Das Ende eines legen­dä­ren Nachtzugs

Rsa / Wiki­me­dia / CCDer «Moon­light Naga­ra» im Jahr 2013.

Beim Moon­light Naga­ra han­del­te es sich um einen 1996 ein­ge­führ­ten regu­lä­ren Schnell­zug, der durch die Nacht hin­durch ver­kehr­te. Jeweils um 23:10 Uhr fuhr der Zug im Bahn­hof Tokyo ab. Die Rou­te führ­te über Shi­zuoka und Nago­ya bis in die Prä­fek­tur Gifu. Um 5:50 Uhr war die End­sta­ti­on im Bahn­hof Oga­ki erreicht. Es war das idea­le Ver­kehrs­mit­tel für Rei­sen­de mit dem klei­nen Bud­get. Der Fahr­preis betrug ein Bruch­teil einer Shink­an­sen-Fahrt. Selbst der Bahn­pass Seis­hun-18-Kip­pu (Asi­en­spie­gel berich­te­te) war auf die­ser 410 Kilo­me­ter lan­gen Fahrt gül­tig. Das mach­te den Moon­light Naga­ra zu einer äus­serst belieb­ten Opti­on für Studenten. 

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Die Hotel­kos­ten konn­te man sich damit eben­falls spa­ren. Bequem war die Fahrt jedoch nicht. Schlaf­ab­tei­le such­te man ver­geb­lich. Die 10 Wagen waren mit reser­vier­ba­ren Sit­zen aus­ge­stat­tet, deren Rücken­leh­ne ver­stell­bar waren. Das war schon der ein­zi­ge Kom­fort, aber immer­hin ein Fort­schritt zum Vor­gän­ger­mo­dell, dem Ōga­ki Yakō («Oga­ki-Nacht­zug»), der von 1969 bis 1996 ver­kehr­te. Dabei han­del­te es sich um einen Lokal­zug mit gewöhn­li­chen Sit­zen, die nicht reser­vier­bar waren. Dies führ­te dazu, dass der Ōga­ki Yakō wäh­rend der Feri­en­zei­ten der­art über­füllt war, dass die zu spät gekom­me­nen Pas­sa­gie­re sich am Boden ein­rich­ten mussten.

Ein Fern­seh­be­richt von der letz­ten Fahrt des Oga­ki-Nacht­zugs 1996. Danach wur­de der Moon­light Naga­ra ein­ge­führt. | Video: CBCニュース / Youtube

Das Ende des Moon­light Nagara

Der schlei­chen­de Nie­der­gang konn­te durch die Ein­füh­rung des beque­me­ren Moon­light Naga­ra nicht auf­ge­hal­ten wer­den. Ab 2009 war er nur noch als Son­der­zug wäh­rend der Uni­ver­si­täts­fe­ri­en im März, August und Dezem­ber im Ein­satz, jeweils dann, wenn der Seis­hun-18-Kip­pu-Bahn­pass gül­tig war. Und so kam es, wie es kom­men muss­te. Am 22. Janu­ar 2021 ver­kün­de­te JR East in einem kur­zen Satz das Ende die­ses nost­al­gi­schen Stücks Bahn­ge­schich­te. Der Moon­light Naga­ra wer­de auf­grund des ver­än­der­ten Rei­se­ver­hal­tens der Kun­den, sei­ner abneh­men­den Bedeu­tung und wegen der ver­al­te­ten Wagen eingestellt. 

Sei­ne letz­te Fahrt war bereits am 29. März 2020. Im Som­mer und Win­ter ver­kehr­te er auf­grund der wie­der­keh­ren­den Coro­na-Wel­len nicht mehr. Die Pan­de­mie hat das Ende des Moon­light Naga­ra zwei­fel­los beschleu­nigt. Sein Schick­sal war aber schon lan­ge besie­gelt. Die Fern­bus­se sind durch eine Geset­zes­lo­cke­rung 2002 zu einer zu viel zu star­ken Kon­kur­renz gewor­den. Auch das Ange­bot an güns­ti­gen Inland­flü­gen mach­te dem Moon­light Naga­ra das Leben seit Jah­ren schwer. 

Die letz­ten Nachtreisezüge

Einst war Japan wegen sei­ner wei­ten Distan­zen ein Land der Nacht­zü­ge. Die «Blue Trains» waren die belieb­ten Schlaf­wa­gen­zü­ge der Nach­kriegs­zeit. 1956 fei­er­ten sie ihr Debüt. Mit dem Auf­kom­men des Hoch­ge­schwin­dig­keits­zug Shink­an­sen schwand deren Bedeu­tung. Mit dem Hoku­to­sei, der in 16 Stun­den von Ueno bis nach Sap­po­ro fuhr, ging die Ära der Blue Trains 2015 end­gül­tig zu Ende (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Nur ein Jahr spä­ter wur­de der Nacht­rei­se­zug Cas­sio­peia, der moder­ne Nach­fol­ger mit pri­va­ten Schlaf­ab­tei­len, aus­ser Betrieb genom­men (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Heu­te ver­keh­ren im nor­ma­len Fahr­plan noch zwei klas­si­sche Nacht­rei­se­zü­ge mit Schlaf­ab­tei­len: Der Sun­ri­se Seto und der Sun­ri­se Izu­mo.

Die Fas­zi­na­ti­on für die­se Form des Rei­sens ist geblie­ben. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind in Japan zahl­rei­che luxu­riö­se Rei­se­zü­ge ent­stan­den, die klei­ne fah­ren­de Fünf-Ster­ne-Hotels sind (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Der berühm­tes­te Ver­tre­ter ist der Nanat­sub­o­shi (Seven Stars), der mehr­tä­gi­ge Fahr­ten durch die Süd­in­sel Kyus­hu anbie­tet (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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