Shira­ka­wa­go ohne Touristen

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comDas Dorf Shira­ka­wa­go in der Prä­fek­tur Gifu.

Shira­ka­wa­go befin­det sich in den Ber­gen der Prä­fek­tur Gifu. Es ist eines der schöns­ten Dör­fer Japans. Sei­ne Häu­ser mit den stroh­ge­deck­ten Dächern, auf Japa­nisch gas­­s­hō-zuku­­ri genannt, tra­gen zur mär­chen­haf­ten Atmo­sphä­re bei. Deren stei­le Bau­wei­se schüt­zen die Häu­ser vor dem schwe­ren Schnee­fall (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es sind volu­mi­nö­se Häu­ser, in denen frü­her Gross­fa­mi­li­en leb­ten und arbeiteten. 

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Einst war das Dorf viel grös­ser. Heu­te ist die Zahl der Gas­­s­hō-zuku­­ri-Häu­ser über­schau­bar gewor­den. Seit 1976 ste­hen die­se unter Denk­mal­schutz. 1995 wur­den Shira­ka­wa­go und das klei­ne­re, gleich in der Nähe lie­gen­de Goka­y­a­ma zum UNESCO-Welt­­ku­l­­tur­er­­be erklärt. 

Das geschlos­se­ne Dorf

Seit­her ist der Tou­ris­mus die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le für die­sen Ort. Das gan­ze Jahr über strö­men die Tou­ris­ten nach Shira­ka­wa­go. An einem Gol­den-Week-Tag sind es mehr als 10’000. Wegen der Covid-19-Kri­se blei­ben die­se nun weg. Der Bür­ger­meis­ter Shi­ge­ru Nariha­ra zog schon früh die Notbremse. 

Am 22. April 2020 erklär­te er Shira­ka­wa­go für die Zeit vom 2. bis 6. Mai, wenn die Gol­den-Week ihren Höhe­punkt erreicht, zum «geschlos­se­nen Dorf». Lokal­bus­se wer­den dann nicht mehr ver­keh­ren und die öffent­li­chen Park­plät­ze abge­sperrt. Die meis­ten loka­len Geschäf­te und Restau­rants blei­ben in die­ser Zeit geschlossen. 

Die Sor­ge ist berech­tigt. Denn nach Shira­ka­wa­go kommt man nur mit dem Auto. Es ist ein idea­ler Ort für einen dis­kre­ten Tages­aus­flug wäh­rend der Lock­down-Zeit. Die Lokal­be­hör­den beto­nen dabei, dass es dar­um gehe, Leben zu schüt­zen. Dies sei kein Ver­gnü­gungs­park, son­dern ein Dorf. In Shira­ka­wa­go leben heu­te rund 1600 Ein­woh­ner in 500 Haus­hal­ten. Jede drit­te Per­son ist inzwi­schen über 65 Jah­re alt und damit beson­ders gefährdet. 

Die wich­ti­gen aus­län­di­schen Gäste

1960 leb­ten hier noch knapp 10’000 Ein­woh­ner in 1760 Haus­hal­ten. Mit dem dar­auf­fol­gen­den Wirt­schafts­boom des Lan­des setz­te eine Land­flucht ein. Erst der Tou­ris­mus half, die Bevöl­ke­rungs­zahl zu sta­bi­li­sie­ren. Die aktu­el­len Mass­nah­men wer­den ein ent­spre­chend gros­ses Loch in die Kas­se reis­sen. 2018 zähl­te Shira­ka­wa­go ins­ge­samt 1,761 Mil­lio­nen japa­ni­sche und inter­na­tio­na­le Besu­cher. Es han­delt sich haupt­säch­lich um Tages­aus­flüg­ler. Nur knapp 100’000 über­nach­ten hier jedes Jahr. 

Die aus­län­di­schen Tou­ris­ten sind der­weil immer wich­ti­ger gewor­den. 2018 waren es bereits 652’000. Jähr­lich stieg ihre Zahl um 10 Pro­zent. Sie stel­len zudem einen Drit­tel der Über­nach­tungs­gäs­te. Die­se Gäs­te wer­den so schnell nicht mehr zurück­keh­ren. Seit Ende März herrscht für zahl­rei­che Län­der ein Ein­rei­se­ver­bot (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Situa­ti­on von Shira­ka­wa­go steht stell­ver­tre­tend für die aktu­el­le Kri­se des Tou­ris­mus. Auch hier müs­sen vie­le Restau­rants und Sou­ve­nir­ge­schäf­te nun auf die Hil­fe der Prä­fek­tur und des Staa­tes hof­fen, um die kom­men­den Mona­te zu überstehen.

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comDie Pan­ora­ma­sicht auf Shirakawago.
Foto: Depo​sit​pho​tos​.comShira­ka­wa­go im Winter.
Foto: Depo​sit​pho​tos​.comDie Stroh­dach­häu­ser sind das Wahr­zei­chen des Ortes.

Der Stand­ort von Shirakawagō

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