Über 1200 neue Covid-19-Fälle

Ned Snow­man / Shut​ter​stock​.comDie Kri­se nimmt wie­der an Fahrt auf: In der Prä­fek­tur Chi­ba am 23. Juli 2020.

Am gest­ri­gen Mitt­woch ver­zeich­ne­te Japan 1242 neue Covid-19-Fäl­le. Zum ers­ten Mal über­haupt in die­ser Kri­se wur­de die Schwel­le von 1000 an einem Tag über­schrit­ten. Am Don­ners­tag waren es über 1300. Neben dem Gross­raum Tokio ent­wi­ckeln sich nun auch die Metro­pol­re­gio­nen Osa­ka und Nago­ya zu Hot­spots mit täg­lich mehr als 100 bis 200 Neu­an­ste­ckun­gen. Aber auch im Rest des Lan­des neh­men die Covid-19-Fäl­le deut­lich zu (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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Selbst in der Prä­fek­tur Iwa­te, wo es bis­lang kei­nen ein­zi­gen Coro­na-Fall gab (Asi­en­spie­gel berich­te­te), wur­den die ers­ten zwei Erkran­kun­gen bestä­tigt. Somit hat sich das Coro­na­vi­rus offi­zi­ell im gan­zen Land ver­brei­tet. Die Zahl der ent­deck­ten Clus­ters – Japan führt dank kon­se­quen­tem Con­tact-Tra­cing genau dar­über Buch – hat sich auf 550 ver­viel­facht. Ende März waren es 24.

Vom anfäng­li­chen Erfolg…

Es stellt sich die Fra­ge, ob Japan die Lage über­haupt noch unter Kon­trol­le hat? Ende Juni wag­te man die­se Fra­ge noch zu beja­hen. Immer­hin waren die neu­en Covid-19-Fäl­le auf ein Mini­mum gesun­ken. Selbst inter­na­tio­nal wur­de Japan für sei­ne Vor­ge­hens­wei­se und Dis­zi­plin gelobt. Mas­ken­tra­gen im All­tag, ein kon­se­quen­tes Con­tact-Tra­cing, eine ganz natür­lich Distanz zum Gegen­über sowie ein wir­kungs­vol­ler und zugleich ver­gleichs­wei­se sanf­ter Lock­down wur­den als Grün­de für die­sen Erfolg genannt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

…zur zwei­ten Welle

mhlw​.go​.jpTäg­li­che Covid-19-Fäl­le vom 16. Janu­ar bis 29. Juli 2020.

Nun aber muss auch Japan fest­stel­len, dass eine Öff­nung der wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten zwangs­läu­fig zu einer Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus führt. Seit dem 19. Juni sind sämt­li­che Rei­se­re­strik­tio­nen inner­halb Japans auf­ge­ho­ben. Vom Staat bezahl­te Ver­bil­li­gun­gen för­dern die Rei­se­tä­tig­keit zusätz­lich. Bis zu 5000 Zuschau­ern dür­fen wie­der in die gros­sen Sportarenen. 

Vie­le Infek­tio­nen ereig­nen sich zudem im Nacht­le­ben. Die Host- und Hos­tes­sen-Clubs, aber auch die Gas­tro­no­mie ste­hen im Brenn­punkt. Hier­bei hat Japan das Pro­blem, dass es kaum von einem Som­mer­ef­fekt pro­fi­tiert. Denn eine Ter­ras­sen­kul­tur ist mit eini­gen Aus­nah­men wie bei­spiels­wei­se den Bier­gär­ten nicht exis­tent (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Viel­mehr sind eng­räu­mi­ge und unzu­rei­chend durch­lüf­te­te Restau­rants und Bars die Norm, ja sogar eine Essenz der japa­ni­schen Gas­tro­no­mie und Nacht­le­bens. Aus­ser­dem flüch­tet man in den heis­sen Som­mer­ta­gen nur zu ger­ne in gekühl­te Innenräume. 

Unzu­rei­chen­de Massnahmen

Einen Not­fall­plan scheint es der­weil nicht zu geben. Von einem neu­er­li­chen Not­stand will die Regie­rung nichts wis­sen. Zu gross wäre der Scha­den für die Wirt­schaft. Bran­chen zur tem­po­rä­ren Schlies­sung zu zwin­gen oder Geld­stra­fen aus­zu­spre­chen, ist in Japan recht­lich nicht mög­lich. Statt­des­sen arbei­ten die Behör­den mit War­nun­gen und Forderungen. 

So bit­tet Tokios Gou­ver­neu­rin ihre Bevöl­ke­rung ledig­lich, mög­lichst auf Rei­sen im Som­mer zu ver­zich­ten. Osakas Gou­ver­neur for­dert der­weil, Trink- und Ess­an­läs­se mit mehr als fünf Per­so­nen zu unter­las­sen, wobei dies vor­läu­fig nur vom 1. bis 20. August 2020 gel­te. Auch Nago­ya will einen ähn­li­chen Weg beschrei­ten. Aus­ser­dem spielt die Regie­rung mit dem Gedan­ken, die Namen der Clubs und Restau­rants, in denen es zu Infek­tio­nen kommt, zu publi­zie­ren. Man will damit die Bran­che zur kon­se­quen­te­ren Umset­zung der Schutz­mass­nah­men zwingen. 

Es ist zu bezwei­feln, dass allei­ne mit die­sen Mass­nah­me die­se Epi­de­mie effi­zi­ent bekämpft wer­den kann. Japan ist gera­de dabei, die Kon­trol­le zu verlieren.

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