Ruhi­ges Tokio

image_​vulture / Shut​ter​stock​.comDer Schnee trug auch zur Ruhe bei. Beim Sen­sō-ji in Asa­ku­sa, Tokio, am 29. März 2020.

Gais­hutsu Jis­hu­ku hat Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke der Bevöl­ke­rung von Tokio ver­ord­net. Gemeint ist damit eine frei­wil­li­ge Aus­geh­be­schrän­kung. Oder anders gesagt: Man soll zu Hau­se blei­ben. In der Fir­men­welt bedeu­tet das, wenn mög­lich, Home-Office. Recht­lich bin­dend sind die­se Mass­nah­men nicht. Hier­zu fehlt der Gou­ver­neu­rin noch die recht­li­che Grund­la­ge eines Not­stan­des, den nur der Regie­rungs­chef Shin­zo Abe aus­ru­fen kann. Bis­lang hat er jedoch dar­auf verzichtet. 

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Und so fragt man sich, ob die­se Mass­nah­me der frei­wil­li­gen Selbst­be­schrän­kung in einer Mil­lio­nen­me­tro­po­le auch wirk­lich funk­tio­niert? Die Sta­tis­ti­ken der Bahn­ge­sell­schaf­ten geben eine kla­re Ant­wort darauf.

Ver­wais­te Bahn­hö­fe und Züge

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comEine Zugan­ge­stell­te auf der JR-Yamanote-Linie.

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de, als zum ers­ten Mal die Gais­hutsu Jis­hu­ku-For­de­rung galt, blie­ben tat­säch­lich vie­le Haupt­städ­ter zu Hau­se. Die belieb­te JR-Yama­no­te-Ring­li­nie wie auch der Hoku­ri­ku-, Toho­ku- und Joe­t­su-Shink­an­sen ver­zeich­ne­ten am 28. und 29. März 2020 im Ver­gleich zum sel­ben Zeit­punkt im Vor­jahr 70 Pro­zent weni­ger Pas­sa­gie­re. Die Yama­no­te-Linie zählt an einem gewöhn­li­chen Tag bis zu 3,5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Auch die neun Lini­en von Tokyo Metro hat­ten 70 bis 80 Pro­zent weni­ger Pas­sa­gie­re. Ent­spre­chend waren die Pas­san­ten­zah­len in den gros­sen Bahn­hö­fen so gering wie noch nie. In Shi­bu­ya waren es 74 Pro­zent, in Shin­juku 76 Pro­zent und in Tokyo Sta­ti­on gleich 82 Pro­zent weni­ger. Bereits am Fei­er­tags­wo­chen­en­de vom 21. und 22. März war die­se Ten­denz zu spü­ren. An jenen Tagen waren die Besu­cher­zah­len in den Bahn­hö­fen bereits um 30 bis 50 Pro­zent gesun­ken.

Infek­ti­ons­herd Nachtleben

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comDie Kri­se trifft die Restau­rants beson­ders hart.

Die Tokio­ter bewei­sen damit, dass sie sich an For­de­run­gen ohne recht­li­chen Zwang hal­ten kön­nen. Dazu bei­ge­tra­gen haben aber sicher­lich auch der Schnee­fall und der Tem­pe­ra­tur­sturz. Ein kal­tes Wochen­en­de reicht lei­der aber nicht aus, um den Trend der stei­gen­den Covid-19-Erkran­kun­gen in Tokio nach­hal­tig zu stop­pen. Aus die­sem Grund hat Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke die frei­wil­li­ge Aus­geh­be­schrän­kung zunächst bis 12. April ver­län­gert – und sogar etwas verschärft.

An der gest­ri­gen Pres­se­kon­fe­renz for­der­te sie die Bevöl­ke­rung auf, auf ein akti­ves Nacht­le­ben mög­lichst zu ver­zich­ten. In ande­ren Wor­ten: Kein Karao­ke, kei­ne Bar, kein Iza­ka­ya, kein Restau­rant, kein Nacht­klub und kei­ne Kon­zer­te für die nächs­ten Wochen. Denn vie­le der neu­en Covid-19-Anste­ckun­gen sind offen­bar auf die­se Orte zurück­zu­füh­ren. In Tokio zeich­nen sich nicht weni­ge Restau­rants und Bars durch enge und schlecht durch­lüf­te­te Räum­lich­kei­ten aus. Sie sind damit per­fek­te Infektionsherde. 

Tokio zählt zur­zeit 443 offi­zi­ell regis­trier­te Covid-19-Erkran­kun­gen. Es ist so viel wie in kei­ner ande­ren Stadt in Japan.

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