Mit «Wor­ka­ti­on» den Tou­ris­mus retten

Ser­gii Rudi­uk / Shut​ter​stock​.comMit Wor­ka­ti­on soll Arbeit mit Urlaub kom­bi­niert werden.

Wäh­rend Jah­ren ging die Stra­te­gie der japa­ni­schen Regie­rung per­fekt auf. Der Ein­rei­se­tou­ris­mus wur­de zu einem gut geöl­ten Wirt­schafts­mo­tor. 2019 besuch­ten über 30 Mil­lio­nen Men­schen aus dem Aus­land den Insel­staat. Im Olym­pia­jahr hoff­te man auf 40 Mil­lio­nen. Der­einst soll­ten es 60 Mil­lio­nen wer­den. Mit dem inter­na­tio­na­len Tou­ris­mus woll­te die Regie­rung vor allem die länd­li­chen Regio­nen, die beson­ders unter der rasan­ten Über­al­te­rung der Gesell­schaft lei­den, zu neu­er Blü­te ver­hel­fen. Es wur­de in Hotels und Ryo­kan inves­tiert, die in die Jah­re gekom­me­ne tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur moder­ni­siert. Die Pan­de­mie hat die­sen Boom jäh beendet. 

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Momen­tan ist nicht ein­mal die so wich­ti­ge inlän­di­sche Kund­schaft in Rei­selau­ne. Denn der Brauch, dass ein gan­zes Land wäh­rend fixier­ter Fei­er­tags­pe­ri­oden in den Urlaub fährt, ist mit der Coro­na-Kri­se nicht kom­pa­ti­bel (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Selbst die gross­zü­gig vom Staat finan­zier­ten Rei­sera­bat­te hel­fen zur­zeit wenig (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Zu stark stei­gen die Covid-19-Zah­len seit Wochen an (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Als Kon­se­quenz blei­ben in der aktu­el­len Obon-Fei­er­tags­zeit vie­le zu Hau­se. Für die Hotels sind dies schlech­te Nach­rich­ten. Bis Anfang August haben bereits 80 Hotel­un­ter­neh­men Kon­kurs ange­mel­det. Fast die Hälf­te nennt die Coro­na-Kri­se als Haupt­grund für die Zah­lungs­un­fä­hig­keit. Man muss davon aus­ge­hen, dass in den kom­men­den Mona­ten noch mehr schlies­sen werden. 

Wor­ka­ti­on und Telework

Die Bran­che ver­sucht sich nun mit einem neu­en Kon­zept zu ret­ten, das Chef­ka­bi­nett­se­kre­tär Yoshihi­de Suga «Wor­ka­ti­on» nennt. Das inter­na­tio­nal gän­gi­ge Schlag­wort ist ein Zusam­men­zug der Wör­ter Work und Vaca­ti­on. Die hart arbei­ten­den Sala­ry­man sol­len Arbeit mit Urlaub kom­bi­nie­ren. Mit der Fami­lie ver­bringt man eini­ge Näch­te in einem Ryo­kan auf dem Land oder in einem Hotel in einer Stadt und erle­digt zugleich sei­ne Arbeit – ganz nach dem Vor­bild der digi­ta­len Noma­den. Damit sol­len die star­ren Fei­er­tags­pe­ri­oden auf­ge­weicht und die Ange­stell­ten moti­viert wer­den, wäh­rend nor­ma­ler Werk­ta­ge für ein paar Tage aufs Land zu fahren. 

Die Hotel­bran­che wagt den Ver­such. Es bleibt ihr nichts ande­res übrig. Das luxu­riö­se Hotel New Ota­ni in Tokio bie­tet aktu­ell einen «Super Workation»-Plan für 30 Tage an. Die gros­sen Rei­se­bü­ros ver­zich­ten genau­so wenig auf Wor­ka­ti­on. Es ist bereits der zwei­te Ver­such einer Diver­si­fi­zie­rung. Seit Beginn der Kri­se bie­ten vie­le städ­ti­sche Hotels ihre Zim­mer für Home­of­fice an. «Telework»-Plan heisst die­ses Kon­zept, mit dem sich die Bran­che über Was­ser zu hal­ten ver­sucht (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Vor­bild JAL

Nur stellt sich die Fra­ge, ob die japa­ni­sche Kon­zern­welt, die sich selbst wäh­rend des Not­stan­des mit Home­of­fice schwer­tat, über­haupt wil­lens und fähig ist, den Schritt zu Wor­ka­ti­on zu voll­zie­hen? In einer lan­des­wei­ten Umfra­ge des Trend­for­schers NEXER glaub­ten 60 Pro­zent nicht an die Ver­brei­tung von Wor­ka­ti­on. Ver­stärkt wird die­se Annah­me durch die Tat­sa­che, dass Mit­te Juli in Tokio gera­de noch 31 Pro­zent von 14’256 befrag­ten Fir­men Home­of­fice ihren Ange­stell­ten anbo­ten. Das wirt­schaft­li­che insta­bi­le Umfeld, die unkla­re Kos­ten­ver­tei­lung bei Wor­ka­ti­on und die nicht vor­her­seh­ba­re Ent­wick­lung der Coro­na-Kri­se sind wei­te­re Hür­den. Es gibt aber auch ein ermu­ti­gen­des Bei­spiel. Die Air­line JAL för­dert seit 2017 die­ses Arbeits­kon­zept. Im ers­ten Jahr nutz­ten gera­de mal 11 Ange­stell­te die­se Mög­lich­keit, 2018 waren es bereits 174.

Womög­lich wür­de es der Hotel­bran­che jedoch mehr nüt­zen, wenn die Regie­rung und die Unter­neh­men den Bezug des bezahl­ten Urlaubs ver­stärkt för­dern wür­den. Denn bis heu­te ver­zich­tet ein Gross­teil der Arbeit­neh­mer auf die gesetz­lich garan­tier­ten Feri­en­ta­ge (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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