Das Ende des Nakagin-Kapselturms

Der Naka­gin Cap­su­le Tower im Dezem­ber 2021. Asi­en­spie­gel

Es ist ein Bau­werk, das es so kein zwei­tes Mal gibt. Der Naka­gin Cap­su­le Tower besitzt auf 13 Stock­wer­ken 140 wür­fel­för­mi­ge Wohn­mo­du­le, die an zwei zen­tra­len Tür­men mon­tiert wur­den. Jede ein­zel­ne Beton­kap­sel ist theo­re­tisch voll­stän­dig ersetz­bar. Es war der Japa­ner Kis­hō Kuro­ka­wa, der 1972 die­sen futu­ris­ti­schen Bau nach den Prin­zi­pi­en der Archi­tek­tur­be­we­gung des Meta­bo­lis­mus ent­warf. Fle­xi­ble, ver­än­der­ba­re Bau­struk­tu­ren zu schaf­fen, stand hin­ter die­sem Konzept. 

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Die­se küh­ne Zukunfts­vi­si­on trat jedoch nie ein. Die Wohn­mo­du­le des Naka­gin Cap­su­le Tower wur­den nie aus­ge­tauscht. Seit Jahr­zehn­ten zer­fällt der mit Asbest belas­te­te Bau. Vie­le Kap­seln sind nicht mehr bewohn­bar. War­mes Was­ser gibt es schon lan­ge nicht mehr. 2007 befür­wor­te­te eine Mehr­heit der Eigen­tü­mer den Abriss und Neu­bau, der jedoch wegen der Finanz­kri­se nie zustan­de kam. Spä­te­re Ver­su­che, einen Inves­tor zu fin­den, der die­ses Gebäu­de restau­rie­ren wür­de, schlu­gen wie­der­holt fehlt. 

Die geschei­ter­te Rettung

1972 bis 2022: Der Naka­gin Cap­su­le Tower in Gin­za. Foto: Depo​sit​pho​tos​.com

Die Fas­zi­na­ti­on blieb. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren erleb­te der Naka­gin Cap­su­le Tower eine klei­ne Renais­sance. Für Archi­tek­tur-Fans und Tou­ris­ten wur­de das Gebäu­de zu einer Sehens­wür­dig­keit. Es gab Füh­run­gen, Aus­stel­lun­gen, öffent­li­che Ver­an­stal­tun­gen und für eine Wei­le konn­te man eini­ge Wohn­mo­du­le sogar über Airb­nb buchen. Pri­vat­be­sit­zer und Unter­neh­men hauch­ten mit sanf­ten Reno­va­tio­nen aus­ge­wähl­ten Kap­seln neu­es Leben ein (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Dies reich­te jedoch nicht aus, um das Bau­werk zu ret­ten. 2018 erwarb eine Fir­ma den Turm sowie die zwei hin­te­ren Gebäu­de (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Damit war sein Ende besie­gelt. Im März 2021 wur­de die kom­plet­te Erneue­rung des Are­als beschlos­sen. Der Nach­bar­bau ist bereits ver­schwun­den (sie­he Tweet ganz unten). Und schon bald begin­nen auch am Naka­gin Cap­su­le Tower die Abriss­ar­bei­ten, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Die letz­ten Bewoh­ner haben das Gebäu­de am 10. März 2022 ver­las­sen. Ab dem 12. April 2022 wird abgerissen. 

Es bleibt das Cap­su­le House-K

Damit endet ein Stück Tokio­ter Archi­tek­tur­ge­schich­te. Eini­ge Wohn­mo­du­le wer­den dank des lei­den­schaft­li­chen Ein­sat­zes der ehe­ma­li­gen Besit­zer erhal­ten blei­ben. Ein Modul wird bereits im von Kis­ho Kuro­ka­wa ent­wor­fe­nen Modern Muse­um of Art in Saita­ma aus­ge­stellt. Ande­re renom­mier­te Muse­en sol­len eben­falls ihr Inter­es­se ange­mel­det haben. Es gibt auch ein Pro­jekt, aus den erhal­te­nen Kap­seln Hotel­zim­mer zu machen. 

Kis­ho Kuro­ka­was visio­nä­res Bau­werk ist nicht ohne Ein­fluss geblie­ben. Immer­hin wur­de sein Naga­kin Cap­su­le Tower zur Vor­la­ge des heu­te in Japan über­all prä­sen­ten Kap­sel­ho­tels (Asi­en­spie­gel berich­te­te), des­senn Geschich­te 1979 in Osa­ka begann. Aus­ser­dem liess der Archi­tekt 1973 in der länd­li­chen Stadt Miyo­ta bei Karui­za­wa in der Prä­fek­tur Naga­no für sich ein Pri­vat­haus im Kap­sel-Stil erbau­en (sie­he Tweet oben). Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es sogar Berich­te, dass die­ses Cap­su­le Hou­se-K unter der Lei­tung von sei­nem ältes­ten Sohn Mikio Kuro­ka­wa restau­riert wird und künf­tig zu tou­ris­ti­schen und kul­tu­rel­len Zwe­cken ver­mie­tet wer­den soll.



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