Der Bahn­hof Shin­juku erfin­det sich neu

Das Odakyu-Kauf­haus rechts wird im Okto­ber 2022 abge­ris­sen. yu_​photo / Shut​ter​stock​.com

Im Wirr­warr des Tokio­ter Bahn­hofs Shin­juku ist der West-Exit ein Ori­en­tie­rungs­punkt. Dort befin­det sich ein weit­räu­mi­ger Vor­platz, der von einer zwei­stö­cki­gen Auf­fahrt und einem Bus­bahn­hof domi­niert wird. Eine Hoch­brü­cke für Pas­san­ten ver­bin­det die bei­den Kauf­häu­ser des Bahn­be­trei­bers Odakyu, die aus dem soge­nann­ten HALC- und dem 14-stö­cki­gen Haupt­ge­bäu­de bestehen und den Rah­men zu die­ser West-Pla­za bilden. 

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Der Odakyu-Kom­plex aus der Vogel­per­spek­ti­ve. Goog­le Earth

Das lang­ge­zo­ge­ne Haupt­ge­bäu­de mit sei­nen end­los wir­ken­den Fens­ter­rei­hen fällt sofort auf. Ent­wor­fen wur­de die­ses 1967 eröff­ne­te Bau­werk, wie auch die West-Pla­za, von Jun­zo Saka­ku­ra (1901 – 1969), der in den 1930ern für Le Cor­bu­si­er in Paris arbei­te­te und nach dem Zwei­ten Welt­krieg zu einem der gros­sen Archi­tek­ten des Moder­nis­mus der japa­ni­schen Nach­kriegs­zeit wur­de. Auch das Inter­na­tio­nal Hou­se of Japan in Rop­pon­gi oder das ehe­ma­li­ge Muse­um of Modern Art in Kama­ku­ra (heu­te das Tsu­ru­gao­ka Muse­um), stam­men von Sakakura.

Ein Ende und ein Neuanfang

2029 wird die­ser neue Wol­ken­krat­zer im Bahn­hof Shin­juku eröff­nen. Odakyu Group

Nun nähert sich die­se archi­tek­to­ni­sche Ära ihrem Ende. So hat Bahn­be­trei­ber und Besit­zer Odakyu Elec­tric Rail­way ange­kün­digt, das in die Jah­re gekom­me­ne Kauf­haus-Gebäu­de von Jun­zo Saka­ku­ra abzu­reis­sen, um Platz für eine Neu­ent­wick­lung die­ses Ortes zu machen. Ab Okto­ber 2022 ent­steht hier ein 260 Meter hoher und 48-stö­cki­ger Wol­ken­krat­zer, der zusam­men mit der Tokyu Land Cor­po­ra­ti­on ent­wi­ckelt und betrie­ben wird. Bis 2029 wer­den die Bau­ar­bei­ten andauern. 

Eine Visua­li­sie­rung des Neu­baus. Odakyu Group

Damit erhält der West-Aus­gang des Bahn­hofs Shin­juku bis zum Ende des Jahr­zehnts ein völ­lig neu­es Aus­se­hen, ähn­lich dem Bahn­hof Shi­bu­ya, der sich bereits seit eini­gen Jah­ren archi­tek­to­nisch kom­plett neu erfindet. 

Der chao­ti­sche Bahn­hof Shinjuku

Der Bahn­hof Shin­juku von oben. Goog­le Earth

Für die Pas­san­ten des gigan­ti­schen Bahn­hofs Shin­juku ist es eine will­kom­me­ne Ver­än­de­rung. Denn in kei­nem ande­ren japa­ni­schen Bahn­hofs­kom­plex ist die Chan­ce der­art hoch, sich zu ver­lau­fen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die­ser Tokio­ter Bahn­kom­plex bricht alle Rekor­de. Gemäss offi­zi­el­len Zah­len des Guin­ness Buch der Rekor­de hal­ten sich hier täg­lich 3,64 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re auf (Asi­en­spie­gel berich­te­te). 36 Glei­se, 200 Aus­gän­ge und 6 Bahn­be­trei­ber zählt die­ser Koloss im Ver­­­wal­­tungs- und Finanz­vier­tel Tokios (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Damit ist Shin­juku der beleb­tes­te Bahn­hof der Welt. Und dabei hält hier nicht ein­mal ein Shink­an­sen. Viel­mehr ist es ein Bahn­hof, der über die Jahr­zehn­te an Bedeu­tung gewann und schritt­wei­se aus­ge­baut wur­de. Ent­spre­chend chao­tisch wirkt die Gesamt­ar­chi­tek­tur die­ses Ortes.


Der Stand­ort des Odakyu-Kauf­hau­ses im Bahn­hof Shinjuku


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