Schrump­fen­des Japan

Japan heu­te: Vie­le älte­re Men­schen, wenig Kin­der. Ira­s­uto­ya

Japan befin­det sich in einer Pha­se des beschleu­nig­ten (加速) Bevöl­ke­rungs­rück­gangs (人口減少). Gemäss der Sta­tis­tik des Innen­mi­nis­te­ri­ums (総務省) ging die Ein­woh­ner­zahl des Lan­des (総人口) im Jahr 2021 von 126,146 auf 125,502 Mil­lio­nen zurück. Das ent­spricht einem Rück­gang um 644’000. Damit hat der Insel­staat in einem ein­zi­gen Jahr die Ein­woh­ner­zahl der Stadt Stutt­gart ver­lo­ren. Es ist bereits das elf­te Jah­re in Fol­ge, in dem ein Minus (マイナス) ver­zeich­net wird. Es han­delt sich sogar um den gröss­ten Rück­gang (kako­sai­dai 過去最大) seit Beginn die­ser Sta­tis­tik 1950. 2010 zähl­te Japan noch 128 Mil­lio­nen Einwohner. 

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Der Rück­gang setzt sich aus einem natür­li­chen Bevölkerungs­rückgang (自然減) von 609’000 Per­so­nen und einem Weg­zug von 35’000 Per­so­nen (社会減) zusam­men. Bis­lang konn­te der jähr­li­che Zuwachs der aus­län­di­schen Bevöl­ke­rung das Minus zumin­dest ein wenig aus­glei­chen. Doch 2021 schrumpf­te (縮む) zum ers­ten Mal seit neun Jah­ren auch der aus­län­di­sche Bevöl­ke­rungs­an­teil, um 25’000 auf 2,72 Mil­lio­nen Ein­woh­ner. Dabei ver­zeich­ne­te die­se Grup­pe 2019 noch einen his­to­ri­schen Anstieg um 208’000 Ein­woh­ner. Es sind die stren­gen Grenz­re­strik­tio­nen (入国規制) auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie (コロナ禍), die zu die­sem Rück­gang geführt haben. 

Rück­gang in Tokio

Selbst auf den Ein­woh­ner­ma­gne­ten Tokio ist nicht mehr Ver­lass. 26 Jah­re in Fol­ge wuchs die Bevöl­ke­rung der Haupt­stadt­prä­fek­tur (東京都). Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­zeich­ne­te die Metro­po­le jedoch ein Minus von 38’000 Ein­woh­nern. Ledig­lich in der Insel­prä­fek­tur Oki­na­wa gab es einen klei­nen Zuwachs. Sie bil­det die ein­zi­ge Aus­nah­me unter den 47 Prä­fek­tu­ren des Lan­des (都道府県).

Ein Blick auf die Alters­struk­tur der Bevöl­ke­rung (年齢別) offen­bart, dass sich der bis­he­ri­ge Trend der tie­fen Gebur­ten­ra­te gepaart mit einer Über­al­te­rung der Gesell­schaft (少子高齢化) inten­si­vie­ren wird. Im ver­gan­ge­nen Jahr betrug die Ein­woh­ner­zahl der über 65-Jäh­ri­gen (65歳以上の高齢者人口) 36,2 Mil­lio­nen Ein­woh­ner. Sie stel­len damit 28,9 Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Gleich­zei­tig nimmt die Zahl der Kin­der ste­tig ab. Heu­te sind 14,7 Mil­lio­nen unter 15 Jah­ren (15歳未満). Dies ent­spricht gera­de mal 11,8 Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung. Das ist ein his­to­ri­scher Tiefst­wert (過去最低). Der­weil wird der Anteil der arbei­ten­den Men­schen (働き手) immer klei­ner, von 69,8 Pro­zent im Spit­zen­jahr (ピーク時) 1992 auf heu­te 59,4 Pro­zent. Es wird davon aus­ge­gan­gen, dass die Ein­woh­ner­zahl bis ins Jahr 2053 unter die Mar­ke (大台) von 100 Mil­lio­nen (一億人) sin­ken wird. Damit wäre das Land zurück auf dem Stand von 1967. 

Die Fol­gen die­ser Entwicklung

Die­se Ent­wick­lung ist bereits im All­tag sicht­bar. Immer mehr länd­li­che Gegen­den ent­völ­kern (過疎地). Die Zahl der leer­ste­hen­den Häu­ser (空き家) steigt ste­tig an. Denn ein Gross­teil der Bevöl­ke­rung, näm­lich 66,2 Mil­lio­nen Men­schen, lebt schon heu­te in den drei gros­sen Metro­pol­re­gio­nen Tokio, Nago­ya und Osa­ka (3大都市圏). Allein in Tokio sind es 36,8 Mil­lio­nen. Die rest­li­chen Regio­nen haben das Nach­se­hen. Der Rück­gang führt dazu, dass zahl­rei­che Bran­chen mit einem aku­ten Per­so­nal­man­gel kämp­fen. Für die Wirt­schaft ist dies eine enor­me Herausforderung. 

Kurz­fris­tig lässt sich das Phä­no­men des Bevöl­ke­rungs­rück­gangs (過疎化現象) ein­zig mit Immi­gra­ti­on (移民) brem­sen. Mit­tel­fris­tig sind wir­kungs­vol­le Lösun­gen (有効な解決) für die Behe­bung des Pro­blems der sin­ken­den Gebur­ten­ra­te (少子化問題) gefragt. Zugleich bie­ten die heu­ti­gen Tech­no­lo­gi­en eine Mög­lich­keit, die­ser Ent­wick­lung inno­va­tiv zu begeg­nen. Japan setzt zuneh­mend auf die Robo­te­ri­sie­rung (ロボット化) und Auto­ma­ti­sie­rung (無人化) vie­ler Wirtschaftsbereiche. 


Das Voka­bu­lar in der Übersicht

  • 人口減少(じんこうげんしょう) | der Bevölkerungsrückgang
  • 総務省(そうむしょう) | das Minis­te­ri­um für Inne­res und Telekommunikation
  • 総人口(そうじんこう) | die Gesamtbevölkerung
  • (ちぢ)む | schrump­fen (intrans.)
  • マイナス | das Minus
  • 過去最大(かこさいだい) | die bis­lang grösste.…
  • 過去最低(かこさいてい) | das bis­lang niedrigste…
  • 自然減(しぜんげん) | die natür­li­che Abnah­me (in der Ein­woh­ner­sta­tis­tik / Todes­fäl­le > Geburten)
  • 社会減(しゃかいげん) | Abnah­me der Bevöl­ke­rung durch Weg­zü­ge (in der Einwohnerstatistik)
  • 入国規制(にゅうこくきせい) | die Einreisebeschränkungen
  • コロナ禍(ころなか) | die Coro­na-Pan­de­mie, die Corona-Krise
  • 東京都(とうきょうと) | die Metro­pol­re­gi­on Tokio, die Prä­fek­tur Tokio
  • 都道府県(とどうふけん) | die japa­ni­schen Präfekturen
  • 年齢別(ねんれいべつ)に | getrennt nach Alter (Ein­woh­ner­sta­tis­tik)
  • 出生率(しゅっしょうりつ)に | die Geburtenrate
  • 少子高齢化(しょうしこうれいか) | Sin­ken der Gebur­ten­ra­te und Über­al­te­rung der Gesellschaft 
  • 高齢者人口(こうれいしゃじんこう) | die Ein­woh­ner­zahl der Per­so­nen im hohen Alter
  • 15歳未満(さいみまん) | unter 15 Jahren
  • (はたら)() | arbei­ten­der Mensch, Geld­ver­die­ner der Familie
  • ピーク() | die Spit­zen­zeit, die Stosszeit
  • 大台(おおだい) | die Mar­ke, die Höhe
  • 一億人(いちおくにん) | 100 Mil­lio­nen Menschen
  • 過疎地(かそち) | unter­be­völ­ker­te Gegenden
  • ()() | leer­ste­hen­des Haus
  • 大都市圏(だいとしけん) | das Grossstadtgebiet
  • 過疎化現象(かそかげんしょう) | das Phä­no­men der Entvölkerung
  • 移民(いみん) | die Einwanderung
  • 有効(ゆうこう)な | wir­kungs­voll, wirksam
  • 解決(かいけつ) | die Lösung, die Regelung
  • 少子化問題(しょうしかもんだい) | das Pro­blem der tie­fen Geburtenrate
  • ロボット() | die Roboterisierung
  • 無人化(むじんか) | die Automatisierung

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