Das Bade­haus unter dem Kyo­to Tower

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comDer «Leucht­turm» der Stadt: Der Kyo­to Tower.

Die Ankunft in Kyo­to mag vie­le über­ra­schen. Anstatt mit der Geschich­te der alten Kai­ser­stadt wird man mit der Moder­ne kon­fron­tiert. Es beginnt mit dem 1997 ein­ge­weih­ten futu­ris­ti­schen Bahn­hofs­ge­bäu­de des Archi­tek­ten Hiro­shi Hara. Ver­lässt man die Sta­ti­on erblickt man sogleich einen Aus­sichts­turm, der bereits seit knapp 57 Jah­ren dort steht. Die bei­den Bau­wer­ke sind die moder­nen Kon­trast­punk­te die­ser Stadt der his­to­ri­schen Kulturschätze. 

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Am 28. Dezem­ber 1964 wur­de der Kyo­to Tower eröff­net. Es war das Jahr des Auf­bruchs. Der Shink­an­sen wur­de in Betrieb genom­men und die Olym­pi­schen Spie­le in Tokio erfolg­reich abge­hal­ten. Der Wirt­schafts­mo­tor kam so rich­tig in die Gän­ge. Archi­tekt Mamo­ru Yama­da drück­te die­sen Zeit­geist mit einer moder­nen ker­zen­för­mi­gen Struk­tur aus, die ger­ne als der Leucht­turm der Stadt bezeich­net wird. Kein Bau­werk in Kyo­to ist höher. Die Spit­ze des Blitz­ab­lei­ters ist 131 Meter hoch. Die obe­re Aus­sichts­ebe­ne befin­det sich auf 100 Metern. Der­weil ist das Fun­da­ment des Kyo­to Tower ein äus­serst nor­mal wir­ken­des 9-stö­cki­ges und 31 Meter hohes Gebäu­de, in dem man Läden, Restau­rants, das Kyo­to Tower Hotel und ein Tou­ris­mus­bü­ro vorfindet. 

Das Bade­haus unter dem Kyo­to Tower

kyo​to​-tower​.jpDas Bade­haus YUU im Kyoto-Tower-Komplex.

Das ist aber noch nicht alles. Im drit­ten Unter­ge­schoss die­ses Kom­ple­xes ist das öffent­li­che Bade­haus YUU, das seit der Eröff­nung des Kyo­to Tower in Betrieb ist und vom Hotel geführt wird. Von mor­gens 7 Uhr bis abends um 22 Uhr steht es nicht nur den Hotel­gäs­ten offen. 770 Yen kos­tet der Ein­tritt. Beson­ders beliebt war das YUU unter den Pas­sa­gie­ren der Nacht­bus­se. Für sie war das 335 Qua­drat­me­ter gros­se Bade­haus ein Ort der Erho­lung, vor und nach einer beschwer­li­chen Rei­se. Auch Geschäfts­rei­sen­de, die mit dem Shink­an­sen unter­wegs waren und Tou­ris­ten, die in beeng­ten Hotel­zim­mern über­nach­te­ten, wuss­ten die­se Dienst­leis­tung direkt vor dem Bahn­hof Kyo­to zu schät­zen. Der Tou­ris­mus­boom brach­te sogar neue Gäs­te. 2017 besuch­ten 180’000 Kun­den das Bade­haus unter dem Aus­sichts­turm. Es war ein Rekord. 

Die Coro­na-Kri­se hat nun aber auch die­se Insti­tu­ti­on in die Knie gezwun­gen. Kei­han Hotels & Resorts, Betrei­ber des Kyo­to Tower Hotels, hat die Schlies­sung per 30. Juni 2021 ange­kün­digt. Die Öff­nungs­zei­ten wur­den schon im ver­gan­ge­nen Som­mer gekürzt, die Bade­gäs­te blei­ben seit Mona­ten aus. Auch für Kyo­to gilt aktu­ell der Coro­na-Not­stand (Asi­en­spie­gel berich­te­te). In der alten Kai­ser­stadt feh­len seit über einem Jahr die so wich­ti­gen Tou­ris­ten aus Über­see (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Fort­füh­rung des Bade­hau­ses YUU war unter die­sen Umstän­den kei­ne Option. 

Die Kul­tur der öffent­li­chen Badehäuser

VTT Stu­dio / Shut​ter​stock​.comEin öffent­li­ches Bade­haus in Tokio.

Die öffent­li­chen Bade­häu­ser sind seit Jah­ren im Nie­der­gang begrif­fen. Ins­be­son­de­re in Jahr­zehn­ten unmit­tel­bar nach dem Zwei­ten Welt­krieg, als kaum jemand ein eige­nes Bad zuhau­se hat­te, erleb­ten sie ihre Boom-Zei­­ten. Die Zahl der öffent­li­chen Bade­häu­ser stieg 1965 lan­des­weit auf über 22’000 an. In die­se Zeit fiel auch die Eröff­nung des YUU. 

Als mit dem auf­kom­men­den Wohl­stand das Bade­zim­mer in den eige­nen vier Wän­den zum Stan­dard wur­de, begann der Nie­der­gang die­ser Insti­tu­tio­nen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Heu­te gibt es noch 3398 öffent­li­che Bade­häu­ser im Land. Allei­ne in Tokio ist die Zahl von einst 2600 auf heu­te 522 gesun­ken. Der­weil gelingt es der Regi­on Kan­sai bes­ser, die­se Tra­di­ti­on am Leben zu hal­ten. In Osa­ka sind es noch 485 (Über­sichts­kar­te) und in Kyo­to 163 öffent­li­che Bade­häu­ser (Über­sichts­kar­te). Gera­de der Tou­ris­mus-Boom wur­de zu einer Gele­gen­heit, die­ser Insti­tu­ti­on neu­es Leben ein­zu­hau­chen. Ob das YUU der­einst eine Wie­der­eröff­nung fei­ern kann, hängt wohl auch ganz von der Ent­wick­lung der Coro­na-Kri­se in den kom­men­den Mona­ten ab.

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