Yoshi­noya: Das kri­sen­fes­te Gyūdon-Restaurant

AsienspiegelGyūdon bei Yoshinoya.

Auch die Restaurants in Japan leiden unter der Corona-Krise1. Zusammen mit den Hotels verzeichneten sie bislang am meisten Konkurse (Asienspiegel berichtete). Erst diese Woche hat eine weitere grosse Family-Restaurant-Kette Sparmassnahmen ergriffen. Joyfull, das 1976 in der Stadt Oita auf der Südinsel Kyushu gegründet wurde und heute 767 Ableger im ganzen Land besitzt, baut ab. Rund 200 Joyfull-Restaurants werden ab Juli schrittweise geschlossen. Im April und Mai verzeichnete die Kette Umsatzrückgänge2 von über 50 Prozent.

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Der Konkurrenz geht es nicht besser. Das Familyrestaurant Royal Host wird 70 Ableger ausser Betrieb nehmen, bei der Izakaya-Kette Watami werden es 65 sein. Der Gastronomie-Konzern Colowide, der so bekannte Ketten wie Yaki­to­ri Cen­ter, La Pau­sa oder Fresh­ness Bur­ger führt, wird derweil 196 sei­ner Restau­rants schlies­sen (Asienspiegel berichtete).

Die Ausnahme in der Krise

YoshinoyaDie Speisen kann man bei Yoshinoya per Smartphone einfach vorbestellen und anschliessend ohne Wartezeiten abholen.

Es gibt aber auch Ketten, die die Krise wesentlich besser meistern. Das legendäre Gyūdon-Restaurant Yoshinoya verzeichnete im März 2020 fast keinen Umsatzrückgang. Im Mai, als der Notstand noch in Kraft war und viele Japaner zu Hause blieben, ging der Umsatz um lediglich 7,3 Prozent zurück. Dieses vergleichsweise stabile Ergebnis ist kein Zufall.

So war das Takeaway-Angebot3 schon vor der Krise ein wesentlicher Bestandteil von Yoshinoya. Das Spezialgericht Gyūdon4, bei dem hauch­dün­ne gekoch­te Rind­fleisch­schei­ben auf Reis ser­viert wer­den, ist wie gemacht dafür. Die gestiegene Nachfrage5 konnte während des Notstands sofort bedient werden.

Die Bestellungen kann man zudem einfach mit dem Smartphone tätigen und anschliessend im gewünschten Laden abholen. Über 60 Prozent des Umsatzes wird inzwischen mit Takeaway generiert. Auch auf UberEats Japan6 wird Yoshinoya angeboten. Der Abhol-7 und Lieferservice8 haben sich zu zentralen Stützen des Unternehmens entwickelt.

Die vergleichsweise tiefen Fixkosten im Vergleich zu den grossen Family-Restaurants tragen zusätzlich zur aktuellen finanziellen Stabilität bei. Die Yoshinoya-Ableger sind kleinräumig und kommen mit wenig Personal aus. Es sind alles Voraussetzungen, die ein Überleben in der Corona-Krise begünstigen.

Eine Speise für alle

YoshinoyaEssen für die ganze Familie. Ein Spezialangebot während des Notstandes.

Letztendlich machen auch die stets tiefen Preise Yoshinoya zu einem krisenfesten Unternehmen. Eine Normalportion Gyūdon kostet aktuell gerade mal 352 Yen. In der Covid-19-Notstandszeit passte Yoshinoya das Angebot weiter an, mit Verbilligungen und einer erweiterten Auswahl. Ein komplettes «Family-Takeout-Set» für vier Personen gab es für 1800 Yen. Es sind überzeugende Argumente in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Die tiefen Preise bildeten schon bei der Gründung von Yoshinoya im Jahr 1899 die Grundlage. Damals eröffnete Eiki­chi Mat­su­da den ers­ten Gyūdon-Stand beim alten Fisch­markt im Tokio­ter Vier­tel Nihon­ba­shi. Indem er Fleisch in rau­en Men­gen ein­kauf­te, konn­te so erst­mals auch die Arbei­ter­klas­se Fleisch zu ver­nünf­ti­gen Prei­sen essen. Yoshinoya und Gyūdon wurden in Japan zum Inbe­griff für güns­ti­ges und gutes Essen in Japan (Asienspiegel berichtete). Heu­te besitzt Yoshinoya in Japan 1217 und im Ausland 944 weitere Ableger.

  1. 打撃を受ける | dage­ki o uke­ru | einen har­ten Schlag einstecken
  2. 減収 | gens­hū | die sin­ken­den Einnahmen
  3. 持ち帰り | mochi­kae­ri | etw. zum Mitnehmen
  4. 牛丼 | gyūdon | Rind­fleisch auf Reis
  5. 需要 | juyō | die Nachfrage
  6. デリバリー | deri­barī | Zustel­lung zur Kundenwohnung
  7. テイクアウト | tei­ku­au­to | Essen zum Mitnehmen
  8. 宅配 | taku­hai | Zustel­lung zur Kundenwohnung

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