Tokios his­to­ri­sche Brücke

Seit 2009 schrei­be ich die­sen Blog. Über 4800 Arti­kel haben sich so ange­sam­melt. In die­ser Serie stel­le ich einen über­ar­bei­te­ten Bei­trag aus die­sem Archiv vor. Der fol­gen­de Arti­kel erschien am 19. April 2015.

Die Kachi­dok­ba­shi befin­det sich gleich beim alten Fisch­markt von Tsuki­ji in Tokio. JenJ Payless2 / Shut​ter​stock​.com

Nein, sie ist kei­ne Berühmt­heit. Die Tou­ris­ten, die einst zur mor­gend­li­chen Fisch­markt­auk­ti­on in den inzwi­schen abge­ris­se­nen Fisch­markt­hal­len von Tsuki­ji pil­ger­ten, über­sa­hen sie nur zu ger­ne. Die Rede ist von der Kachi­do­ki­ba­shi, 246 Meter lang ist die aus vier Stahl­bö­gen bestehen­de Brü­cke, deren 44 Meter lan­ger Mit­tel­teil eine Klapp­brü­cke ist. Ihr Name bedeu­tet «Sie­ges­schrei» und dient als Erin­ne­rung an den Sieg Japans über Russ­land im Jahr 1905. Bau­be­ginn der Kachi­do­ki­ba­shi war 1933. Die Brü­cke soll­te zum «Haupt­tor» der Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 1940 in Tokio und der Tokyo Expo im sel­ben Jahr werden.

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Die Kachi­do­ki­ba­shi mit der Klapp­funk­ti­on in der Mit­te. Goog­le Earth

1940 wur­de sie eröff­net, doch wegen des Zwei­ten Welt­kriegs fan­den weder die Som­mer­spie­le noch die Welt­aus­stel­lung statt. Ver­ge­bens war der Bau nicht. Die Brü­cke über­stand den Krieg schad­los und wur­de zu einem wich­ti­gen Ver­bin­dungs­stück zwi­schen Gin­za und den immer grös­ser wer­den­den künst­li­chen Inseln in der Tokio­ter Bucht. Selbst eine Stras­sen­bahn fuhr bis 1968 über die Kachi­do­ki­ba­shi.

Auch die Klapp­brü­cke tat ihren Dienst, damit der Schiffs­ver­kehr auf dem Sumi­da-Fluss gewähr­leis­tet blieb. In den 1950er-Jah­ren wur­de sie bis zu fünf­mal am Tag hoch­ge­fah­ren. Für den Auto­ver­kehr bedeu­te­te dies War­te­zei­ten von rund 20 Minu­ten. In den 1960er-Jah­ren fuh­ren immer weni­ger gros­se Schif­fe durch die Pas­sa­ge. Gleich­zei­tig nahm der Auto­ver­kehr der­art stark zu, dass der Betrieb der Klapp­brü­cke kei­nen Sinn mehr machte.

Seit 81 Jah­ren in Betrieb

Vor­ne die neue Tsuki-Ōha­shi und gleich dahin­ter die Kachi­do­ki­ba­shi. Asi­en­spie­gel

Am 29. Novem­ber 1970 wur­de sie zum letz­ten Mal für ein Schiff geöff­net. Die Strom­ver­sor­gung für die Klapp­brü­cke wur­de 1980 kom­plett ein­ge­stellt. Vor eini­gen Jah­ren gab es Bemü­hun­gen einer Bür­ger­grup­pe, die Klapp­brü­cke aus tou­ris­ti­schen Grün­den täg­lich ein Mal hoch­zu­fah­ren. Immer­hin ergab ein Bericht aus dem Jahr 2006, dass deren Tech­nik noch immer funk­ti­ons­fä­hig wäre. Aus die­ser Visi­on wur­de jedoch nichts. Dies ändert nichts an der Wert­schät­zung für die­ses his­to­ri­sche Bau­werk. 2007 wur­de die Kachi­do­ki­ba­shi von der Regie­rung zum Kul­tur­gut von natio­na­le Bedeu­tung erhoben. 

Der­weil hat sie ihren Sta­tus als ers­te Brü­cke auf dem Sumi­da-Fluss ver­lo­ren. Nur weni­ge Meter ent­fernt wur­de im Jahr 2018 im Rah­men der neu­en Ring­stras­se Num­mer 2 die 245 Meter lan­ge Tsuki­ji-Ōha­shi («Gros­se Tsuki­ji-Brü­cke») eröffnet.

Die Kachi­do­ki­ba­shi in der Nacht. yoshi0511 / Shut​ter​stock​.com

Der Stand­ort der Kachidokibashi


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