Tou­ris­ten zuletzt: Japans strik­te Einreisepolitik

Ein Rück­blick auf Ereig­nis­se, die Japan in der Woche vom 1. bis 7. Juni 2020 beschäf­tigt haben.

MON­TAG: Die dro­hen­de Pleitewelle

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comShin­juku in Tokio.

Nach dem lan­des­wei­ten Ende des Not­stan­des wird Japans Wirt­schaft unter Berück­sich­ti­gung der Covid-19-Vor­sichts­mass­nah­men wie­der­hoch­ge­fah­ren. Für vie­le Unter­neh­men kommt die­se Hoff­nung auf den Auf­schwung jedoch zu spät. Bis zum 29. Mai muss­ten 192 Unter­neh­men als direk­te Fol­ge der Coro­na­kri­se Insol­venz anmel­den. Am stärks­ten betrof­fen sind Hotels, Restau­rants und Klei­der­ge­schäf­te. Das ist aber noch nicht alles. Denn es gab auch Plei­ten, die nicht in Zusam­men­hang mit der Coro­na­kri­se stan­den. Ins­ge­samt lag die Zahl sämt­li­cher Kon­kur­se bis April bei 758. Tei­ko­ku Datab­ank rech­net damit, dass in die­sem Jahr von 10’000 Unter­neh­men bank­rott­ge­hen. Es wäre die gröss­te Wel­le seit dem Jahr 2013.

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DIENS­TAG: Gefähr­li­ches Nachtleben

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comIm Nacht­le­ben ver­brei­tet sich das Coro­na­vi­rus beson­ders schnell.

Die Haupt­stadt erlebt einen Rück­schlag in der Bekämp­fung des Coro­na­vi­rus. 34 neue Anste­ckun­gen wur­den ver­zeich­net. Davon kön­nen 12 Fäl­le nicht zurück­ver­folgt wer­den. Zum ers­ten Mal seit dem 14. Mai ist die­se Zahl wie­der über 30 ange­stie­gen. Tokios Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke hat in der Fol­ge erst­mals die Tokyo Alert-War­nung akti­viert. Dabei hat sie die Bevöl­ke­rung auf­ge­ru­fen, Vor­sicht wal­ten zu las­sen, ins­be­son­de­re bei nächt­li­chen Akti­vi­tä­ten. So waren in der ver­gan­ge­nen Woche 26 von 90 neu­en Fäl­len auf das Nacht­le­ben in Restau­rants und Bars zurück­zu­füh­ren. Die­se Ent­wick­lung setzt sich bis heu­te fort. Am Sams­tag, 6. Juni 2020, fan­den 16 der 26 Neu­an­ste­ckun­gen wie­der­um im Nacht­le­ben statt. 


MITT­WOCH: Das «With Corona»-Zeitalter

Kaz­zu­re / Shut​ter​stock​.com«Tokyo Alert»: Das Regie­rungs­ge­bäu­de der Metro­pol­re­gie­rung Tokio in rot.

Um den Tokyo Alert auch visu­ell sicht­bar zu machen, wer­den die Rain­bow Bridge wie auch das Regie­rungs­hoch­haus in Shin­juku rot aus­ge­leuch­tet. Für die Wirt­schaft hat die­se Alarm­stu­fe zunächst jedoch kei­ne direk­ten Aus­wir­kun­gen. Koi­ke möch­te an der Öff­nungs­stra­te­gie in drei Pha­sen wei­ter­hin fest­hal­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te), sofern sich die Lage nicht ver­schlech­tert. Die­ses neue Warn­sys­tem gibt der Lokal­re­gie­rung der Haupt­stadt haupt­säch­lich die Mög­lich­keit, die Bewoh­ner zu mehr Wach­sam­keit in der Covid-19-Bekämp­fung und zur Ein­hal­tung der Vor­sichts­mass­nah­men auf­zu­ru­fen. Es ist eine Erin­ne­rung dar­an, dass die Coro­na-Kri­se auch nach der Auf­he­bung des lan­des­wei­ten Not­stan­des nicht über­stan­den ist. Es gilt, sich an einen All­tag mit dem neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus zu gewöh­nen. In die­sem Zusam­men­hang hat sich auf Japa­nisch inzwi­schen der Begriff «With Coro­na» etabliert. 


DON­NERS­TAG: Japans strik­tes Einreiseverbot

Asi­en­spie­gelZur­zeit gilt haupt­säch­lich «Japa­ne­se only» bei der Einreise.

Japans umfas­sen­des Ein­rei­se­ver­bot betrifft nicht nur Tou­ris­ten, son­dern auch Aus­län­der, die in Japan leben und im Besitz einer per­ma­nen­ten Auf­ent­halts­be­wil­li­gung sind. Selbst die­sen Per­so­nen wird grund­sätz­lich die Ein­rei­se ver­wei­gert, soll­ten sie sich zuvor in einem der Ein­rei­se­ver­bots­län­der auf­ge­hal­ten haben. Aus­nah­men wer­den nur unter «spe­zi­el­len Umstän­den» gemacht. Dies hat dazu geführt, dass nicht-japa­ni­sche Staats­bür­ger mit Wohn­sitz in Japan zur­zeit im Aus­land fest­ste­cken, nur weil sie zum fal­schen Zeit­punkt aus dem Land aus­ge­reist sind. Gleich­zei­tig ver­zich­ten im Moment vie­le in Japan leben­de Aus­län­der auf eine Aus­rei­se, aus Angst nicht mehr ins Land gelas­sen wer­den. Nun wur­de dies­be­züg­lich erst­mals eine Anpas­sung vor­ge­nom­men. Japan erlaubt künf­tig eine Aus- und Wie­der­ein­rei­se aus «huma­ni­tä­ren Grün­den». Ein kon­kre­tes Bei­spiel ist die schwe­re Erkran­kung oder Tod eines Fami­li­en­mit­glie­des sowie eine drin­gen­de Ope­ra­ti­on in Über­see. Die betrof­fe­nen Per­so­nen müs­sen dies jedoch vor der Abrei­se mit der Ein­wan­de­rungs­be­hör­de abklären. 


FREI­TAG: Die Absa­ge des «Fuji Rock Festival»

Fuji Rock Fes­ti­val ist wohl das bekann­tes­te Open­air-Fes­ti­val Japans. 1997 fand die ers­te Aus­ga­be statt. Seit 1999 wird es im Nae­ba Ski Resort in Yuza­wa in der Prä­fek­tur Niiga­ta durch­ge­führt. Bis zu 100’000 Besu­cher zählt es all­jähr­lich. Die ist auch dem stets hoch­ka­rä­ti­gen inter­na­tio­na­len Line-up zu ver­dan­ken. Die­ses Jahr hät­te es vom 21. bis 23. August statt­fin­den sol­len. Doch nun ist auch die­ses Fes­ti­val zum Opfer der Coro­na-Kri­se gewor­den. Zum ers­ten Mal über­haupt muss das Fuji Rock Fes­ti­val abge­sagt wer­den. Die aktu­el­len gesund­heit­li­chen Risi­ken und die Ein­rei­se­ver­bo­te hät­ten eine Durch­füh­rung ver­un­mög­licht, so die Orga­ni­sa­to­ren. Gekauf­te Tickets wer­den auto­ma­tisch auf das nächs­te Jahr über­tra­gen. Es gibt zudem die Mög­lich­keit, eine Rück­erstat­tung zu verlangen. 


WOCHEN­EN­DE: Kein Som­mer­ur­laub in Japan

Asi­en­spie­gelKei­ne Opti­on in die­sem Jahr: Die Bucht von Kab­i­ra auf der Insel Ishigaki.

Inner­halb Euro­pas wer­den die Gren­zen bereits am 15. Juni wie­der geöff­net. Dage­gen schlägt Japan ein äus­serst vor­sich­ti­ge­res Tem­po ein. Erst die­se Woche hat der Insel­staat das Ein­rei­se­ver­bot auf 128 Staa­ten aus­ge­wei­tet. Eine ers­te Locke­rung ist vor­erst für Thai­land, Viet­nam, Aus­tra­li­en und Neu­see­land geplant – und dies aus­schliess­lich für Geschäfts­rei­sen­de und ande­re «not­wen­di­ge Per­so­nen» (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Gesprä­che mit die­sen Län­dern sind seit eini­gen Tagen am Lau­fen. Laut ers­ten durch­ge­si­cker­ten Infor­ma­tio­nen blei­ben die Ein­rei­se­be­stim­mun­gen sehr strikt. Es wer­den vor und nach dem Flug Covid-19-Tests durch­ge­führt, der erlaub­te Bewe­gungs­ra­di­us wird zudem stark ein­ge­schränkt sein. So soll sich die Per­son ledig­lich zwi­schen Hotel und Arbeits­ort bewe­gen dür­fen. Die Nut­zung öffent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel wird ver­bo­ten sein. Im Gegen­zug wird es kei­ne 2-wöchi­ge Qua­ran­tä­ne geben, so ein ers­ter Vor­schlag. Die defi­ni­ti­ven Locke­rungs­mass­nah­men mit den vier Län­dern sol­len noch die­sen Monat beschlos­sen werden. 

Die Prio­ri­tä­ten sind in die­ser Ange­le­gen­heit eben­falls klar gesetzt. Nach den Geschäfts­rei­sen­den und «not­wen­di­gen Per­so­nen», dazu gehö­ren auch die aus­län­di­schen Prak­ti­kan­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te), sol­len in einem zwei­ten Schritt die Aus­tausch­stu­den­ten wie­der ins Land gelas­sen wer­den. Erst in einem aller­letz­ten Schritt wer­den die Tou­ris­ten fol­gen. Damit ist klar, dass ein Som­mer­ur­laub in Japan nicht mög­lich sein wird.

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