Das Ende einer Hotel-Ära

Das ehe­ma­li­ge Haupt­ge­bäu­de des Hotels Oku­ra kurz vor dem Abriss im Jahr 2015. EQRoy / Shut​ter​stock​.com

Noch ist das eins­ti­ge Haupt­ge­bäu­de des Hotel Oku­ra in guter Erin­ne­rung. Der von Yoshiro Tani­gu­chi ent­wor­fe­ne Bau war ein archi­tek­to­ni­sches Wahr­zei­chen von Tokio, wo die Mäch­ti­gen und die Stars die­ser Welt über­nach­te­ten. 1962 wur­de es eröff­net. Archi­­te­k­­tur-Lie­b­ha­ber lob­ten es als ein Meis­ter­werk des japa­ni­schen Moder­nis­mus. Das Herz­stück des Hotels mit sei­nen 408 Zim­mern war die Lob­by: Eine hohe Decke, hän­gen­de Hexa­go­­nal-Lam­pen, sei­de­ne Tape­ten mit vier­blätt­ri­gen Blu­men­mo­ti­ven, Sho­ji-Papier­­fen­s­­ter mit Holz­git­tern, ein karier­ter Tep­pich, ele­gan­te ste­hen­de Papier­lam­pen, eine Welt­kar­te mit einer digi­ta­len Uhr sowie Stüh­le und Sit­ze, die in der Form einer Pflau­men­blü­te ange­ord­net waren. Klas­si­sche japa­ni­sche Ele­men­te wur­den mit moder­nem Design kom­bi­niert. Sim­pli­zi­tät und Ele­ganz zeich­ne­ten das Oku­ra aus (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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2015 wur­de das Haupt­ge­bäu­de, die­se Iko­ne der 1960er-Jah­­re, abge­ris­sen. Dafür gab es viel Kri­tik. Die Hotel­füh­rung begrün­de­te den Schritt mit der not­wen­di­gen Erneue­rung und Moder­ni­sie­rung. Aus­ser­dem erfüll­te der in die Jah­re gekom­me­ne Bau nicht mehr die Vor­ga­ben für die Erd­be­ben­si­cher­heit. Vier Jah­re spä­ter wur­de an der­sel­ben Stel­le das neue Hotel Oku­ra eröff­net. Es sind zwei moder­ne Hoch­häu­ser, die von Yoshio Tani­gu­chi, dem Sohn von Yoshiro Tani­gu­chi, ent­wor­fen wur­den. Dabei wur­de die legen­dä­re Lob­by ori­gi­nal­ge­treu repro­du­ziert und erstrahlt heu­te wie­der im neu­en alten Glanz. Auch das ist eine Eigen­heit Japans. 

Das Über­bleib­sel jener Epoche

Der 1973 erbau­te South Wing des Hotel Oku­ra im Dezem­ber 2021. Asi­en­spie­gel

Der­weil exis­tier­te ein Über­bleib­sel des alten Hotel Oku­ra wei­ter. Das Neben­ge­bäu­de, der South Wing, wur­de 1973 vom Archi­tek­tur­bü­ro von Yoshiro Tani­gu­chi im sel­ben Stil des Haupt­ge­bäu­des ent­wor­fen, bei dem klas­si­sche japa­ni­sche mit moder­nen Ele­men­ten ver­wo­ben wur­den. Die gros­se Lob­by mit den rie­si­gen Wand­schirm-Ele­men­ten war ein Blick­fang. In der Zeit des Neu­baus des Haupt­ge­bäu­des garan­tier­te der South Wing den Wei­ter­be­trieb des Okura. 

Für Archi­tek­tur­fans aus dem Wes­ten war das Neben­ge­bäu­de ein beson­de­rer Anzie­hungs­punkt. Vie­le hoff­ten, dass zumin­dest die­ser Bau erhal­ten blei­ben wür­de. Doch es kam, wie es kom­men muss­te. Im Sep­tem­ber 2020 ende­te die­ses Kapi­tel. Der South Wing wur­de geschlos­sen. Auch die­ses Bau­werk ent­sprach nicht mehr den moder­nen Ansprü­chen einer Stadt, die sich archi­tek­to­nisch alle paar Jahr­zehn­te kom­plett neu erfin­det. Eine Wie­der­ver­wen­dung erleb­te das lee­re Neben­ge­bäu­de kurz­zei­tig als offi­zi­el­les Akkre­di­tie­rungs­bü­ro für die Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 2021. 

Das Ende

Seit Novem­ber 2021 sind die Abriss­ar­bei­ten in vol­lem Gan­ge. Asi­en­spie­gel

Schliess­lich wur­den im Novem­ber 2021 die Abriss­ar­bei­ten ein­ge­lei­tet. Im Dezem­ber waren bereits ers­te Tei­le der Fas­sa­de besei­tigt. Mehr­heit­lich konn­te man den South Wing noch in sei­ner alten Pracht von aus­sen betrach­ten. Die Abriss­ar­bei­ten wer­den bis Ende 2022 andau­ern. Es sind die letz­ten Momen­te in der Geschich­te die­ses legen­dä­ren und stil­prä­gen­den Bau­werks der Nachkriegszeit. 

Was danach mit die­sem Ort gesche­hen wird, ist unklar. 2019 plan­te das Hotel Oku­ra den Bau zwei­er Hoch­häu­ser für Woh­nun­gen und Büros, die es bis 2025 eröff­nen woll­te. Nun aber scheint nicht mehr sicher zu sein, ob die­ses Pro­jekt über­haupt umge­setzt wird. Bezüg­lich der künf­ti­gen Nut­zung des ehe­ma­li­gen Stand­or­tes des Neben­ge­bäu­des habe man noch kei­nen defi­ni­ti­ven Ent­scheid gefällt, heisst es für den Moment.


Der Stand­ort von The Oku­ra Tokyo

Neu und alt: Die neu­en Hoch­häu­ser und das alte Neben­ge­bäu­de des Hotel Oku­ra Tokyo. Goog­le Earth
Der South Wing aus der Vogel­per­spek­ti­ve. Goog­le Earth

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