ren Gefängnis.

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Hohe Dun­kel­zif­fer

Die Dun­kel­zif­fer liegt jedoch noch viel höher. Denn man weiss, dass 9 von 10 betrof­fe­nen Frau­en gar nie eine Anzei­ge erstat­ten. Für vie­le ist es zu «müh­se­lig», wie Umfra­gen erga­ben (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Vie­le der Betrof­fe­nen flüch­ten zudem vom Tat­ort, ohne irgend­ein Wort dar­über zu ver­lie­ren, weil sie «vor Angst nichts sagen konn­ten» oder sich «vor den Kon­se­quen­zen fürch­te­ten». Aus­ser­dem wer­den in Japan öffent­lich aus­ge­tra­ge­ne Kon­flik­te nicht ger­ne gese­hen. Die Beweis­la­ge ist in den voll­ge­stopf­ten Zügen auch nicht immer ein­fach. Es besteht die Gefahr, dass die Frau eine fal­sche Per­son beschul­digt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die App von JR-East

JR East star­tet nun ein neu­es Pro­jekt, um die­ses Pro­blem anzu­ge­hen. Der Bahn­be­trei­ber hat eine App ent­wi­ckelt, mit der beläs­tig­te Per­so­nen den Zug­füh­rer per Knopf­druck benach­rich­ti­gen kön­nen. Zugleich gibt sie damit auch die Wagen­num­mer und ihre unge­fäh­re Lage bekannt. Pas­sa­gie­re, die eben­falls im Besitz der App sind und sich in der Nähe des Opfers befin­den, wer­den per Mit­tei­lung infor­miert. Der Zug­füh­rer kann anschlies­send die Mit­ar­bei­ter beim nächs­ten Bahn­hof über den Vor­fall infor­mie­ren und eine Durch­sa­ge im Zug machen. JR East will damit den Betrof­fe­nen eine Mel­dung erleich­tern. Zugleich ist es eine dis­kre­te und effi­zi­en­te Metho­de, um auf einen Vor­fall hin­zu­wei­sen. JR East wird die App zunächst in zwei Pha­sen aus­führ­lich tes­ten. Noch gibt es kei­ne Anga­ben dar­über, wann die App defi­ni­tiv erhält­lich sein wird.

Foto: Asi­en­spie­gelEin Pla­kat, das auf eine Hot­line für Chi­kan-Opfer verweist.
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