Covid-19 in Japan: Der Wochenrückblick

Die Coro­­­­na­vi­­­­rus-Kri­­­­se for­dert zur­zeit die gan­ze Welt her­aus. Die­ser Arti­kel ist ein Rück­blick auf Ereig­nis­se, die Japan in der Woche vom 20. bis 26. April 2020 beschäf­tigt haben.

MON­TAG: Abge­wie­se­ne Patienten

Die Kran­ken­häu­ser in der Haupt­stadt sind wegen der Coro­na-Kri­se zuneh­mend am Anschlag. Es kommt immer häu­fi­ger vor, dass Kran­ken­wa­gen unge­wöhn­lich lan­ge nach einem Spi­tal suchen müs­sen, das noch bereit ist, einen Pati­en­ten mit Coro­na­vi­rus-Sym­pto­men auf­zu­neh­men. Allein in den ers­ten 11 Tagen im April gab es 830 Fäl­le, in denen Pati­en­ten von min­des­tens fünf Spi­tä­lern abge­wie­sen wur­den. Die Kri­se offen­bart, dass das Gesund­heits­sys­tem denk­bar schlecht vor­be­rei­tet war. In Japan gibt es auf 100’000 Ein­woh­ner ledig­lich 5 Inten­siv­sta­ti­on-Bet­ten. In Ita­li­en sind es 12 und in Deutsch­land 35. Die Lokal­re­gie­rung von Tokio hat aus die­sem Grund begon­nen, immer mehr Pati­en­ten mit mil­den oder kei­nen Sym­pto­men in Hotels unter­zu­brin­gen, um Platz für die schwe­ren Fäl­le zu schaf­fen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Mai 2020 – Die­ser Blog kann ohne die Unter­stüt­zung der Leser nicht über­le­ben. Mit einem frei­wil­li­gen Abo tra­gen Sie dazu bei, dass die­ses täg­li­che Stück Japan auch nach 11 Jah­ren wei­ter­exis­tiert – unab­hän­gig, kos­ten­los und frei von Goog­­le-Wer­bun­­gen. Herz­li­chen Dank! Ich blei­be täg­lich dran, bis die­se Kri­se über­stan­den ist und dar­über hinaus.


DIENS­TAG: Kei­ne Tul­pen, kei­ne Besucher

Wie man Tou­ris­ten kon­se­quent vom Besuch einer Sehens­wür­dig­keit abhält, hat die Stadt Saku­ra (佐倉市) in der Prä­fek­tur Chi­ba vor­ge­macht. Jedes Jahr im April strö­men Tau­sen­de von Besu­cher zum berühm­ten Tul­pen-Fes­ti­val im Saku­ra Furu­sa­to Squa­re. Wäh­rend der Saku­ra Tulip Fes­ta gibt es jeweils 600’000 Tul­pen in allen Far­ben zu bewun­dern. Eine hol­län­di­sche Wind­müh­le ist das Wahr­zei­chen der Park­an­la­ge. Die Covid-19-Kri­se zwang die Orga­ni­sa­to­ren jedoch, das Fest abzu­sa­gen. Den­noch konn­ten es eini­ge Per­so­nen nicht las­sen, den Ort trotz­dem auf­zu­su­chen. Die Stadt und die loka­le Tou­ris­mus­be­hör­de reagier­ten. Sämt­li­che Tul­pen wur­den in ihrer schöns­ten Blü­te­pha­se dem Erd­bo­den gleichgemacht. 


MITT­WOCH: Ein­rei­se­ver­bot verlängert

Japan hat das Ein­rei­se­ver­bot auf­grund der anhal­ten­den Covid-19-Kri­se für nun ins­ge­samt 87 Län­der um einen Monat bis 31. Mai 2020 ver­län­gert. Auch Deutsch­land, die Schweiz und Öster­reich sind davon betrof­fen. Zuvor galt die Rege­lung bis 30. April 2020. Eine Rei­se nach Japan bleibt somit auch in abseh­ba­rer Zeit nicht mög­lich. Im März ist die Zahl der aus­län­di­schen Besu­cher um 93 Pro­zent gesun­ken (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Sämt­li­che Per­so­nen, die noch ein­rei­sen kön­nen, wie zum Bei­spiel japa­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, wer­den am Flug­ha­fen auf Covid-19 getes­tet und müs­sen anschlies­send für 14 Tage in Selbstquarantäne.


DON­NERS­TAG: Ein Social-Distancing-Spiel

Tokios Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke präg­te Ende März den Begriff «No!! 3 Mit­su» und mein­te damit, dass es schlecht durch­lüf­te­te (mip­p­ei) Räum­lich­kei­ten, dicht gedräng­te (miss­hū) Ansamm­lun­gen und enge (mis­set­su) Kon­takte zu mei­den gel­te. Weil die dazu­ge­hö­ri­gen Adjek­ti­ve auf Japa­nisch alle das Schrift­zei­chen 密 (aus­ge­spro­chen mit­su für dicht, eng) beinhal­ten und die Aus­spra­che mit­su zugleich dem Begriff mittsu (三つ für 3) ähnelt, ent­stand der Slo­gan. Dar­aus hat die Web­site gaming​ch​a​han​.com ein für alle zugäng­li­ches Web-Game gemacht. Im Spiel stel­len sich Men­schen in den Weg, die man mit einem Klick weg­drän­gen muss. Dabei ertönt jeweils der Begriff «Mit­su desu!» («Es ist eng!»). Soll­te man eine Per­son den­noch berüh­ren, dann gibt es «eine Mas­ke» Abzug. Fünf Mas­ken ste­hen zur Ver­fü­gung. Ab und zu eilt Pre­mier­mi­nis­ter Abe mit einer Mas­ke zu Hil­fe. Es ist eine Anspie­lung auf die 2 Mas­ken, die zur­zeit an alle 58 Mil­lio­nen Haus­hal­te ver­sen­det wer­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch eine eng­li­sche Ver­si­on des Spiels gibt es. 


FREI­TAG: ANA wird zum Maskenlieferanten


Die Air­lines trifft die Kri­se unmit­tel­bar und hart. Der inter­na­tio­na­le Flug­ver­kehr steht still. In Japan wer­den der­weil vie­le Inlands­rou­ten auf­recht­erhal­ten. Durch den lan­des­wei­ten Not­stand ist die Pas­sa­gier­zahl jedoch seit Wochen stark rück­läu­fig. Die japa­ni­sche Air­line ANA hat im soeben abge­lau­fe­nen Geschäfts­jahr 2019 einen Gewinn­rück­gang von 71 Pro­zent ver­zeich­net. Zugleich passt sich die Luft­fahrt­ge­sell­schaft der aktu­el­len Lage an. Die Pas­sa­gier­flug­zeu­ge wer­den nun auch für den Trans­port von Atem­schutz­mas­ken von Chi­na nach Japan genutzt. Anstatt Gäs­te befin­den sich Kar­ton­schach­teln vol­ler Mas­ken auf den Sit­zen. Ins­ge­samt hat ANA im April 297 Trans­port­flü­ge für Hilfs­lie­fe­run­gen vorgenommen. 


SAMS­TAG: Immer mehr Konkurse

In Japan gab es bis­lang 93 Kon­kur­se infol­ge der Coro­na­vi­rus-Kri­se. Die Insol­venz­fäl­le neh­men mit jeder neu­en Woche zu. Allein vom 19. bis 24. April waren es 27. Die Regio­nen Tokio (21) und Hok­kai­do (11) trifft es bis­lang am här­tes­ten. Unmit­tel­bar betrof­fen ist die Tou­ris­mus­bran­che. Bereits 18 Hotels haben Kon­kurs gemacht, dar­un­ter auch die lan­des­weit ver­tre­te­ne Hotel­ket­te First Cabin (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch die Gas­tro­no­mie lei­det. 15 Insol­venz­fäl­le zählt die­se Bran­che bis­lang. Lan­ge herrsch­te in Japan noch «busi­ness as usu­al». Erst seit dem 17. April gilt lan­des­weit der Not­stand. Zahl­rei­che Geschäf­te wur­den in der Fol­ge auf­ge­for­dert zu schlies­sen. Man muss daher anneh­men, dass die Zahl der Kon­kur­se trotz ver­spro­che­ner Wirt­schafts­hil­fe in den kom­men­den Wochen stark zuneh­men wird.


SONN­TAG: Lee­re Shink­an­sen & «Stay Home Week»

In Japan ist die Zahl der bestä­tig­ten Covid-19-Fäl­le auf über 13’000 ange­stie­gen. Tokio bleibt zusam­men mit den unmit­tel­ba­ren Nach­bar­prä­fek­tu­ren der Hot­spot. Rund die Häl­fe aller regis­trie­ren Anste­ckun­gen las­sen sich auf die­se Regi­on zurück­füh­ren. Aus die­sem Grund hat Tokio zur «Stay Home Week» auf­ge­ru­fen, die ges­tern begon­nen hat. Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke bit­tet die Bevöl­ke­rung, bis zum Ende der Gol­den Week am 6. Mai mög­lichst zu Hau­se zu blei­ben. Die Auf­ru­fe der Behör­den schei­nen Wir­kung zu zei­gen. Der Bahn­hof Tokio und vie­le Shink­an­sen waren am gest­ri­gen Sams­tag fast leer. Die Bele­gungs­ra­te in den Toka­i­do-Shink­an­sen, die Tokio mit Osa­ka ver­bin­den, lag bei unter 10 Pro­zent. Die Reser­va­tio­nen für die gesam­te Zeit der Gol­den Week sind um 90 Pro­zent ein­ge­bro­chen, wie die Asahi Shim­bun berichtet. 

Zugleich gibt es eine gute Nach­richt. Heu­te Sonn­tag ist die Zahl der Neu­an­ste­ckun­gen in Tokio um ledig­lich 72 Fäl­le gestie­gen. Zum ers­ten Mal seit 13 Tagen ist die­se Zahl nicht im drei­stel­li­gen Bereich.

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comBeim Scram­ble Crossing in Shi­bu­ya, Tokio.

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