Mona Lisa im Reisfeld

Mona Lisa und «Lakesi­de» im Juli 2022. inaka​da​te​-tan​boart​.net

Inaka­da­te in der Prä­fek­tur Aom­ori ganz im Nor­den der japa­ni­schen Haupt­in­sel Hons­hu ist ein klei­nes land­wirt­schaft­li­ches Dorf mit 8000 Ein­woh­nern. Lan­ge war die­ser Ort kaum jeman­dem ein Begriff. Dies änder­te sich 1993, als das Dorf in einer Ver­samm­lung beschloss, aus Reis­fel­dern Kunst zu machen, um den Men­schen den tra­di­tio­nel­len Reis­an­bau und die Bedeu­tung der Land­wirt­schaft näher­zu­brin­gen. Aus die­sem loka­len Klein­pro­jekt wur­de ein Tou­ris­ten­ma­gnet, der heu­te unter dem Begriff Tan­bo-Āto («Reis­­feld-Kunst») lan­des­weit bekannt ist (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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Auf­fäl­lig ist, wie sich die­se ver­gäng­li­che Kunst­form von Jahr zu Jahr tech­nisch ver­bes­sert und immer detail­rei­cher wird (sie­he Video unten). Die Palet­te der ver­schie­den­far­bi­gen Reis­sor­ten wur­de kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­wei­tet. Heu­te fängt jeweils im April die Pla­nung an. Mit­hil­fe von Com­pu­tern wird bestimmt, wo jede ein­zel­ne Reis­sor­te gepflanzt wird. Im Mai wird die­se Pla­nung mit mehr als 1000 Hel­fern auf den Fel­dern umge­setzt. Jeweils im Juli erblüht die­ses detail­rei­che Gemäl­­de in sei­ner gan­zen Pracht. 

Mona Lisa 2003 und 2022

Ein­drück­lich unter Beweis gestellt wird die­ser tech­ni­sche Fort­schritt mit der dies­jäh­ri­gen Abbil­dung der Mona Lisa. Es ist bereits das zwei­te Mal, dass sich die Reis-Künst­ler an die­se welt­be­rühm­te Male­rei von Leo­nar­do Da Vin­ci gewagt haben. 2003 hin­ter­liess die Mona Lisa von Inaka­da­te noch einen sehr rudi­men­tä­ren, pixel­ar­ti­gen Ein­druck. 19 Jah­re spä­ter ist den Machern ein tech­ni­scher Quan­ten­sprung gelun­gen. Es ist eine detail­ge­treue Abbil­dung zu sehen, auf der selbst das berühm­te ange­deu­te­te Lächeln zu erken­nen ist. Die Per­spek­ti­ve, die Far­ben und die unter­schied­li­chen Schat­tie­run­gen beein­dru­cken und heben sich deut­lich vom ers­ten Ver­such von 2003 ab, den die Macher inzwi­schen als «ein miss­ra­te­nes Werk» betrachten. 

Das Jomon-Yayoi-Kunst­werk am 28. Juli 2022. inaka​da​te​-tan​boart​.net

Die Mona Lisa ist nicht das ein­zi­ge Kunst­werk, das vor dem Rat­haus in die­sem Jahr erschaf­fen wur­de. Gleich neben­an ist das eben­so schö­ne Gemäl­de «Lakesi­de» (jp. Kohan) von Sei­ki Kuro­da (1866 – 1924) zu sehen, der als Vater der west­li­chen Male­rei in Japan gilt. Der­weil wid­met sich das zwei­te Feld in Inaka­da­te, das von einem eigens errich­te­ten Aus­sichts­turm betrach­tet wer­den kann, der Jōmon- und der Yayoi-Kul­tur der japa­ni­schen Früh­ge­schich­te. Die Ent­wick­lung aller drei leben­di­gen Kunst­wer­ke kön­nen auch online bestaunt wer­den (» Mona Lisa und Lakesi­de / » Jōmon-Yayoi ).

Von Juni bis Oktober

Der Aus­sichts­turm auf das Reis-Kunst­feld Num­mer 2. Asi­en­spie­gel

Zum ers­ten Mal seit 2019 dür­fen die Zuschau­er die Kunst­wer­ke wie­der haut­nah erle­ben. Die Aus­sichts­ter­ras­sen sind nach einer zwei­jäh­ri­gen Schlies­sung wegen der Coro­na-Pan­de­mie wie­der offen. Aber auch ein Blick auf die Web­site und die Live-Kame­ra lohnt sich. Zudem zeigt die online ein­seh­ba­re chro­no­lo­gi­sche Bild­ab­fol­ge ein­drück­lich, wie die­se ver­gäng­li­chen Kunst­wer­ke im Juni von Tag zu Tag Kon­tu­ren anneh­men, im Juli sich in ihrer gan­zen Pracht ent­fal­ten und danach bis in den Okto­ber hin­ein all­mäh­lich an Glanz verlieren. 

Eine Nahan­sicht auf das Jōmon-Yayoi-Kunst­werk in sei­ner Früh­pha­se am 10. Juni 2022. Asi­en­spie­gel

Die Kunst­wer­ke von 1993 bis 2019


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