Minus 99,9 Pro­zent: Japan ohne Touristen

setts­uno­ka­mi / Shut​ter​stock​.comEs ist ruhig gewor­den: Nara am 13. Mai 2020.

Minus 99,9 Pro­zent. So stark gin­gen die Tou­ris­ten­zah­len in Japan zurück. Oder anders gesagt: Im Kirsch­blü­ten­mo­nat April besuch­ten gemäss der JNTO 2900 aus­län­di­sche Besu­cher den Insel­staat. Exakt ein Jahr zuvor waren es noch 2’926’685 inter­na­tio­na­le Tou­ris­ten. Es sind seit der Ein­füh­rung die­ser Sta­tis­tik 1964 so wenig wie noch nie. Zum ers­ten Mal über­haupt ist die­se Zahl unter 10’000 gefal­len. Der Abwärts­trend begann bereits im Febru­ar 2020. Damals wur­den 1,085 Mil­lio­nen inter­na­tio­na­le Tou­ris­ten ver­zeich­net, 58 Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. Im März brach die­se Zahl auf 193’700 ein (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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Wann und unter wel­chen Umstän­den die­se letz­ten 2900 Gäs­te noch ins Land gelang­ten, wird nicht genau­er beschrie­ben. Jeden­falls ist seit dem 3. April 2020 eine Ein­rei­se fast nicht mehr mög­lich (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Soll­te man den­noch ins Land gelan­gen, wie zum Bei­spiel Heim­keh­rer mit japa­ni­scher Staats­bür­ger­schaft, dann wird man noch am Flug­ha­fen auf Covid-19 getes­tet und in eine zwei­wö­chi­ge Selbst­qua­ran­tä­ne geschickt. Die meis­ten die­ser strik­ten Mass­nah­men gel­ten bis 31. Mai 2020, kön­nen aber jeder­zeit ver­län­gert werden. 

Die Fol­gen für die Wirtschaft

Der Still­stand hat Fol­gen für die Wirt­schaft. 2019 reis­ten ins­ge­samt 31,88 Mil­lio­nen inter­na­tio­na­le Tou­ris­ten nach Japan. Sie gaben umge­rech­net knapp 41 Mil­li­ar­den Euro aus (4,8 Bil­lio­nen Yen). Das waren sechs Mal mehr als noch 2011. Für das Land wur­de der über Jahr­zehn­te ver­nach­läs­sig­te Inbound-Tou­ris­mus zu einem immer wich­ti­ge­ren Wirt­schafts­zweig. In die­sem Jahr peil­te die Regie­rung 40 Mil­lio­nen aus­län­di­sche Tou­ris­ten und Ein­nah­men in der Höhe von 8 Bil­lio­nen Yen an. Die hier­für not­wen­di­ge Infra­struk­tur wur­de in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren stark ausgebaut. 

Nun ste­hen die Hotels leer, man­che sind sogar schon Plei­te gegan­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). In den tou­ris­ti­schen Orte ist es ruhig gewor­den. Die Kri­se trifft dabei sämt­li­che Facet­ten die­ser Bran­che. So ste­hen bei­spiels­wei­se auch 26’000 lizen­zier­te Frem­den­füh­rer, die sich auf aus­län­di­sche Gäs­te spe­zia­li­siert haben, vor einer unge­wis­sen Zukunft. 

Wie­der­eröff­nung ungewiss

Bis wann sich der Inbound-Tou­ris­mus wie­der erho­len wird, bleibt unge­wiss. Der japa­ni­sche Aus­sen­mi­nis­ter Tosh­imit­su Mote­gi mein­te letz­te Woche, dass man eine Öff­nung erst täti­gen wer­den, sofern dies die Lage in Japan und im Aus­land zulas­se. Man wer­de zunächst nur «abso­lut not­wen­di­gen Per­so­nen» die Ein­rei­se erlau­ben (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Der japa­ni­sche Chef­ka­bi­netts­se­kre­tär Yoshihi­de Suga bezeich­ne­te nur einen Tag spä­ter eine kla­re Vor­her­sa­ge für mög­li­che Locke­run­gen der Ein­rei­se­sper­re als schwie­rig.

Die Inter­na­tio­nal Air Trans­port Asso­cia­ti­on (IATA) rech­net sogar, dass der Lang­stre­cken-Flug­ver­kehr erst 2024 wie­der auf das Niveau von 2019 zurück­keh­ren wird. ANA und JAL gehen genau­so wenig von einer bal­di­gen Erho­lung aus. Bei­de japa­ni­schen Air­lines haben ihre inter­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen im Juni um über 90 Pro­zent redu­ziert. In der aktu­el­len Woche fin­den in Japan ledig­lich 160 inter­na­tio­na­le Flü­ge statt. Zu nor­ma­len Zei­ten sind es 5000 bis 6000. 

Für die japa­ni­sche Tou­ris­mus­bran­che heisst die­se Ent­wick­lung eine Rück­kehr zu den Ursprün­gen. Sie wird sich wie­der ganz auf die inlän­di­sche Kund­schaft ver­las­sen müs­sen, die selbst bis zuletzt 80 Pro­zent der Nach­fra­ge im japa­ni­schen Tou­ris­mus­ge­schäfts gene­riert hatte. 

Die SWISS fliegt ab Juni wie­der nach Tokio

Es gibt aber auch gute Nach­rich­ten in die­sen unvor­her­seh­ba­ren Zei­ten. Neben der Luft­han­sa, die ihre Ver­bin­dun­gen nach Hane­da auf­recht­erhal­ten hat, will nun ab Juni auch die SWISS wie­der nach Japan flie­gen.

Ab dem 1. Juni sol­len zwei Flü­ge pro Woche statt­fin­den (Mo / Do: Zürich ab 22:40 Uhr, Nari­ta an 17:20 Uhr und Mi / Sa: Nari­ta ab 10:25, Zürich an 15:35). So sieht es zumin­dest der neue Flug­plan vor. SWISS betont dabei, dass hier­bei zusätz­lich Fracht beför­dert wer­de, um die glo­ba­len Lie­fer­ket­ten zu stüt­zen. Das könn­te bedeu­ten, dass die japa­ni­sche Post womög­lich ab Juni den Luft­post­ver­sand in die Schweiz wie­der auf­neh­men wird. Es wäre zumin­dest ein ers­ter Schritt in der Annä­he­rung an den Inselstaat.

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