Ein Sym­bol mit einer lan­gen Geschichte

Das klas­si­sche Onsen-Sym­bol. Foto: Depo​sit​pho​tos​.com

Drei geschwun­ge­ne senk­rech­te Lini­en in einem Kreis: Die­ses ele­gan­te Zei­chen steht offi­zi­ell für ein Onsen, ein von natür­li­chen heis­sen Quel­len gespeis­tes Bad (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es ist ein Pik­to­gramm, das auf Stadt­kar­ten, Schil­dern und als Emo­ji ver­wen­det wird. Im Bade­ort Ata­mi ist es sogar Teil des offi­zi­el­len Emblems der Stadt. 

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Es ist zugleich ein Sym­bol mit einer über 360-jäh­ri­gen Geschich­te. In einem Gerichts­do­ku­ment aus dem Jahr 1661 wur­de es erst­mals ent­deckt. Im die­sem Urteils­schrei­ben, es han­del­te sich um eine Grenz­strei­tig­keit zwi­schen Bau­ern­fa­mi­li­en, wur­de eine Kar­te bei­ge­fügt, auf der das Onsen-Sym­bol auf dem Gebiet des Dor­fes Isobe gleich zwei­mal ein­ge­tra­gen war. Die dama­li­ge Gestal­tung, drei sehr lang geschwun­ge­ne auf­stei­gen­de Lini­en und ein Kreis, kommt dem heu­ti­gen Pik­to­gramm sehr nahe. 

Ein Gedenk­tag für das Onsen-Symbol

Das Mas­kott­chen und das Logo zum Gedenk­tag. Isobe Onsen

Die Strei­tig­kei­ten sind längst ver­ges­sen. Doch für Isobe, das heu­te zur Stadt Ann­a­ka in der Prä­fek­tur Gun­ma gehört, war die­se gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ein Glücks­fall. Der Bade­ort bezeich­net sich heu­te stolz als der Geburts­ort des Onsen-Sym­bols. Eine Tafel im loka­len Bahn­hof und ein Gedenk­stein im Dorf erin­nern an die­se Tatsache. 

Der Gedenk­stein mit einer Nach­bil­dung des 1661 ein­ge­tra­ge­nen Sym­bols. u-ra / Wiki­me­dia / CC

Selbst einen offi­zi­el­len Gedenk­tag hat Isobe-Onsen ins Leben geru­fen und hier­zu den 22.2. als Datum aus­ge­wählt. So erin­nert die Form die­ser Zah­len­rei­he, idea­ler­wei­se spie­gel­ver­kehrt, an die geschwun­ge­nen Lini­en des auf­stei­gen­den Damp­fes. Mit einem loka­len Fest wird die­ser Gedenk­tag in Isobe gefeiert. 

Die Kon­tro­ver­se

Das Sym­bol ist den Bade­or­ten der­art ans Herz gewach­sen, dass ein Rede­sign vor eini­gen Jah­ren eine gros­se Kon­tro­ver­se aus­lös­te. Damals kün­dig­te das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um an, das Onsen-Pik­to­gramm mit drei baden­den Figu­ren zu ergän­zen, um es für Aus­län­der bes­ser ver­ständ­lich zu machen. Denn vie­le der Besu­cher aus Über­see dach­ten beim Betrach­ten die­ses Zei­chens viel­mehr an eine heis­se Sup­pe als ein erho­len­des Bad.

In einem Schrei­ben pro­tes­tier­te die Ver­ei­ni­gung der Onsen-Orte gegen die­se geplan­te Ände­rung. Damit wür­de man eine über 350-jäh­ri­ge Tra­di­ti­on auf­ge­ben. Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um nahm die Sor­gen ernst. Schliess­lich einig­te man sich auf einen Kom­pro­miss. Sowohl das alte wie auch das neue Sym­bol sind heu­te als offi­zi­ell ver­wend­ba­re Onsen-Pik­to­gram­me ein­ge­tra­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).


GEDENK­TA­GE: Neben den 16 offi­zi­el­len Fei­er­ta­gen besitzt Japan unzäh­li­ge Gedenk­ta­ge, die Ereig­nis­sen, Errun­gen­schaf­ten, Tra­di­tio­nen, Spei­sen oder Pro­duk­ten gewid­met sind. Die­se auf Japa­nisch bezeich­ne­ten «Kinen­bi» wer­den von öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen, Ver­ei­nen, Unter­neh­men und Ein­zel­per­so­nen ins Leben geru­fen. Die Japan Anni­ver­s­a­ry Asso­ca­ti­on regis­triert und beglau­bigt die Gedenk­ta­ge. Es exis­tie­ren mitt­ler­wei­le über 2100 Ein­trä­ge.


Der Stand­ort von Isobe-Onsen


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