Eine Mini-Gol­den-Week mit Auflagen

Foto: Depositphotos.comDer Tokioter Skytree und der Fuji.

Die Olympiade wurde verschoben, die Feiertagsperiode jedoch nicht. Heute ist in Japan «der Tag des Meeres» und morgen Freitag «der Tag des Sports», an dem die grosse Eröffnungszeremonie hätte stattfinden sollen (Asienspiegel berichtete). Diese beiden Feiertage wurden ausnahmsweise für «Tokyo 2020» auf den 23. und 24. Juli platziert.

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Spiele hin oder her: In Japan startet heute eine viertätige Auszeit1, sozusagen eine Mini-Golden-Week. Anstatt den grossen Sportanlass gemeinsam zu feiern, soll die Bevölkerung auf Reisen gehen im Inland, um die Wirtschaft zu beleben. Hierzu wird eigens die «Go To Travel»-Kampagne ins Leben gerufen, mit der Inlandsreisen vom Staat finanziell unterstützt werden (Asienspiegel berichtete). Am gestrigen 22. Juli 2020 war der offizielle Beginn.

Tokio gleich doppelt getroffen

Für die wichtigste und finanzstärkste Region fällt diese Mini-Golden-Week aber gleich doppelt ins Wasser. Die Bewohner der Hauptstadt Tokio wurden von der «Go To»-Kampagne kurzerhand ausgeschlossen (Asienspiegel berichtete). Die Covid-19-Zahlen steigen zu stark an. Gestern sprach Gouverneurin Yuriko Koike der Bevölkerung ins Gewissen. In den letzten sieben Tagen kam es im Durchschnitt mehr als 200 Covid-19-Fälle pro Tag, verteilt über alle Generationen. Im ganzen Land wurden gestern 795 Neuansteckungen verzeichnet.

Das sind so viele wie zu Zeiten des Notstands im April und zu viel, um untätig zu bleiben. Aus diesem Grund hat Koike die Tokioter Bevölkerung gebeten, in den kommenden vier Tagen von unnötigen2 Ausflügen abzusehen. Insbesondere die Risikogruppen sollten möglichst Zuhause bleiben. Begebe man sich dennoch ausser Haus3, dann gelte es gewissenhaft die Präventionsmassnahmen einzuhalten.

Die Japan Medical Association geht noch einen Schritt weiter. Sie bittet, das ganze Land in dieser Feiertagsperiode auf Ausflüge und auf Reisen in andere Präfekturen möglichst zu verzichten. Gerade während solcher Feiertage werde man nachlässig. Die Folgen bekomme das Land in ein bis zwei Wochen zu spüren. «Eine Feiertagsperiode der Selbstbeherrschung» fordert die Ärztevereinigung. Bezüglich der «Go To»-Kampagne vertritt sie eine klare Haltung. Die Regierung soll diese auf einen sicheren Zeitpunkt verschieben.

Kleines Budget, wenig Reservationen

Unter diesen Umständen verspüren viele Japaner wenig Lust auf Reisen. Eine Umfrage des Versicherers Meiji Yasuda zeigt, dass ein Haushalt durchschnittlich 65’157 Yen für den Sommerurlaub eingeplant hat4. Das ist der kleinste Betrag seit Beginn der Umfrage im Jahr 2006. 70 Prozent der Befragten geben an, dass die unsichere Lage aufgrund der Corona-Krise einen Einfluss auf die Urlaubsplanung hat.

Auch die anstehende Obon-Feiertagsperiode Mitte August, die eigentliche sommerliche Auszeit der Japaner, wird dieses Jahr äusserst ruhig ausfallen (Asienspiegel berichtete). Die JR-Bahnfirmen verzeichnen für Obon einen Reservationsrückgang um bis 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es gebe noch genügend freie Sitzplätze. Für Japan ist dies kein normaler Zustand.

Die Unberechenbarkeit der Corona-Krise macht selbst Inlandsreisen zu einem schwer planbaren Unterfangen. Den Sommer hat sich Japan nach dem hektischen Frühling eigentlich anders vorgestellt.

  1. 四連休 | yon­ren­kyū | vier auf­ein­an­der­fol­gen­de freie Tage
  2. 不要不急 | fuyō­fukyū | nicht drin­gend notwendig
  3. 外出 | gais­hutsu | Weg­ge­hen, Ver­las­sen des Hauses
  4. 出費 | shup­pi | die Ausgaben

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