Schwei­gend essen: Eine neue Restaurant-Benimmregel

yufinn / Shut​ter​stock​.comIn einem Restau­rant­vier­tel in Tokio im Juni 2020.

In Japan muss­ten die Restau­rants seit Beginn der Coro­na-Kri­se an kei­nem ein­zi­gen Tag schlies­sen. Ein­zig in den Not­stands­re­gio­nen gilt die recht­lich nicht ver­bind­li­che For­de­rung, die Öff­nungs­zei­ten abends zu kür­zen. Trotz allem lei­det die Gas­tro­no­mie. 2020 war ein his­to­risch schlech­tes Jahr. Die Umsät­ze der Bran­che bra­chen um 15,1 Pro­zent ein, wobei die Iza­ka­ya-Knei­pen am stärks­ten betrof­fen waren. 49,5 Pro­zent beträgt dort der Rück­gang. Gemäss Tei­ko­ku Datab­ank muss­ten im ver­gan­ge­nen Jahr 189 Iza­ka­yas Kon­kurs anmel­den. Genau­so schlecht ergeht es den Gast­stät­ten, die aus­schliess­lich abends ihr Geld verdienen. 

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Für die Restau­rants ist die Lage zum Ver­zwei­feln. Trotz Ein­füh­rung zahl­rei­cher Schutz­mass­nah­men ste­hen sie stän­dig in der Kri­tik. Immer mehr Restau­rant­be­sit­zer reagie­ren nun. Sie pro­pa­gie­ren eine neue Ver­hal­tens­kul­tur, um die Bran­che zu ret­ten. Mokus­ho­ku, «schwei­gend essen», ist das Wort der Stun­de. Es ist eine unmiss­ver­ständ­li­che Auf­for­de­rung an die Kun­den zur Koope­ra­ti­on. Der Gast soll sich auf das Wesent­li­che kon­zen­trie­ren und somit aktiv zu einer siche­ren Umge­bung bei­tra­gen. So ist hin­läng­lich bekannt, dass lau­te und lan­ge Kon­ver­sa­tio­nen in geschlos­se­nen Räum­lich­kei­ten das Risi­ko einer Infek­ti­on erhö­hen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Mokus­ho­ku wird zum Trend

Es war ein Cur­ry-Restau­rant in Fuku­o­ka, das auf die­se Idee kam und damit in den sozia­len Medi­en auf viel Wohl­wol­len stiess. Der Twit­ter-Bei­trag des Besit­zers erhielt über 80’000 Likes. Das dazu­ge­hö­ri­ge Pla­kat mit dem Wort Mokus­ho­ku hat er gleich kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt. Dar­aus ent­stand ein regel­rech­ter Trend. Die Auf­for­de­rung ist nun immer häu­fi­ger in Restau­rants zu sehen (sie­he Tweets unten). Die Stadt Kyo­to bie­tet das Pla­kat auf ihrer offi­zi­el­len Web­site zum Down­load an.

Eini­ge Restau­rants gehen sogar einen Schritt wei­ter. Tans­ho­ku, in mög­lichst kur­zer Zeit essen, ist eine wei­te­re Bit­te. Ande­re haben begon­nen, sich ganz auf Ein­zel­gäs­te aus­zu­rich­ten. Denn allei­ne fällt das Schwei­gen bekannt­lich leich­ter. Mit die­sen Mass­nah­men hof­fen die Restau­rants, die nöti­ge Sicher­heit zu schaf­fen und das Ver­trau­en der Gäs­te, die aus Sor­ge vor einer Infek­ti­on kei­ne Restau­rants mehr auf­su­chen, zurückzugewinnen. 

Die Kul­tur allei­ne zu geniessen

Die Kul­tur, allei­ne aus­wärts zu essen, Karao­ke zu sin­gen oder ins Kino zu gehen, ist in Japan übri­gens nichts Unge­wöhn­li­ches. Eini­ge Restau­rants haben sich schon lan­ge auf die­ses Bedürf­nis spe­zia­li­siert (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Das wohl berühm­tes­te Bei­spiel ist die Ramen-Restau­rant­ket­te Ichi­ran, die seit jeher ein­zel­ne Sitz­plät­ze mit Trenn­wän­den zur Ver­fü­gung stellt. 

Nur schon in demo­gra­phi­scher Hin­sicht ist die Aus­rich­tung auf Ein­zel­kun­den sinn­voll. Immer­hin lebt heu­te in jedem drit­ten Haus­halt nur eine Per­son (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Kul­tur des Mokus­ho­ku hat in Japan alle Vor­aus­set­zun­gen, um sich zu etablieren. 


Mokus­ho­ku in Japan


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