Im Her­zen der japa­ni­schen Weinkultur

REI­SE­NO­TI­ZEN – In die­ser Serie erzäh­le ich in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge von mei­ner Rei­se durch das Japan im Februar/​März 2024.

Budō no oka: Der Weinhügel mit dem Restaurant und dem Weinkeller.
Budō no oka: Der Wein­hü­gel mit dem Restau­rant und dem Wein­kel­ler. Asi­en­spie­gel

Nach mei­nem Abste­cher zur futu­ris­ti­schen Test­stre­cke der Magnet­schwe­be­bahn fah­re ich mit der JR Chuo Line wei­ter nach Kats­un­u­ma, einem male­ri­schen Dorf am Ran­de der Stadt Koshu (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Schon beim Aus­stei­gen an der Sta­ti­on Kats­un­u­ma Budōkyō bie­tet sich an die­sem schö­nen Tag ein male­ri­scher Anblick: im Hin­ter­grund die Hoch­ebe­ne von Yama­na­shi, umrahmt von den süd­li­chen japa­ni­schen Alpen, und im Vor­der­grund ein Dorf, das mit sei­nen sanf­ten Hügeln und Wein­re­ben fast an eine euro­päi­sche Land­schaft erinnert. 

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Kats­un­u­ma ist ein japa­ni­sches Win­zer­dorf. Seit mehr als einem Jahr­tau­send wird hier die ein­hei­mi­sche Kōs­hū-Trau­be ange­baut. In der Mei­ji-Zeit wur­de dar­aus der ers­te japa­ni­sche Wein pro­du­ziert. Die­se Inno­va­ti­on führ­te zur Ver­brei­tung einer rei­chen Wein­kul­tur im gan­zen Dorf. Heu­te gibt es in Kats­un­u­ma etwa 40 Wein­gü­ter, in denen Besu­cher die loka­len Wei­ne ver­kos­ten und kau­fen können. 

Ein Wahr­zei­chen ist der Budō no Oka, der «Wein­hü­gel», der auf einem Hügel über dem Dorf thront. Der Kom­plex besteht aus einem Restau­rant mit Pan­ora­ma­blick, einem Hotel und einem Wein­kel­ler, in dem man für 2200 Yen Wein degus­tie­ren kann. Eben­falls ein Blick­fang ist die Anbau­wei­se namens Tana­shi­ta­te. Die Reben wer­den auf einem erhöh­ten Spa­lier gezo­gen, das nicht nur für eine bes­se­re Durch­lüf­tung sor­gen, son­dern auch Schutz vor Tai­fu­nen bie­ten soll. 

Die Geburt einer Weinregion

Miyakōen: Die erste Weinkellerei von Katsunuma.
Miyakōen: Die ers­te Wein­kel­le­rei von Kats­un­u­ma. Asi­en­spie­gel

Die Geschich­te des Weins aus Kats­un­u­ma begann 1879, als die ört­li­che Dai­Nihon Yama­na­shi Wine Com­pa­ny den ers­ten Wein mit ein­hei­mi­schen Trau­ben her­stell­te. Die­ser Erfolg war den Fähig­kei­ten der Mit­ar­bei­ter Ryu­ken Tsu­chiya und Masa­na­ri Taka­no zu ver­dan­ken, die zuvor ein Jahr lang in Frank­reich das Hand­werk der Win­ze­rei erlernt hat­ten. Trotz ihres Kön­nens war der Wein in Japan zu wenig bekannt und erschien den Japa­nern zu unge­wohnt, sodass die Dai­Nihon Yama­na­shi Wine Com­pa­ny letz­ten Endes Kon­kurs anmel­den muss­te. 1892 nahm Kota­ro Miya­za­ki zusam­men mit Tsu­chiya die Pro­duk­ti­on wie­der auf. Um den Geschmack der Japa­ner zu tref­fen, pro­du­zier­te Miya­za­ki einen süs­sen Brannt­wein, den Ebi Budōs­hu, ange­rei­chert mit Honig und chi­ne­si­schen Heilkräutern. 

1912 eröff­ne­te Miya­za­ki auf sei­nem Anwe­sen die Wein­kel­le­rei Miyakōen, um den Wein den Japa­nern näher­zu­brin­gen. Dabei liess er sich von Kamiya Den­bee inspi­rie­ren, dem Pio­nier des ers­ten japa­ni­schen Wein­guts in Ushi­ku in der Prä­fek­tur Iba­ra­ki. Die Wein­kel­le­rei von Miya­za­ki, die eng mit den orts­an­säs­si­gen Bau­ern zusam­men­ar­bei­te­te, leg­te den Grund­stein für die leben­di­ge Wein­kul­tur in Kats­un­u­ma. Sogar der Kai­ser und sei­ne Fami­lie besuch­ten die Kel­le­rei mehr­mals. Miyakōen dient heu­te als Infor­ma­ti­ons­zen­trum und Muse­um, das die Geschich­te des Wein­dor­fes auch in eng­li­scher Spra­che zugäng­lich macht.

Der Wan­del der Weinpräferenzen

Im Weinkeller des Budō no oka.
Im Wein­kel­ler des Budō no oka. Asi­en­spie­gel

Noch lan­ge nach dem Zwei­ten Welt­krieg bevor­zug­ten die Japa­ner gesüss­ten Wein. Mit dem Wirt­schafts­wun­der und der zuneh­men­den Öff­nung Japans zur Welt begann ab 1975 eine all­mäh­li­che Abkehr von die­ser Gewohn­heit. Heu­te pro­du­ziert Japan Wei­ne nach west­li­chem Vor­bild, hat sich aber eine Vor­lie­be für lieb­li­che Wei­ne bewahrt.

Kats­un­u­ma ist eine fas­zi­nie­ren­de Ent­de­ckungs­rei­se in die Geschich­te der japa­ni­schen Wein­kul­tur, die von Pio­nier­leis­tun­gen, Rück­schlä­gen, Umwe­gen und Anpas­sun­gen erzählt, durch die der Wein letzt­lich einen fes­ten Platz in der japa­ni­schen Küche erobert hat.

Das Dorf an einem Tag im Februar.
Das Dorf an einem Tag im Febru­ar. Asi­en­spie­gel
Im Miyakōen wird die Geschichte des japanischen Weins erzählt.
Im Miyakōen wird die Geschich­te des japa­ni­schen Weins erzählt. Asi­en­spie­gel
Die einstige Miyakōen-Weinkellerei ist ein heute ein Museum.
Die eins­ti­ge Miyakōen-Wein­kel­le­rei ist ein heu­te ein Muse­um. Asi­en­spie­gel
Die Sicht vom Budō no oka auf die Hochebene der Präfektur Yamanashi.
Die Sicht vom Budō no oka auf die Hoch­ebe­ne der Prä­fek­tur Yama­na­shi. Asi­en­spie­gel
Im Dorf Katsunuma gibt es 40 Weingüter.
Im Dorf Kats­un­u­ma gibt es 40 Wein­gü­ter. Asi­en­spie­gel
Die Tanashitate-Anbaumethode ist hier gut zu sehen.
Die Tana­shi­ta­te-Anbau­me­tho­de ist hier gut zu sehen. Asi­en­spie­gel
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