Infek­ti­ons­herd Nachtleben

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comDas berüch­tig­te Aus­geh­vier­tel Kabu­ki­cho im Tokio­ter Bezirk Shinjuku.

Wie in der Schweiz schien auch in Japan im Mai und Juni die Lage unter Kon­trol­le zu sein. Die Zahl der Neu­an­ste­ckun­gen sta­bi­li­sier­ten sich auf einem tie­fen Niveau. Im Hot­spot Tokio waren es kaum noch 20 bestä­tig­te Fäl­le pro Tag. Das war ein gros­ser Unter­schied zu den 202 Fäl­len vom 17. April 2020, dem bis­he­ri­gen Höhe­punkt der Kri­se in Tokio.

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Am 25. Mai 2020 wur­de der lan­des­wei­te Not­stand1 auf­ge­ho­ben. Seit dem 19. Juni 2020 darf man auch wie­der ohne Ein­schrän­kun­gen im gan­zen Land rei­sen. Die­se Woche hat selbst das Tokyo Dis­ney­land unter Ein­hal­tung neu­er Schutz­mass­nah­men den Betrieb wie­der auf­ge­nom­men. Japan war ver­gleichs­wei­se gut durch die Kri­se gekom­men. Nun muss aber auch der Insel­staat fest­stel­len, dass sich das Coro­na­vi­rus nicht so ein­fach besei­ti­gen lässt. 

Kri­ti­sche Schwel­le überschritten

Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um JapanDie Kur­ve zeigt wie­der nach oben: Die Ent­wick­lung der Covid-19-Anste­­­ckun­­­gen in Japan vom 23. Janu­ar bis 1. Juli 2020.

Die japa­ni­sche Haupt­stadt hat am gest­ri­gen Don­ners­tag, 2. Juli 2020, 107 und am heu­ti­gen Frei­tag 124 neue Covid-19-Fäl­le ver­mel­det. Zum ers­ten Mal seit dem 2. Mai 2020 ist der Anstieg wie­der im drei­stel­li­gen Bereich2. Damals waren es 154. Inzwi­schen sind 3,4 Pro­zent aller Getes­te­ten in der Haupt­stadt posi­tiv3. Noch Mit­te lag die­ser Wert bei einem 1 Pro­zent. Sieht man sich die Sta­tis­tik der täg­li­chen Fäl­le für ganz Japan an, dann zeigt sich, dass die Kur­ve wie­der nach oben zeigt.

Vom Beginn einer zwei­ten Wel­le4 ist inzwi­schen die Rede. Sor­gen berei­tet den Behör­den haupt­säch­lich ein Infek­ti­ons­herd. Von den 1145 neue Covid-19-Fäl­len in Tokio, die sich seit dem Ende des Not­stan­des ereig­net haben, sind 446 auf das Nacht­le­ben zurück­zu­füh­ren. In Hos­tes­sen- und Host-Clubs, aber auch in den Iza­ka­ya-Knei­pen kommt es wie­der­holt zu Anste­ckun­gen. Ins­be­son­de­re das Aus­geh­vier­tel Kabu­ki­cho im Tokio­ter Bezirk Shin­juku ist zu einem Hot­spot geworden. 

Not­stand als Worst-Case-Szenario

Noch han­delt es sich in den meis­ten Fäl­len um 20 bis 39 Jah­re alte Per­so­nen, die nur leich­te oder gar kei­ne Sym­pto­me zei­gen. Die Kran­ken­häu­ser haben zur­zeit genug Kapa­zi­tä­ten. In vie­len ande­ren Prä­fek­tu­ren gibt es zudem seit Wochen fast kei­ne neue Fäl­le mehr. Im April sah die­ses Bild noch anders aus. Stets lau­ert jedoch die Gefahr einer neu­er­li­chen Ansteckungswelle. 

Wie die Schweiz möch­te aber auch Japan einen zwei­ten wirt­schaft­li­chen Still­stand um jeden Preis ver­hin­dern. Tokios Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke hat daher die Bevöl­ke­rung gebe­ten, wie­der wach­sa­mer zu wer­den und die nächt­li­chen Aus­geh­vier­tel zu mei­den5. Es gel­te, sich an alle Prä­ven­ti­ons­mass­nah­men zu hal­ten – ins­be­son­de­re die Ver­mei­dung der 3 Cs (sie­he unten). 

Die Zen­tral­re­gie­rung mach­te der­weil klar, dass die ein­zel­nen Prä­fek­tu­ren Schlies­sungs­for­de­run­gen für Bran­chen erlas­sen kön­nen. Eine neu­er­li­che Aus­ru­fung des Not­stan­des sei hin­ge­gen ein Worst-Case-Sze­na­rio. Auch in Japan rea­li­siert man nun, dass die­se Epi­de­mie noch lan­ge nicht aus­ge­stan­den ist. Noch ist es zu früh, um nach­läs­sig6 zu werden. 

  1. 緊急事態宣言 | kin­kyūji­t­ai sen­gen | die Not­stands­er­klä­rung
  2. 感染拡大 | kan­sen kaku­dai | die Infek­ti­ons­aus­brei­tung
  3. 陽性率 | yōsei­ritsu | der Anteil posi­tiv getes­te­ter Fäl­le
  4. 第2波 | dai ni ha | die zwei­te Wel­le
  5. 繁華街 | han­ka­gai | das beleb­te Stadt­vier­tel
  6. 緩み | yurumi | das Nach­las­sen (der Auf­merk­sam­keit, etc)
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