Ein Haus aus einer ande­ren Zeit

Lee pei­ming / Shut​ter​stock​.comDas Hori-Buil­ding vor der Restaurierung.

In Tokio domi­niert die Moder­ne. Regel­mäs­sig ent­ste­hen höhe­re und ein­drück­li­che­re Wol­ken­krat­zer (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die japa­ni­sche Haupt­stadt erlebt eine stän­di­ge archi­tek­to­ni­sche Neu­erfin­dung. Noch im 19. Jahr­hun­dert war die­se Mil­lio­nen­stadt aus Holz gebaut. In der Mei­ji- und Tais­ho-Zeit (1868 bis 1926) folg­ten Gebäu­de im west­li­chen Bau­stil. Schliess­lich wur­de Tokio im 20. Jahr­hun­dert gleich zwei Mal – beim Gros­sen Erd­be­ben 1923 und wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs – dem Erd­bo­den gleich­ge­macht, um jedes Mal neu aus der Asche zu erste­hen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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Es ist die­se Geschich­te der wie­der­hol­ten Zer­stö­rung, die Tokio zu einer zukunfts­ge­rich­te­ten Stadt gemacht hat. Dem Denk­mal­schutz schenkt man wenig Auf­merk­sam­keit. Und trotz­dem gibt es in Tokio Bau­wer­ke, die selbst die gröss­ten Kata­stro­phen und die Eupho­rie des wirt­schaft­li­chen Hoch­wachs­tums über­stan­den haben. Der Bahn­hof Tokio, das Wakō-Kauf­haus in Gin­za, das Mei­ji Sei­mei Kan, die Brü­cke Toki­wa­ba­shi (Asi­en­spie­gel berich­te­te) oder der ehe­ma­li­ge Haupt­sitz der US-Besat­zungs­be­hör­de, das Dai-Ichi-Life-Gebäu­­de (Asi­en­spie­gel berich­te­te), sind sol­che raren Beispiele. 

Ein Haus aus einer ande­ren Zeit

Taken­a­ka Cor­po­ra­ti­on / 田中克昌Ein­bli­cke in das Inne­re vor der Restaurierung.

Ein klei­ne­res aber eben­so bedeu­ten­des Bau­werk befin­det sich unweit des Bahn­hofs Shim­ba­shi im Zen­trum von Tokio. Inmit­ten zahl­rei­cher Neu­bau­ten aus der Nach­kriegs­zeit steht bei einer Kreu­zung das Hori Buil­ding (sie­he Foto oben). Es ist ein archi­tek­to­ni­sches Über­bleib­sel aus einer ande­ren Zeit. Die abge­run­de­te Form, die mit Flie­sen ver­klei­de­te Fas­sa­de, die Orna­men­te, die beschei­de­ne Bau­hö­he und der klei­ne Turm fal­len in die­ser Umge­bung auf. Über dem Erd­ge­schoss steht die Auf­schrift Hori Shō­ten, das «Hori-Geschäft». Das Bau­jahr ist 1932. Der Auf­trag­ge­ber war das Unter­neh­men Hori, ein Her­stel­ler von Schlös­sern und Metall­be­schlä­gen. Neun Jah­re zuvor war an sel­ber Stel­le der Haupt­sitz durch das Gros­se Erd­be­ben zer­stört wor­den. Anstatt auf Holz setz­te man bei die­sem Neu­bau auf eine moder­ne For­men­spra­che und Stahl­be­ton, der Feu­er und Erd­be­ben stand­hal­ten sollte. 

Bei der Ein­wei­hung war es das gröss­te Gebäu­de in der unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft (hier eini­ge his­to­ri­sche Fotos). Im Erd­ge­schoss waren die Geschäfts­räu­me, im ers­ten und zwei­ten Stock die Büros und im drit­ten Stock die Woh­nung der gleich­na­mi­gen Besit­zer­fa­mi­lie. Ganz im Stil der tra­di­tio­nel­len Machiya-Häu­ser (Asi­en­spie­gel berich­te­te) wur­den Geschäfts- und Wohn­be­rei­che vereinigt. 

Ein natio­na­les Kulturgut

Taken­a­ka Cor­po­ra­ti­on / 田中克昌Das Hori Buil­ding nach der Restaurierung.

Die Fir­ma und das his­to­ri­sche Gebäu­de haben die Bom­ben des Zwei­ten Welt­kriegs wie auch den unge­brems­ten Wie­der­auf­bau über­lebt und bestehen bis heu­te. 1998 wur­de das Hori Buil­ding sogar zum natio­na­len Kul­tur­gut erklärt, als ein reprä­sen­ta­ti­ves Bei­spiel für den Bau­stil der frü­hen Showa-Zeit (1926 bis 1989). Noch bis ins ver­gan­ge­nen Jahr nutz­te Hori das Erd­ge­schoss. Auch die 86-jäh­ri­ge Prä­si­den­tin der Fir­ma wohn­te im vier­ten Stock. Doch das Gebäu­de war in die Jah­re gekom­men. Ein Netz­kon­struk­ti­on schütz­te die Pas­san­ten vor her­un­ter­fal­len­den Ele­men­ten. Es war Zeit für einen Neu­an­fang. Das Hori Buil­ding wur­de der Fir­ma Taken­a­ka, die sich auf die Erhal­tung his­to­ri­scher Bau­ten spe­zia­li­siert hat, ver­pach­tet. Die Prä­si­den­tin zog um. 

Seit Ende März 2021 sind die auf­wen­di­gen Restau­ra­ti­ons­ar­bei­ten voll­bracht. Die Fas­sa­de, die Orna­men­te und die Auf­schrift Hori Shō­ten erstrah­len in altem Glanz. Im Innern wur­den die Räum­lich­kei­ten moder­ni­siert und gleich­zei­tig his­to­ri­sche Ele­men­te erhal­ten. Das Gebäu­de dient neu als Cowor­king-Space. Der­weil ist aus dem Erd­ge­schoss eine Lounge und ein Ver­an­stal­tungs­raum gewor­den. Mit der Restau­rie­rung des Hori Buil­ding hat Tokio ein klei­nes Fens­ter in die eige­ne archi­tek­to­ni­sche Ver­gan­gen­heit mit viel Lie­be bewah­ren kön­nen. Es ist ein schö­nes Bei­spiel für gelun­ge­nen Denk­mal­schutz in einer sich stän­dig wan­deln­den Metropole.

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