Kozu­shi­ma: Die Sternenhimmel-Insel

Frei­er Blick auf die Milch­stras­se: Der nächt­li­che Ster­nen­him­mel von Kozu­shi­ma. Foto: Wataru Furuya

Noch vor 100 Jah­ren war die Sicht auf den nächt­li­chen Ster­nen­him­mel eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Heut­zu­ta­ge haben vie­le noch nie in ihrem Leben die Milch­stras­se erblickt. Durch die nächt­li­che Beleuch­tung der Metro­po­len die­ser Welt geht die Dun­kel­heit der Nacht ver­lo­ren. Die künst­li­chen Lich­ter ver­un­mög­li­chen es, selbst bei kla­ren Ver­hält­nis­sen einen Ster­nen­him­mel zu sehen. 

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Die­se Licht­ver­schmut­zung stellt eine Gefahr für die Natur und die Gesund­heit der Tie­re und Men­schen dar (sie­he Video unten). Die NPO Inter­na­tio­nal Dark-Sky Asso­cia­ti­on ver­sucht mit geziel­ten Mass­nah­men den nächt­li­chen Ster­nen­him­mel wie­der sicht­bar zu machen. Orte, denen dies erfolg­reich gelingt, wer­den als «Inter­na­tio­nal Dark Sky Park» zertifiziert. 

Eine Insel holt die Nacht zurück

400 Lich­ter hat Kozu­shi­ma ersetzt. Kozu­shi­ma Village

Eine klei­ne Insel 180 Kilo­me­ter süd­lich von Tokio hat sich die­ses Pro­blems ange­nom­men. Kozu­shi­ma ist eine Vul­kan­in­sel, die zur Haupt­stadt­prä­fek­tur gehört (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Sie hat eine Flä­che von 18 Qua­drat­ki­lo­me­tern und zählt 1900 Ein­woh­ner. Von Tokio aus ist die Insel mit dem Schiff oder dem Flug­zeug erreich­bar. Ein male­ri­sches blau­es Meer, das zum Baden und Tau­chen ein­lädt, und der Vul­kan Ten­jo mit zwei Wan­der­we­gen zum Gip­fel locken die Besu­cher im Som­mer auf die­se klei­ne Insel. 

Kozu­shi­ma besitzt aber noch ein wei­te­res Wahr­zei­chen: Einen über­wäl­ti­gen­den nächt­li­chen Ster­nen­him­mel. Ihre Bewoh­ner haben sich zum Ziel gesetzt, die­se Sze­ne­rie aktiv zu schüt­zen. Hier­zu wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr eine Ver­ord­nung gegen die Luft­ver­schmut­zung erlas­sen. 400 Lich­ter wur­den in der Fol­ge ersetzt. In den Stras­sen des Dor­fes wur­den Leuch­ten instal­liert, die nicht mehr in Rich­tung Him­mel, son­dern ein­zig nach unten abstrah­len. Auch mit der Benut­zung von Aus­sen­lich­tern an den Häu­sern wird seit­her spar­sam umge­gan­gen. Das Resul­tat ist ein­drück­lich, wie eini­ge von Kozu­shi­ma ver­öf­fent­lich­te Fotos zei­gen (sie­he auch Fotos unten). 

Das Dorf nähert sich mit die­ser Licht­ge­stal­tung der natür­li­chen Dun­kel­heit an, ohne dabei die nächt­li­che Sicher­heit zu ver­nach­läs­si­gen. Es ist ein effi­zi­en­ter Bei­trag zum Schutz des Ster­nen­him­mel-Pan­ora­mas. Die Inter­na­tio­nal Dark-Sky Asso­cia­ti­on hat die­se Bemü­hun­gen aus­ge­zeich­net. Seit Dezem­ber 2020 darf sich die Insel mit dem Titel «Inter­na­tio­nal Dark Sky Park» schmü­cken. In Kozu­shi­ma hofft man mit die­ser Mass­nah­me neue Besu­cher anzu­lo­cken, die dank des attrak­ti­ven Nacht­hi­memls auch bereit sind, im Win­ter die Insel zu besu­chen. Der Foto­graf des obi­gen Fotos, Wataru Furu­ya, führt auf Kozu­shi­ma seit 2018 regel­mäs­sig nächt­li­che Star Watching Tours durch. 

Das zwei­te Licht­schutz­ge­biet in Japan

Kozu­shi­ma ist die ers­te poli­ti­sche Gemein­de in Japan, die ihr gesam­tes Gebiet auf die­se Wei­se schützt. Zuvor haben die Yae­y­a­ma-Inseln im Süden der Prä­fek­tur Oki­na­wa 2017 den Irio­mo­te-Ishi­ga­ki-Natio­nal­park zum Licht­schutz­ge­biet erklärt und ver­schie­de­ne Mass­nah­men gegen die Licht­ver­schmut­zung ergrif­fen. Seit 2018 hat die­ses Gebiet den Sta­tus eines Inter­na­tio­nal Dark Sky Park.


Die alte und die neue Stras­sen­be­leuch­tung. Kozu­shi­ma Village
Mehr Dun­kel­heit für das Dorf. Kozu­shi­ma Village

Der Stand­ort von Kozushima


Inter­na­tio­nal Dark Sky Asso­cia­ti­on / Youtube

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