Wie Japan den Tou­ris­mus ret­ten will

shutter_o / Shutterstock.comWohin führt der Weg? Im Bambuswald von Arashiyama.

Offiziell verzeichnete Japan im Mai 1700 Ankünfte von ausländischen Besuchern1. Touristen war jedoch kaum darunter. So berücksichtigt diese Statistik auch Transit-Passagiere, Austauschstudenten und Personen mit einer zeitlich begrenzten Aufenthaltsbewilligung. Nach den 2900 Besuchern im April (Asienspiegel berichtete) ist es seit der Einführung dieser Statistik im Jahr 1964 der zweite historische Minusrekord in Folge.

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Keine Besserung in Sicht

Die umfassenden Einreiseverbote werden auch den Juni nicht besser aussehen lassen. Im Juli könnten die Besucherzahlen derweil wieder etwas ansteigen. Ende Monat wird Japan die Grenzen für vietnamesische Geschäftsreisende öffnen. Maximal 250 Personen dürfen dann pro Tag einreisen. Es müssen zudem strikte Bedingungen erfüllt werden. Thailand könnte bald folgen. Für Japan sind dies erste vorsichtige Tests.

Die Aussichten bleiben jedoch trübe. Erst gerade hat Australien angekündigt, in diesem Jahr wohl keine Touristen ins Land zu lassen. Der Inselstaat Japan wird dies kaum anders handhaben. Eine Gruppe von japanischen Gesundheitsexperten hat diese Woche vor einer zu schnellen Lockerung der Einreisebeschränkungen gewarnt. Das Risiko einer neuen Infektionswelle sei zu gross.

Die verlässlichste Kundschaft

Anstatt feierliche Olympische Spiele und ein Besucherrekord von erhofften 40 Millionen ausländischen Gästen herrscht nun Verunsicherung. 250 Unternehmen in Japan haben wegen der Corona-Krise bereits Insolvenz anmelden müssen, darunter sind 41 Hotels und Ryokan.

Einen Ansatz zur Rettung dieser gebeutelten Branche präsentiert die Regierung in seinem Weissbuch zum Tourismus, das diese Woche publiziert wurde2. Darin beschreibt sie den Inlandstourismus als den Schlüssel zur Erholung der Branche. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Selbst während des Inbound-Booms der vergangenen Jahre blieben die Japaner die wichtigsten Kunden. Sie generierten bis zuletzt 80 Prozent der touristischen Einnahmen im Land.

Hohe Hürden für eine Erholung

Um dieses Potenzial zu reaktivieren, hat die Regierung nun ein Hilfspaket von umgerechnet 14 Milliarden Euro geschnürt. «Go To Kam­pa­gne» nennt sich die Akti­on, mit der die Nach­fra­ge sti­mu­liert wer­den soll3. Rei­se­bü­ros, Hotels und tou­ris­ti­sche Geschäf­te werden dank die­ses staat­li­chen Sub­ven­ti­ons­pro­gramms noch in den Sommermonaten ihren japanischen Kun­den Rabat­te von bis zu 50 Pro­zent anbieten können.

Es wird jedoch kein einfaches Unterfangen sein. Einerseits bleiben die wirtschaftlichen Aussichten unsicher und damit auch die Reiselust der Japaner, privat wie auch geschäftlich. Andererseits muss Japans Arbeitswelt in Zeiten von Corona flexibler werden. Dass eine ganze Nation hauptsächlich während der Golden Week im Mai, der Obon-Zeit im August und an Neujahr im Land herumreist, ist schlichtweg zu gefährlich4. Das Weissbuch schlägt daher vor, gestaffelte Ferienzeiten wie auch Kurzurlaube in den Unternehmen zu fördern5. Es gibt viel zu tun, um dem Tourismus wieder auf die Beine zu helfen.

  1. 訪日外国人旅行者 | hōni­chi gai­ko­ku­jin ryo­kō­sha | Aus­län­di­sche Rei­sen­de in Japan
  2. 観光白書 | kan­kōha­kus­ho | das Tourismus-Weissbuch
  3. 需要を喚起する | juyō o kan­ki suru | die Nach­fra­ge stimulieren
  4. 密集の回避 | miss­hū no kaihi | die Ver­mei­dung dicht gedräng­ter Ansammlungen
  5. 長期休暇の分散化 | chōki-kyū­ka no bun­san­ka | die Ver­streu­ung der lan­gen Urlaubszeiten

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