Die still­ge­leg­te Gol­den Week

HIRO­SHI H / Shut​ter​stock​.comStil­le in Osa­ka: Im Dot­om­bo­ri-Vier­tel am 14. April 2020.

Seit zwei Tagen gilt der Not­stand für ganz Japan, vor­läu­fig bis zum 6. Mai 2020. Der Fli­cken­tep­pich ist somit besei­tigt. Denn zuvor hat­te Regie­rungs­chef Shin­zo Abe ledig­lich für die sie­ben urba­nen Prä­fek­tu­ren Tokyo-Kana­ga­wa-Chi­ba-Saita­ma, Osa­ka-Hyo­go und Fuku­o­ka den Aus­nah­me­zu­stand erklärt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die­ser Ent­scheid führ­te zu Ver­un­si­che­rung. Neun wei­te­re Prä­fek­tu­ren erklär­ten dar­auf­hin ohne das OK von Tokio gleich selbst den Not­stand (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Das Cha­os war dar­auf­hin per­fekt. Der punk­tu­el­le Not­stand hat­te zudem zur Fol­ge, dass vie­le Tokio in Rich­tung Hei­mat ver­lies­sen und so womög­lich zu einer zusätz­li­chen Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus bei­tru­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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Der lan­des­wei­te Not­stand gibt den Gou­ver­neu­ren der Prä­fek­tu­ren nun weit­ge­hend Befug­nis­se in der Bekämp­fung der Kri­se (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Inzwi­schen haben 13 Prä­fek­tu­ren die Geschäfts­welt auf­ge­for­dert, ihre Läden bis zum 6. Mai 2020 zu schlies­sen. Die Behör­den in Tokio und Aichi bie­ten im Gegen­zug Ent­schä­di­gun­gen bis zu 1 Mil­li­on Yen an. In Fuku­o­ka ist die Lokal­re­gie­rung bereit, 80 Pro­zent der Mie­ten klei­ne­rer Läden zu über­neh­men.

Aus­ser­dem gilt nun über­all die For­de­rung, mög­lichst zu Hau­se zu blei­ben und auf Home-Office umzu­stel­len. Die direk­ten Kon­tak­te unter­ein­an­der müss­ten um 70 bis 80 Pro­zent redu­ziert wer­den, um die Kri­se unter Kon­trol­le zu brin­gen. Pre­mier­mi­nis­ter Abe sprach in sei­ner gest­ri­gen Rede von einer kri­ti­schen Lage, in der Japan sich befin­de. Man habe es bis­lang nicht geschafft, die Neu­in­fek­tio­nen zu reduzieren. 

Das gefürch­te­te Feiertagsszenario

Mit dem lan­des­wei­ten Not­stand will die Regie­rung vor allem auch errei­chen, dass wäh­rend der Gol­den Week kei­ne Rei­sen unter­nom­men wer­den. In die­ser tra­di­tio­nel­len Fei­er­tags­pe­ri­ode nimmt das gan­ze Land eine Aus­zeit. Hotels und Züge sind dann gewöhn­lich aus­ge­bucht. In der aktu­el­len Kri­se wäre dies ein Hor­ror­sze­na­rio. Schon ein­mal hat Japan die­sen Feh­ler gemacht, als am Fei­er­tags­wo­chen­en­de vom 20. bis 22. März 2020 das gan­ze Land aus­schwärm­te. Damals herrsch­te das Gefühl vor, die Kri­se sei unter Kon­trol­le (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es wird ange­nom­men, dass jenes Wochen­en­de mass­geb­lich zur beschleu­nig­ten Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus geführt hat. 

Aus die­sem Grund hat Shin­zo Abe gebe­ten, in die­ser Gol­den Week vom 29. April bis 6. Mai zu Hau­se zu blei­ben, um das Gesund­heits­sys­tem in den länd­li­chen Gegen­den zu schüt­zen. Ansons­ten müs­se Japan mit dem schlimms­ten Sze­na­rio, der rasan­ten Ver­brei­tung von Covid-19 im gan­zen Land, rech­nen. Es ist ein kras­ser Gegen­satz zur letzt­jäh­ri­gen Fei­er­tags­pe­ri­ode, als die Japa­ner dank des Kai­ser­wech­sels gleich 10 arbeits­freie Tage genies­sen durf­ten und der Tou­ris­mus­bran­che gol­de­ne Tage bescher­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Flau­te bei den Shinkansen

Ein Indi­ka­tor, dass die­se Gol­den Week tat­säch­lich fast völ­lig still­ge­legt wird, zeigt ein Blick auf die aktu­el­len Reser­va­tio­nen für die Shink­an­sen und Limi­ted-Express-Züge. JR-East ver­mel­det bei­spiels­wei­se einen Ein­bruch um bis zu 90 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr. Das gab es seit Beginn der Pri­va­ti­sie­rung von Japan Natio­nal Rail­ways 1987 nicht. Der Bahn­be­trei­ber hat sämt­li­che Spe­zi­al­zü­ge wäh­rend der Fei­er­tags­pe­ri­ode und dar­über hin­aus bereits gestoppt. 

Auch das Flie­gen wird erschwert. So hat der Tokio­ter Flug­ha­fen Hane­da begon­nen, mit Wär­me­bild­ka­me­ras die Kör­per­tem­pe­ra­tu­ren aller abflie­gen­den Pas­sa­gie­re zu prü­fen. Pas­sa­gie­re, die eine Kör­per­tem­pe­ra­tur von mehr als 37,5 Grad auf­wei­sen, wer­den nach­drück­lich auf­ge­for­dert, von ihrem Flug abzusehen.

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