Japan vor der gros­sen Öffnung

Der Flug­ha­fen Hane­da und der Fuji im Hin­ter­grund. PAUL ATKIN­SON / Shut​ter​stock​.com

Auf einen Schlag könn­te alles viel schnel­ler gehen als erwar­tet. Der stell­ver­tre­ten­de Chef­ka­bi­netts­se­kre­tär Sei­ji Kiha­ra hat in einem Inter­view mit Fuji TV erklärt, dass die Regie­rung weit­rei­chen­de Locke­run­gen prü­fe. Kon­kret nann­te er die mög­li­che Auf­he­bung der aktu­el­len Ober­gren­ze von 50’000 Ein­rei­sen pro Tag und damit ver­bun­den die Wie­der­auf­nah­me des Ein­rei­se-Tou­ris­mus für Indi­vi­du­al­rei­sen­de und die Auf­he­bung der Visum­pflicht. Es sei in abseh­ba­rer Zeit mit einem all­um­fas­sen­den Ent­scheid zu rech­nen, so Kiha­ra. Er bezeich­ne­te die gegen­wär­ti­gen Locke­run­gen als nicht aus­rei­chend.

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In ande­ren Wor­ten: Japan steht bezüg­lich Ein­rei­se­auf­la­gen vor der Rück­kehr zur Nor­ma­li­tät. Dabei muss man wis­sen, dass ein Regie­rungs­mit­glied nicht ein­fach so sei­ne Mei­nung im Fern­se­hen äus­sert. Das Verb «über­prü­fen» (jp. ken­tō) ist im poli­ti­schen Fach­jar­gon Japans stets ein kla­rer Hin­weis dar­auf, dass hin­ter den Kulis­sen ein Grund­satz­ent­scheid gefällt wur­de und es nun um die Details der Umset­zung geht. 

Der Grund für die Eile

Bis­lang fiel Japan für sein zöger­li­ches Ver­hal­ten auf, wenn es dar­um ging, die Gren­zen für Tou­ris­ten und Ausländer:innen im All­ge­mei­nen wie­der zu eröff­nen. Inso­fern über­rascht die­ser Mei­nungs­um­schwung. Doch für die Eile gibt es einen trif­ti­gen Grund: Es ist die Wirt­schaft. Die Wäh­rung des Insel­staa­tes ver­liert seit eini­gen Mona­ten mas­siv an Wert. Der Yen ist gegen­über dem Dol­lar so schwach wie seit 1998 nicht mehr (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Import­kos­ten und die Prei­se stei­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

So gese­hen wäre eine voll­wer­ti­ge Auf­he­bung der Ein­rei­se­re­strik­tio­nen ein Segen für die lei­den­de Wirt­schaft. Dies deu­te­te auch Sei­ji Kiha­ra an. Zum einen macht der schwa­che Yen Japan-Rei­sen für aus­län­di­sche Tou­ris­ten attrak­tiv und erschwing­lich. Zum ande­ren wür­den so Mil­lio­nen von Tou­ris­ten auf ein­mal wie­der Yen kau­fen und damit hel­fen, die Wäh­rung zu sta­bi­li­sie­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Fer­ner sprach Kiha­ra davon, dass die meis­ten Län­der die Gren­zen wie­der geöff­net hät­ten und Japan dies­be­züg­lich nicht zurück­fal­len dür­fe. Aus­ser­dem ste­he mit dem Herbst eine der tou­ris­tisch attrak­tivs­ten Jah­res­zei­ten in Japan an, wie er wei­ter beton­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die aktu­el­len Auflagen

Es sind viel­ver­spre­chen­de Neu­ig­kei­ten, die der stell­ver­tre­ten­de Chef­ka­bi­netts­se­kre­tär ver­kün­den durf­te. Noch aber braucht es etwas Geduld und eine klei­ne Por­ti­on Skep­sis. Denn die bis­he­ri­ge Erfah­rung zeigt, dass die Regie­rung trotz viel­ver­spre­chen­der Ankün­di­gun­gen immer wie­der vor einer voll­wer­ti­gen Öff­nung zurück­schreck­te. Selbst in die­sem Fall ist nicht aus­zu­schlies­sen, dass eini­ge läs­ti­ge Auf­la­gen bestehen blei­ben wer­den. Es gilt daher, bis zur Ver­kün­dung des offi­zi­el­len Beschlus­ses der Regie­rung abzu­war­ten. Am heu­ti­gen Mon­tag wur­de bekannt, dass noch die­se Woche mit einem defi­ni­ti­ven Ent­scheid der Regie­rung zu rech­nen ist. 

Bis dahin blei­ben die aktu­el­len Ein­rei­se­re­strik­tio­nen in Kraft, wie die Ober­gren­ze von täg­lich 50’000 Ein­rei­sen und die Visum­pflicht für alle Ausländer:innen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Tou­ris­tisch unter­wegs sein dür­fen nur Per­so­nen, die eine Pau­schal­rei­se mit oder ohne Gui­de über ein Rei­se­bü­ro gebucht haben (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Neu: Mul­ti­ple-Ent­ry-Visum

Neben­bei gibt es für Geschäfts­rei­sen­de und aus­län­di­sche Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge von japa­ni­schen Staatsbürger:innen eine gute Nach­richt: Die­se dür­fen ab sofort ein Mul­ti­ple-Ent­ry-Visum bean­tra­gen, das ihnen für den Zeit­raum eines Jah­res meh­re­re Ein­rei­sen erlaubt. Bis­lang stell­ten die Bot­schaf­ten für Kurz­auf­ent­hal­te ledig­lich ein Sin­gle-Ent­ry-Visum aus.

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