Ein Hauch von Ghibli

Seit 2009 schrei­be ich die­sen Blog. Über 4500 Arti­kel haben sich so ange­sam­melt. In die­ser Serie stel­le ich einen über­ar­bei­te­ten und aktua­li­sier­ten Bei­trag aus die­sem Archiv vor. Der fol­gen­de Arti­kel erschien am 26. Febru­ar 2018.

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AUS DEM ARCHIV – Ein Zwi­schen­halt beim Bahn­hof Kita­ha­ma am nord­öst­li­chen Rand von Hok­kai­do fühlt sich wie eine klei­ne Zeit­rei­se an. Die Sta­ti­on wur­de 1924 eröff­net und bedient das gleich­na­mi­ge klei­ne Dorf, das poli­tisch zur 10 Kilo­me­ter ent­fern­ten Stadt Aba­s­hiri gehört (sie­he Kar­te ganz unten). Ein höl­zer­nes Bahn­hofs­ge­bäu­de aus einer ande­ren Epo­che, ein lie­be­voll gepfleg­tes Restau­rant, ein alter Bahn­steig, ein ein­zi­ges Gleis und ein alter Post­brief­kas­ten, der täg­lich geleert wird, ver­sprü­hen eine Atmo­sphä­re wie in einem Ani­me von Stu­dio Ghi­b­li (sie­he Kurz­film oben). 

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In Japan kennt man den Ort als den Bahn­hof, der am nächs­ten zum Ochot­ski­schen Meer gele­gen ist. Im Win­ter wird das Treib­eis bis vor die Küs­te geschwemmt. Der klei­ne Aus­sichts­turm des Bahn­hofs bie­tet eine per­fek­te Sicht auf die­ses Natur­schau­spiel. Die­se Fas­zi­na­ti­on und die Tat­sa­che, dass das Sta­ti­ons­ge­bäu­de wie­der­holt in Fil­men und Fern­seh­se­ri­en zu sehen war, hat dazu geführt, dass der Bahn­hof eine loya­le Fan-Gemein­de hat. 

Die See­le des Bahnhofs

Die Wän­de des alten War­te­raums zeu­gen von die­ser Leben­dig­keit. Sie sind voll­ta­pe­ziert mit Tau­sen­den von Noti­zen, Fahr­kar­ten und Visi­ten­kar­ten der Besu­cher. Zur spe­zi­el­len Atmo­sphä­re der Sta­ti­on trägt das Restau­rant und Café Teis­ha­ba mass­geb­lich bei. Einst waren die­se Räum­lich­kei­ten die Schal­ter­stel­le und das Büro des Bahn­hofs­vor­ste­hers. Spar­mass­nah­men mach­ten Kita­ha­ma 1984 jedoch zu einem Bahn­hof ohne Angestellte. 

Der damals 35-jäh­ri­ge Ryoi­chi Fujie, der in Kita­ha­ma auf­ge­wach­sen war, nutz­te die Gele­gen­heit und mach­te 1986 dar­aus ein Restau­rant, das er bis zum heu­ti­gen Tag mit viel Hin­ga­be betreibt. Die Innen­aus­stat­tung erin­nert an einen alten ele­gan­ten Zug, die köst­li­chen Spei­sen wer­den lie­be­voll zube­rei­tet. Das Teis­ha­ba und Fujie sind die See­le die­ses abge­le­ge­nen Ortes an der nörd­li­chen Gren­ze Japans. 

Die Bahn­kri­se in Hokkaido

Der Bahn­hof Kita­ha­ma ist Teil der Sen­mō Main Line, die die Städ­te Aba­s­hiri und Kushiro ver­bin­det. Der Ein-Wagen-Zug, der hier täg­lich nur weni­ge Male hält, wird haupt­säch­lich von Schü­lern und Tou­ris­ten genutzt. Der Bevöl­ke­rungs­rück­gang hin­ter­lässt sei­ne Spu­ren. Die anhal­ten­de Kri­se der Bahn­be­trei­be­rin JR Hok­kai­do (Asi­en­spie­gel berich­te­te) bedroht die gesam­te Exis­tenz die­ser Linie. 

Wenn die loka­len Behör­den finan­zi­ell nicht ein­sprin­gen, könn­te dies in naher Zukunft die Schlies­sung der Sen­mō Main Line bedeu­ten. Kita­ha­ma wäre dann ein Bahn­hof ohne Zug. Es ist zu hof­fen, dass es nie dazu kom­men wird.

Ein Ein-Wagen-Zug bedient den Bahn­hof. Asi­en­spie­gel
Der Bahn­hof wur­de 1924 eröff­net. Asi­en­spie­gel
Der Bahn­hof liegt gleich Ochot­ski­schen Meer. Asi­en­spie­gel
Erin­ne­run­gen von Besu­chern im War­te­raum. Asi­en­spie­gel
Auch der Post­brief­kas­ten wird regel­mäs­sig geleert. Asi­en­spie­gel
Als wäre man in einem Zug. Im Restau­rant des Bahn­hofs Kita­ha­ma. Asi­en­spie­gel
Das Restau­rant Teis­ha­jō gibt es seit 1986. Asi­en­spie­gel
Das Restau­rant Teis­ha­ba ver­sprüht die Atmo­sphä­re einer Zug­fahrt. Asi­en­spie­gel

Der Stand­ort des Bahn­hofs Kitahama


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