Die abge­holz­te Insel

Die Insel Mageshi­ma aus der Vogel­per­spek­ti­ve Goog­le Earth

Mageshi­ma ist eine 8 Qua­drat­ki­lo­me­ter klei­ne Insel, die zur Prä­fek­tur Kago­shi­ma am Süd­zip­fel der japa­ni­schen Haupt­in­seln gehört. Bis in die Stadt Kago­shi­ma sind es 115 Kilo­me­ter. Die Nach­bar­in­sel Tane­ga­shi­ma, auf der sich Japans gröss­ter Welt­raum­bahn­hof befin­det (Asi­en­spie­gel berich­te­te), liegt in 12 Kilo­me­ter Ent­fer­nung. Lan­ge war Mageshi­ma unbe­wohnt. Ein­zig die loka­len Fischer kann­ten die­ses Natur­pa­ra­dies. In der Mei­ji-Zeit (1868 bis 1912) gab es ers­te Ver­su­che einer Vieh­zucht, im Zwei­ten Welt­krieg errich­te­te die Mari­ne einen Beobachtungsposten. 

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Erst in den 1950er-Jah­­ren star­te­te eine akti­ve Besied­lung der Insel, die zunächst erfolg­reich war. 1959 ver­zeich­ne­te Mageshi­ma 113 Haus­hal­te und 528 Ein­woh­ner. Sie leb­ten von der Fische­re­rei und vom Reis- und Zucker­rohr­an­bau. Doch der Enthu­si­as­mus ver­folg schnell. Die Land­wirt­schaft ent­wi­ckel­te sich nicht wie gewünscht, die Sub­ven­tio­nen des Staa­tes gin­gen zurück und so ver­lies­sen immer mehr Bewoh­ner die Insel. 1980 gaben die letz­ten ihr Zuhau­se auf, die ört­li­che Grund­schu­le wur­de für immer geschlossen.

Das Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt

Mageshi­ma wur­de zur unbe­wohn­ten Insel – und zum Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt. Japan Focus hat dar­über einen aus­führ­li­chen Arti­kel publi­ziert. Ein Ver­gnü­gungs­park, ein Öltan­kla­ger, eine Radar­ba­sis, ein Lager für nuklea­ren Abfall oder eine Basis für das inzwi­schen ein­ge­stell­te Mini-Space-Shu­t­t­le-Pro­­jekt Hope X: Für die Nut­zung die­ses ver­las­se­nen Eilands gab es unzäh­li­ge Pro­jek­te. Nichts wur­de ver­wirk­licht. Ein­zig die Idee, Mageshi­ma als Stütz­punkt für die in Japan sta­tio­nier­ten US-Trup­pen zu ver­wen­den, hielt sich hart­nä­ckig. Und genau dar­auf spe­ku­lierte seit Jah­ren die Eigen­tü­me­rin der Insel, die Taston Air­port Co.. Die Tokio­ter Fir­ma holz­te ab den Nul­ler­jah­ren einen gros­sen Teil des Insel­wal­des ab, um Platz für zwei Flug­pis­ten zu schaf­fen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Das Öko­sys­tem des Ortes wur­de damit weit­ge­hend zer­stört. Die dort hei­mi­schen Hir­sche, die Mageshi­ka, sind vom Aus­ster­ben bedroht. 

Die Spe­ku­la­ti­on von Taston Air­port Co. hat sich aus­ge­zahlt. 2019 einig­te sich die japa­ni­sche Regie­rung mit dem Unter­neh­men auf einen Kauf­preis von 16 Mil­li­ar­den Yen. Im ver­gan­ge­nen Novem­ber gab schliess­lich der Gou­ver­neur der Prä­fek­tur Kago­shi­ma, Koi­chi Shio­ta, sei­ne Zustim­mung für die Umwand­lung der Insel in einen Übungs­stütz­punkt für die US Air Force und die japa­ni­schen Selbst­ver­tei­di­gungs­streit­kräf­te. Shio­ta bezog sich dabei auf das schwie­ri­ge Sicher­heits­um­feld im Ost­chi­ne­si­schen Meer. 

Start der Bauarbeiten

Am 12. Janu­ar 2023 war der Spa­ten­stich. Vier Jah­re wer­den die Bau­ar­bei­ten dau­ern. Start- und Lan­de­bah­nen wie auch Muni­ti­ons­la­ger wer­den ent­ste­hen. Die Fischer der Nach­bar­in­seln Tane­ga­shi­ma sol­len für die Aus­fäl­le in die­ser Zeit mit 2,2 Mil­li­ar­den Yen ent­schä­digt wer­den. Der Traum der Lokal­be­völ­ke­rung, Mageshi­ma in ein Insel­pa­ra­dies zurück­zu­ver­wan­deln, ist geplatzt. Die Sor­ge um den Lärm und die Umwelt­schä­den ist gross. 

Für die japa­ni­sche Regie­rung hat­ten die sicher­heits­po­li­ti­schen Inter­es­sen Vor­rang. Zudem setzt sie damit ein über zehn­jäh­ri­ges Ver­spre­chen, einen neu­en Stand­ort für die US-Luft­waf­fe zu fin­den, um. Der US-Mili­tär­stütz­punkt in Iwa­ku­ni wird Mageshi­ma zu einem Übungs­ort für Lan­dun­gen und Starts auf Flug­zeug­trä­gern machen. Heu­te wer­den die­se lär­min­ten­si­ven Flü­ge haupt­säch­lich auf der 1400 Kilo­me­ter ent­fern­ten Insel Iwo-Jima (Asi­en­spie­gel berich­te­te) durch­ge­führt. Hin­ge­gen ist Mageshi­ma ledig­lich 400 Kilo­me­ter entfernt.



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