Die stil­le Erneue­rung eines Wahrzeichens

image_​vulture / Shut​ter​stock​.comIn neu­em Glanz: Der eben erst instal­lier­te Lam­pi­on am 18. April 2020.

Das Kami­na­ri­mon (dt. «das Don­ner­tor») ist das äus­se­re Ein­gangs­tor zum Tem­pel Sen­sō-ji im Tokio­ter Stadt­teil Asa­ku­sa und zugleich ein Wahr­zei­chen der Haupt­stadt. Auf den Sei­ten wachen die Sta­tu­en des Wind­got­tes Fūjin und des Don­ner­got­tes Rai­jin. Über dem Ein­gangs­be­reich hängt über­seh­bar ein rie­si­ger roter Lam­pi­on, der 700 Kilo­gramm schwer, 3,9 Meter hoch und 3,3 Meter breit ist und auf Japa­nisch Kami­na­ri­mon-daichōchin heisst. Dar­auf ragt in schwar­zer Far­be der Schrift­zug «Kami­na­ri­mon». 1960 wur­de das Tor wie­der­auf­ge­baut (sie­he Tweet unten), nach­dem es 1865 durch einen Brand zer­stört wor­den war. Seit­her wird die­sem Bau­werk viel Sor­ge getragen.

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Erst vor weni­gen Wochen wur­de in aller Stil­le der rie­si­ge Lam­pi­on kom­plett erneu­ert, zum sechs­ten Mal seit dem Wie­der­auf­bau, wie die Tokyo Shim­bun berich­tet. Zunächst wur­de am 10. März die alte Vor­rich­tung ent­fernt (sie­he Tweet unten). Dar­auf­hin muss­te das Tor mehr als ein Monat ganz ohne sein rotes Wahr­zei­chen aus­kom­men. Am Mor­gen des 17. Aprils, als die Regie­rung gera­de den lan­des­weit Covid-19-Not­stand aus­rief, mach­ten sich schliess­lich fünf Hand­wer­ker dar­an, den neu­en Lam­pi­on zu instal­lie­ren. Seit­her erstrahlt der Kami­na­ri­mon-daichōchin in neu­em Glanz (sie­he Foto oben). 

Den Auf­trag für die Fer­ti­gung die­ses Kunst­werks erhielt die Fir­ma Taka­ha­shi-Chōchin. Das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men aus Kyo­to hat Erfah­rung bei die­ser schwie­ri­gen Arbeit. Bei der letz­ten Erneue­rung, im Novem­ber 2013, war sie eben­falls dafür zustän­dig. Es ist übri­gens erst drei Jah­re her, als die Dach­zie­gel von 1960 kom­plett ersetzt wur­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Damals gab man sich viel Mühe, die Tou­ris­ten wäh­rend der Bau­ar­bei­ten nicht zu ent­täu­schen. Hier­zu wur­de eigens eine Abde­ckung mit einer Foto­gra­fie des Ori­gi­nal­dachs an das Bau­ge­rüst ange­bracht (sie­he Tweet unten). Den Pas­san­ten gefiel es. 

Die Lee­re wäh­rend der Golden-Week

Asi­en­spie­gelDie Naka­mi­se­dō­ri an einem gewöhn­li­chen Tag

Die­se Sor­gen muss­te man sich die­ses Mal nicht machen. Denn seit Aus­bruch der Coro­na-Kri­se feh­len die Tou­ris­ten. Eine Ana­ly­se des Tele­kom­kon­zerns KDDI ver­deut­licht die­sen Ein­bruch. Am 5. Mai 2020, mit­ten in der Gol­den Week, ver­zeich­ne­te die Gegend rund um das Kami­na­ri­mon einen Pas­san­ten­rück­gang um 72,3 Pro­zent im Ver­gleich zum Vorjahr. 

Zu spü­ren bekom­men dies ins­be­son­de­re die Händ­ler der legen­dä­ren Naka­mi­se­dō­ri gleich hin­ter dem Don­ner­tor. Die­se 250 Meter lan­ge schnur­ge­ra­de Ein­kaufs­stras­se mit ihren knapp 90 Geschäf­ten führt vom Kami­na­ri­mon direkt zum inne­ren Ein­gangs­tor des Tem­pels Sen­sō-ji­, dem Hōzō­mon. Ihre Ursprün­ge rei­chen bis ins 17. Jahr­hun­dert zurück. Das macht sie zur ältes­ten erhal­te­nen und bis heu­te am meis­ten bevöl­ker­ten Ein­kaufs­stras­se Japans. Wäh­rend eines gewöhn­li­chen Kalen­der­jah­res zählt man bis zu 30 Mil­lio­nen Besu­cher.

Für die Laden­be­sit­zer sind nun schwie­ri­ge Zei­ten ange­bro­chen. Vie­le haben ihre Läden für die Zeit des Not­stands geschlos­sen. Dabei muss­ten sie erst kürz­lich noch eine saf­ti­ge Miet­erhö­hung hin­neh­men (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es bleibt zu hof­fen, dass der neue Lam­pi­on dazu bei­tra­gen wird, dass zumin­dest die inlän­di­schen Besu­cher schon bald wie­der zurückkehren. 

Die Naka­mi­se­dō­ri wäh­rend der Gol­den-Week 2020

Am 10. März 2020 wird der alte Lam­pi­on entfernt

Ein Foto vom Wie­der­auf­bau­jahr 1960

2017 wur­den die Dach­zie­gel des Don­ner­tors erneuert

Der Stand­ort des Kaminarimon

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