Das Bad: Die Japa­ner lie­ben es heiss

Seit 2009 schrei­be ich die­sen Blog. Über 4800 Arti­kel haben sich so ange­sam­melt. In die­ser Serie stel­le ich einen über­ar­bei­te­ten Bei­trag aus die­sem Archiv vor. Der fol­gen­de Arti­kel erschien am 8. Dezem­ber 2018.

Das heis­se Bad ist ein Teil der Kul­tur Japans. Asi­en­spie­gel

Japan ist eine Bade­na­ti­on. Hier steigt man nur zu ger­ne ins heis­se Bad, sei es zuhau­se, in einem Ryo­kan oder ganz ein­fach in einem öffent­li­chen Bade­haus (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Im Win­ter ist das Bad ein wich­ti­ger Wär­m­e­fak­tor. Denn in den aller­meis­ten Prä­fek­tu­ren des Lan­des gibt es kei­ne Zen­tral­hei­zung (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Ein Merk­mal ist, dass man in Japan, egal ob zuhau­se oder in einem Onsen, stets sehr heiss badet. Dabei scheint es je nach Regi­on gewis­se Vor­lie­ben zu geben, wie das Unter­neh­men Rin­nai, das Heiz­kör­per und Boi­ler her­stellt, in einer lan­des­wei­ten Umfra­ge her­aus­ge­fun­den hat. 

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Am heis­ses­ten mögen es dem­nach die Men­schen in der Prä­fek­tur Ehi­me auf der kleins­ten Haupt­in­sel Shi­ko­ku. Bei ihnen beträgt die durch­schnitt­li­che Bade­tem­pe­ra­tur 41,6 Grad Cel­si­us. An zwei­ter Stel­le folgt Hiro­shi­ma mit 41,4 Grad. Den drit­ten Platz tei­len sich die Prä­fek­tu­ren Tochi­gi, Tot­to­ri und Ōita mit 41,3 Grad. Am «lau­warms­ten» mögen es die Men­schen in Iwa­te und Fuku­o­ka. Sie geben sich mit 40,4 Grad Cel­si­us Was­ser­tem­pe­ra­tur zufrie­den. In Ehi­me mag man es zwar heiss, gleich­zei­tig baden die Leu­te hier über­durch­schnitt­lich kurz. Gera­de mal 9,5 Minu­ten blei­ben sie in der Wan­ne. Nur in Oki­na­wa bleibt man gleich kurz im Bad. Am ande­ren Ende sind die Prä­fek­tu­ren Chi­ba mit 15,5 Minu­ten und Yama­ga­ta mit 15,4 Minu­ten. Der Durch­schnitt liegt bei lan­gen 12,6 Minuten. 

Die Sta­tis­tik zeigt, dass sich die Japa­ner beim Bad wenig sagen las­sen. Denn eigent­lich liegt die von der Regie­rung emp­foh­le­ne Höchst­tem­pe­ra­tur bei 41 Grad. Mehr als die Hälf­te der Prä­fek­tu­ren badet jedoch heis­ser. Damit steigt auch das Risi­ko eines Hit­ze­s­chocks und somit eines Herz­in­farkts. Auch bezüg­lich der Bade­zeit wer­den 10 Minu­ten oder weni­ger emp­foh­len. Rund ein Drit­tel der Prä­fek­tu­ren hält sich jedoch nicht daran. 

Jähr­lich 19’000 Badetote

Eine Fol­ge ist, dass jähr­lich rund 19’000 Men­schen im heis­sen Bad ster­ben. Betrof­fen sind haupt­säch­lich älte­re Per­so­nen. Damit ster­ben in Japan mehr Men­schen im heis­sen Bad als bei einem Ver­kehrs­un­fall. So star­ben gemäss der natio­na­len Poli­zei­be­hör­de im Jahr 2017 3694 Per­so­nen im Auto. Selbst 1970, in den schlimms­ten Zei­ten der Ver­kehrs­un­fäl­le, gab es mit 16’765 immer noch weni­ger Todes­fäl­le auf der Stras­se als im Bad. 

Um eine Bade­tra­gö­die zu ver­hin­dern, gilt es neben der Maxi­mal­tem­pe­ra­tur von 41 Grad und der maxi­ma­len Bade­zeit von 10 Minu­ten noch fol­gen­de Punk­te zu beachten:

  1. Hei­zen Sie das Bade­zim­mer sowie den Umklei­de­be­reich vor dem Baden. Das ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn in Japan gibt es in den meis­ten Häu­sern kei­ne Zen­tral­hei­zun­gen. Vie­le stei­gen daher von der Käl­te direkt ins heis­se Was­ser, was beim Kör­per einen Hit­ze­s­chock aus­lö­sen kann.
  2. Lang­sam aus dem Bad stei­gen, um einen Käl­te­schock zu verhindern.
  3. Auf kei­nen Fall alko­ho­li­siert oder bei Unwohl­sein ins Bad stei­gen. Ein heis­ses Bad mit vol­lem Magen wird eben­so wenig empfohlen.
  4. Für älte­re Per­so­nen: Geben Sie jeman­dem im Haus Bescheid, dass Sie sich ein heis­ses Bad gön­nen. So kann die­se Per­son einen Kon­troll­be­such abstatten.
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