Tokios voll­au­to­ma­ti­sier­te Bahn

Vollautomatisch: Ein Wagen des Bautyps 320 des Nippori Toneri Liner im Juli 2021.
Voll­au­to­ma­tisch: Ein Wagen des Bau­typs 320 des Nip­po­ri Tone­ri Liner im Juli 2021. MaedaA­ki­hi­ko / Wiki­me­dia / CC BY-SA 4.0

Tokio erleb­te am Don­ners­tag, 7. Okto­ber 2021, das schwers­te Erd­be­ben seit der Drei­fach­ka­ta­stro­phe von 2011 (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Glück­li­cher­wei­se hielt die Infra­struk­tur der Haupt­stadt den Erschüt­te­run­gen stand. Es kam zu ver­gleichs­wei­se weni­gen Ver­letz­ten und kei­nen Toten. Den­noch hat­te das Ereig­nis unmit­tel­ba­re Fol­gen für den öffent­li­chen Ver­kehr. Zahl­rei­che Lini­en muss­ten den Betrieb bis zum nächs­ten Tag ein­stel­len. Am sicht­bars­ten traf es den Nip­po­ri Tone­ri Liner, der voll­au­to­ma­tisch auf einer Hoch­brü­cke zwi­schen den Bahn­hö­fen Nip­po­ri (in der Nähe von Ueno, sie­he Kar­te unten) und Min­um­a­dai-Shin­sui­kōen im Nor­den der Stadt ver­kehrt. Eine 5-Wagen-Kom­po­si­ti­on wur­de durch das Erd­be­ben aus der Wagen­spur geho­ben. Dabei ver­letz­ten sich drei Per­so­nen.

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Für den Betrei­ber begann anschlies­send ein Wett­lauf gegen die Zeit. Immer­hin zählt die­se Stre­cke täg­lich etwas über 70’000 Pas­sa­gie­re. Bereits am fol­gen­den Tag ent­fern­te ein Kran die beschä­dig­ten Wagen von der Hoch­bahn. Arbei­ter mach­ten sich über das Wochen­en­de dar­an, die Linie im Eil­tem­po wie­der betriebs­be­reit zu machen. In der Zwi­schen­zeit ersetz­ten Bus­se im 10-Minu­ten-Takt die aus­ge­fal­le­ne Bahn. 

Vier Tage nach dem Erd­be­ben war der Nip­po­ri Tone­ri Liner wie­der in Betrieb. Wäh­rend der Repa­ra­tur­ar­bei­ten wur­den bei wei­te­ren Wagen leich­te Schä­den ent­deckt. Dies führ­te dazu, dass der Nip­po­ri Tone­ri Liner mit einem zu 10 Pro­zent aus­ge­dünn­ten Fahr­plan ver­keh­ren muss­te. Die Pend­ler, die täg­lich auf die­se Bahn ange­wie­sen sind, wird dies nicht gestört haben. Für sie war mit der Wie­der­in­be­trieb­nah­me die Woche gerettet.

Die voll­au­to­ma­ti­sier­te Bahn

Die Hochbrücke des Nippori Toneri Liner in der Nähe der Station Ogi-Ohashi.
Die Hoch­brü­cke des Nip­po­ri Tone­ri Liner in der Nähe der Sta­ti­on Ogi-Oha­shi. Wikio­dai­ba / Wiki­me­dia / CC BY-SA 3.0

Der Nip­po­ri Tone­ri Liner ist einer der spe­zi­ells­ten Lini­en, die die Haupt­stadt zu bie­ten hat. Es han­delt sich um eine voll­au­to­ma­ti­sier­te Bahn. Einen Lok­füh­rer sucht man im Zug ver­ge­bens. Statt­des­sen kann der Pas­sa­gier zuvor­derst Platz neh­men. Die gesam­te 9,7 Kilo­me­ter lan­ge Linie mit 13 Sta­tio­nen ver­kehrt auf einer eige­nen Hoch­brü­cke und wird von Bahn­be­trei­ber Toei, das im Besitz der Metro­pol­re­gi­on Tokio ist, ver­wal­tet. Tech­nisch han­delt es sich um einen Zug, der auf Gum­mi­rei­fen in einer Fahr­bahn aus Beton rollt. 

Die Bau­ar­bei­ten zu die­sem Pro­jekt began­nen 1997 und hat­ten zum Ziel, die Gebie­te der nörd­li­chen Tokio­ter Bezir­ke Ara­ka­wa und Ada­chi bes­ser zu erschlies­sen. Die auto­ma­ti­sier­te Bahn mit eige­ner Hoch­brü­cke erwies sich im Ver­gleich zu einer U-Bahn-Linie als kos­ten­güns­ti­ge­re Lösung. Zudem garan­tier­te auch die­se Lösung eine schnel­le Ver­bin­dung. Die Fahr­zeit zwi­schen den bei­den End­sta­tio­nen dau­ert heu­te kur­ze 20 Minu­ten. Mit dem Bus sind für die­sel­be Stre­cke wäh­rend der Stoss­zeit bis zu 60 Minu­ten nötig. 

Eine Aus­las­tung von bis zu 189 Prozent

In der Nähe der Spektakulär: Station Ogi-Ohashi führt die Hochbrücke des Nippori Toneri Liner über eine Autobahn.
In der Nähe der Spek­ta­ku­lär: Sta­ti­on Ogi-Oha­shi führt die Hoch­brü­cke des Nip­po­ri Tone­ri Liner über eine Auto­bahn. Goog­le Earth

Der Nip­po­ri Tone­ri Line wur­de 2008 eröff­net und ist ein Erfolg. Im Coro­na-Jahr 2020 war er mit einer durch­schnitt­li­chen Aus­las­tungs­ra­te von 140 Pro­zent wäh­rend der mor­gend­li­chen Stoss­zeit die am stärks­ten über­las­te­te Linie in Tokio. 2019 lag er mit 189 Pro­zent an fünf­ter Stel­le. Nur schon die­se Zah­len machen klar, wie wich­tig eine zügi­ge Wie­der­her­stel­lung der Stre­cke nach dem Erd­be­ben von ver­gan­ge­ner Woche war. 

Die ers­te voll­au­to­ma­ti­sier­te Bahn in Tokio war übri­gens die Yuri­ka­mo­me-Linie, die 1995 eröff­net wur­de und seit­her den Bahn­hof Shim­ba­shi via die berühm­te Rain­bow-Bridge mit den Inseln Odai­ba, Aria­ke und Toyo­su in der Bucht von Tokio ver­bin­det (Asi­en­spie­gel berich­te­te).


Der Aus­gangs­bahn­hof Nip­po­ri bei Ueno


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