Ein Herbst der Normalisierung

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comDie Kur­ven­rei­che Stras­se am Iro­ha­za­ka in Nikko.

2020 erleb­te Japan das abrup­te Ende einer tou­ris­ti­schen Boom-Pha­se, die 2013 begon­nen und 2019 mit 31 Mil­lio­nen inter­na­tio­na­len Besu­chern ihren Höhe­punkt erreicht hat­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te). 2021 bleibt auf­grund der anhal­ten­den Coro­na-Pan­de­mie ein Jahr des Still­stands. Momen­tan sieht es ganz danach aus, dass es sogar ein Null-Tou­ris­ten-Jahr wird (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Denn seit April 2020 dür­fen kei­ne inter­na­tio­na­len Besu­cher mehr ein­rei­sen. In der offi­zi­el­len Besu­cher­sta­tis­tik erschei­nen ledig­lich noch Per­so­nen, die aus «spe­zi­el­len aus­ser­or­dent­li­chen Umstän­den» ein zeit­lich befris­te­tes Visum erhal­ten haben. Neben den japa­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen, den For­eign Resi­dents und den Pro­fi­sport­lern ist dies die ein­zi­ge Per­so­nen­grup­pe, die noch ins Land gelas­sen wird. 

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Die­ser Umstand führt dazu, dass monat­lich gera­de noch 17’000 Aus­län­der und 40’000 bis 50’000 Japa­ner in den Insel­staat ein­rei­sen, wie die Sta­tis­tik der Ein­rei­se­be­hör­de zeigt. Eine gros­se Aus­nah­me bil­de­ten der Juli und August, als die Olym­pi­schen und Paralym­pi­schen Spie­le in Tokio statt­fan­den. In die­sen bei­den Mona­ten reis­ten ins­ge­samt 94’429 Aus­län­der ein, wovon die Mehr­heit direk­te Betei­lig­te von Tokyo 2020 waren. 

Die olym­pi­sche Beule

Die­se «olym­pi­sche Beu­le» wird 2021 die Aus­nah­me blei­ben. Eine Wie­der­auf­nah­me des Tou­ris­mus ist noch nicht abseh­bar. Noch hält Japan an den strik­ten Ein­rei­se­re­geln fest. Für sämt­li­che Ein­rei­sen­den gilt wei­ter­hin eine 14-tägi­ge Qua­ran­täne­pflicht. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob man bereits geimpft ist. Dar­über hin­aus sind die bevöl­ke­rungs­reichs­ten Prä­fek­tu­ren bis Ende Sep­tem­ber im Not­stand. Japans obers­ter Covid-19-Gesund­heits­be­ra­ter Shi­ge­ru Omi rech­net sogar, dass die Pan­de­mie das Land noch zwei bis drei Jah­re beschäf­ti­gen wird. Erst dann wür­den die Unsi­cher­hei­ten und Ängs­te bezüg­lich des Coro­na­vi­rus verschwinden. 

Zudem ist Japan poli­tisch zur­zeit mit sich sel­ber beschäf­tigt. Anfang Okto­ber wird das Land einen neu­en Regie­rungs­chef erhal­ten. Spä­tes­tens im Novem­ber fol­gen die Unter­haus­wah­len. Weg­wei­sen­de Ent­schei­de bezüg­lich all­fäl­li­ger Ein­rei­se­lo­cke­run­gen kann man erst danach erwarten. 

Ein Herbst der Hoffnung

Den­noch gibt es Grund zur Hoff­nung. Die fünf­te Wel­le scheint über­wun­den zu sein. Die Zahl der Neu­an­ste­ckun­gen ist stark rück­läu­fig (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch im Gesund­heits­we­sen scheint das Schlimms­te über­stan­den zu sein. Gleich­zei­tig ist die Impf­kam­pa­gne in vol­lem Gan­ge. Bis Ende Sep­tem­ber wer­den 70 Pro­zent der Bevöl­ke­rung min­des­tens eine Imp­fung erhal­ten haben. Täg­lich wer­den über 1 Mil­li­on Dosen ver­ab­reicht. Die Kam­pa­gne wird bis Ende Novem­ber sämt­li­che Impf­wil­li­gen erreicht haben.

Zugleich macht Japans gröss­ter und ein­fluss­reichs­ter Wirt­schafts­ver­band Druck auf die Poli­tik (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Keid­an­ren hat die Regie­rung auf­ge­for­dert, die Qua­ran­tä­ne­zeit für Geimpf­te zu erlas­sen. Aus­ser­dem soll auch Aus­län­dern, die einen Impf­nach­weis erbrin­gen kön­nen, die Ein­rei­se wie­der erlaubt wer­den. Nur so kön­ne man die Wirt­schaft wie­der in die Gän­ge brin­gen. Aus­ser­dem hat der Alli­anz- und Han­dels­part­ner USA ange­kün­digt, die Gren­zen für geimpf­te inter­na­tio­na­le Rei­sen­de ab Novem­ber wie­der zu öff­nen. Die japa­ni­sche Poli­tik wird all dies nicht igno­rie­ren können. 

Ein mög­li­ches Szenario

Somit zeich­net sich für die kom­men­den Mona­te fol­gen­des mög­li­ches Sze­na­rio ab: Ab Novem­ber wird der neue Regie­rungs­chef eine Nor­ma­li­sie­rung ein­lei­ten. Für Geimpf­te und Getes­te­te wür­de dann die For­de­run­g nach «Selbst­be­schrän­kung» fal­len. Geschäft­li­che und tou­ris­ti­sche Rei­sen inner­halb des Lan­des, Tref­fen und Essen in Grup­pen und Gross­ver­an­stal­tun­gen wür­den wie­der ohne gros­se Ein­schrän­kun­gen und Appel­le der Behör­den mög­lich sein. Restau­rants könn­ten wie­der regu­lär bis spät in die Nacht öff­nen. Auch die staat­lich sub­ven­tio­nier­ten Rei­se­ver­güns­ti­gun­gen wären zurück. Ein bis spä­tes­tens Dezem­ber aus­ge­stell­tes digi­ta­les Covid-Zer­­ti­­fi­­kat wird hel­fen, die­se Abläu­fe zu ver­ein­fa­chen. Zugleich könn­te die Qua­ran­täne­pflicht für geimpf­te Ein­rei­sen­de stark ver­kürzt oder sogar voll­stän­dig auf­ge­ho­ben wer­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch Aus­tausch­stu­den­ten und Expats kön­nen dann wie­der mit einer Ein­rei­se rech­nen. In einem letz­ten Schritt wird Japan für aus­län­di­sche Tou­ris­ten und Geschäfts­rei­sen­de Visa aus­stel­len, sofern die Antrags­stel­ler gewis­se Bedin­gun­gen erfül­len. Dass letz­te­rer Punkt noch in die­sem Jahr umge­setzt wird, ist seit dem gest­ri­gen Ent­scheid der USA nicht mehr ausgeschlossen.

Dabei ist zu beach­ten, dass eine Ver­schlech­te­rung der epi­de­mio­lo­gi­schen Lage und das Auf­kom­men einer neu­en gefähr­li­chen Vari­an­ten die­ses Sze­na­rio jeder­zeit über den Hau­fen wer­fen kann, so wie es schon mehr­mals in den ver­gan­ge­nen Mona­ten vor­ge­kom­men ist. Fazit: Vie­les bleibt unsi­cher und den­noch ist die Zuver­sicht auf­grund der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zurück.

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