Der 100-jäh­ri­ge Wald mit­ten in Tokio

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comEine hei­li­ge grü­ne Stät­te: Im Are­al des Meiji-Schreins.

Die Glei­se, die zum Tokio­ter Bahn­hof Hara­juku füh­ren, bil­den eine Gren­ze zwi­schen zwei Wel­ten, die unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten. Auf der einen Sei­te ist das leben­di­ge Vier­tel der Jugend­kul­tur mit der Takes­hi­ta-Stras­se im Zen­trum. Auf der ande­ren Sei­te ist ein dich­ter Wald, in des­sen Zen­trum der Schrein Mei­ji-Jin­gu steht, der dem 1912 ver­stor­be­nen Kai­ser Mei­ji und des­sen Frau Sho­ken gewid­met ist (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die reli­giö­se Stät­te fei­ert die­ses Jahr ihren 100-jäh­ri­gen Geburts­tag. Der umge­ben­de Wald, der sich auf einer Flä­che von 70 Hekta­ren aus­brei­tet, ist eine Oase der Ruhe und dies mit­ten in der Mil­lio­nen­stadt Tokio. Spa­ziert man durch die­ses grü­ne Para­dies, könn­te man mei­nen, es sei das letz­te natür­li­che Über­bleib­sel der vor­mo­der­nen Zeit. Es ist eine per­fek­te Illu­si­on. Denn in Wahr­heit han­delt es sich um einen von Men­schen erschaf­fe­nen Wald, um das wohl gröss­te städ­ti­sche Bewal­dungs­pro­jekt des Lan­des, das gera­de mal 100 Jah­re jung ist. 

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Ein visio­nä­res Projekt

TAGSTOCK1 / Shut​ter​stock​.comDer Yoyo­gi-Park (lin­ke Sei­te) und der Wald des Mei­ji-Jin­gu-Schreins (rech­te Seite).

1915 plan­ten Dr. Sei­ro­ku Hon­da, Dr. Tak­an­o­ri Hon­go und Kei­ji Ueha­ra die­sen Wald als ange­mes­se­ne Umge­bung und grü­nen Schutz­wall für den Schrein. Es war ein visio­nä­res Pro­jekt, das auf 150 Jah­re ange­legt war. Als man mit den Arbei­ten begann, war die­ser Ort haupt­säch­lich Gras- und Sumpf­land, das im Besitz der kai­ser­li­chen Fami­lie war. 95’559 Bäu­me und Setz­lin­ge aus dem gan­zen Land wur­den für die Auf­fors­tung gespen­det. 365 Sor­ten waren es ins­ge­samt. 110’000 jun­ge Frei­wil­li­ge hal­fen damals beim Anpflan­zen und beim Bau der Wege. 

Man setz­te sich zum Ziel, einen natür­li­chen, dich­ten Wald zu erschaf­fen, der der­einst ohne Ein­grif­fe des Men­schen gedei­hen soll­te. Hier­zu leg­te man drei Grund­re­geln fest, die bis heu­te befolgt wer­den: Es dür­fen kei­ne Blät­ter und Äste ent­fernt wer­den, man darf nicht mit­ten durch den Wald gehen und nichts aus dem Wald mit­neh­men. 100 Jah­re spä­ter ist des­sen Ent­wick­lung viel wei­ter fort­ge­schrit­ten als ursprüng­lich geplant. Heu­te fin­det man 270 Baum­sor­ten vor. Es ist das Resul­tat einer natür­li­chen Aus­le­se. Vögel und Insek­ten sind hei­misch gewor­den. Tokio hat im Zen­trum einen Wald mit einem funk­tio­nie­ren­den Öko­sys­tem erhal­ten. Als Hei­mat des Mei­ji-Schreins wird er als hei­lig angesehen. 

Die gan­ze fas­zi­nie­ren­de Geschich­te die­ser urba­nen Auf­fors­tung kann man in die­sem Arti­kel der NPO Japan for Sustai­na­bi­li­ty lesen.

Ein Land der Monokultur-Wälder

Japan besitzt übri­gens einen der gröss­ten Wald­be­stän­de in der indus­tria­li­sier­ten Welt. Davon wur­den jedoch rund 40 Pro­zent auf­ge­fors­tet. Das Resul­tat ist sel­ten so schön anzu­se­hen wie im Mei­ji-Jin­gu-Wald. Denn in den meis­ten Fäl­len han­delt es sich um Mono­kul­tur-Wäl­der ohne jeg­li­che Bio­di­ver­si­tät. Aus­ser­dem wur­de eine gros­se Flä­che wegen man­geln­der Nach­fra­ge in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten sich selbst über­las­sen. Doch auch in die­ser Bezie­hung tut sich all­mäh­lich etwas. Die japa­ni­sche Forst­be­hör­de hat sich zum Ziel gesetzt, einen Drit­tel die­ser Mono­kul­tur-Wäl­der in natür­li­che Wäl­der mit viel­fäl­ti­gen Baum­ar­ten und einem funk­tio­nie­ren­den Öko­sys­tem zurückzuverwandeln.

Der Stand­ort des Meiji-Jingu-Schreins

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