Ein Spa­zier­gang durch Tokios Entwässerungsanlage

Besu­cher in der gros­sen Unter­grund­hal­le von G-Cans. Manu­el Asca­nio / Shut​ter​stock​.com

Es han­delt sich um Japans gröss­te unter­ir­di­sche Infra­struk­tur, deren Name kaum auf die­sen Gigan­tis­mus hin­deu­tet: Shu­token Gai­k­a­ku Hōsui­ro oder auf Deutsch «der äus­se­re Ent­wäs­se­rungs­ka­nal für das Haupt­stadt­ge­biet» nennt sich die­ses Bau­werk. Auf Eng­lisch spricht man ganz ein­fach von G-Cans.

Janu­ar 2022 – Ich wün­sche allen ein fro­hes neu­es Jahr! Ein ganz spe­zi­el­ler Dank geht an alle Leser, die die­sen Blog mit einem Abo unter­stüt­zen.

Es ist die gröss­te Ent­wäs­se­rungs­an­la­ge der Welt, die in der Stadt Kasuka­be in der Prä­fek­tur Saita­ma nörd­lich von Tokio in einer Tie­fe von 50 Metern unter der Ober­flä­che gebaut wur­de. Fünf läng­li­che, 65 Meter hohe Schäch­te sind auf einer Län­ge von 6,3 Kilo­me­tern mit Tun­neln ver­bun­den. In einem ein­zi­gen Schacht hät­te gleich ein gan­zes Space Shut­tle Platz (hier eine aus­führ­li­che Erklä­rung auf Eng­lisch.

Die gigan­ti­sche Halle

Ein Plan die­ses rie­si­gen Bau­werks. Edo­ga­wa River Office / Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um Japan

Am Ende die­ses Sys­tems steht das Herz­stück auf einer Flä­che von 14’000 Qua­drat­me­tern. Es ist ein gigan­ti­scher Was­ser­spei­cher, der 177 Meter lang, 78 Meter breit und 18 Meter hoch ist. Die­se rie­si­ge Hal­le wird von 59 Stütz­pfei­lern getra­gen, die jeweils 500 Ton­nen wie­gen. Die Bau­wei­se lässt den Spei­cher wie eine unter­ir­di­sche Kathe­dra­le aus­se­hen. Bei Tai­fu­nen und star­ken Regen­fäl­len in Tokio wer­den die Was­ser­mas­sen in die­ses Sys­tem gelei­tet und schliess­lich kon­trol­liert in den Fluss Edo­ga­wa ent­las­sen. 1992 wur­den die Bau­ar­bei­ten in Angriff genom­men. 2006 wur­de die Anla­ge fer­tig­ge­stellt. Die Zahl der Über­schwem­mun­gen und über­flu­te­ten Häu­ser konn­ten seit­her nach­weis­lich redu­ziert wer­den. G-Canst hat eine Vorbildfunktion.

Inzwi­schen wer­den auch in ande­ren urba­nen Regio­nen ähn­li­che Pro­jek­te geplant und umge­setzt. Unter dem Tokio­ter Bahn­hof Shi­bu­ya ent­stand 2020 im glei­chen Stil eine Ent­wäs­se­rungs­an­la­ge, deren Hal­le 45 Meter lang, 22 Meter breit und 12 Meter hoch ist. Knapp zehn Jah­re dau­er­ten die Bau­ar­bei­ten für die­se rie­si­ge Hal­le 25 Meter unter der Erd­ober­flä­che (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die vir­tu­el­le Tour

G-Cans hat sich wäh­rend den Tro­cken­zei­ten zu einer attrak­ti­ven Sehens­wür­dig­keit ent­wi­ckelt. Die Archi­tek­tur und die schie­re Grös­se die­ses Bau­werk zieht seit Jah­ren neu­gie­ri­ge Tou­ris­ten an. Für einen Besuch ist eine Anmel­dung not­wen­dig. Die Füh­run­gen sind regel­mäs­sig aus­ge­bucht, auch aktu­ell im Dezem­ber 2021 und Janu­ar 2022. 

Die Coro­na-Kri­se führt jedoch dazu, dass die­ses impo­san­te Bau­werk für die meis­ten Leser die­ses Blogs in wei­ter Fer­ne bleibt. Japans Regie­rung wird das Ein­rei­se­ver­bot für aus­län­di­sche Tou­ris­ten lei­der noch eine län­ge­re Wei­le auf­recht­erhal­ten. Und trotz­dem gibt es seit eini­gen Jah­ren eine Alter­na­ti­ve, um sich einen Ein­druck von die­ser Anla­ge zu ver­schaf­fen. Dank Goog­le Street View kann jeder von zuhau­se aus, über die Trep­pen in den Unter­grund stei­gen. Eben­falls emp­feh­len kann ich die eng­lisch­spra­chi­ge App zu die­ser Anla­ge, die einen guten Über­blick verschafft. 


Der Stand­ort von G-Cans


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