Narai­juku: Das Dorf aus einer ande­ren Zeit

REI­SE­NO­TI­ZEN – In die­ser Serie erzäh­le ich in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge von mei­ner Rei­se durch das Japan im Februar/​März 2024.

Bezaubernd: Das historische Dorfbild von Naraijuku.
Bezau­bernd: Das his­to­ri­sche Dorf­bild von Narai­juku. Asi­en­spie­gel

An einem fros­ti­gen Mor­gen fah­re ich mit dem Lokal­zug von Mats­um­o­to über Shio­ji­ri ins Kiso-Tal in der Prä­fek­tur Naga­no. Das lang­ge­zo­ge­ne Tal beher­bergt einen Teil der his­to­ri­schen Naka­sen­do-Rou­te, die in der Edo-Zeit die Inlands­ver­bin­dung zwi­schen der Kai­ser­stadt Kyo­to und dem Macht­zen­trum Edo, dem heu­ti­gen Tokio, bil­de­te. Ent­lang der 534 Kilo­me­ter lan­gen Stre­cke reih­ten sich 69 Sta­tio­nen, die als Zoll- und Post­sta­tio­nen sowie als Rast­plät­ze für Rei­sen­de dien­ten. Im Kiso-Tal sind eini­ge die­ser his­to­ri­schen Sta­tio­nen erhal­ten geblie­ben. Zwei der bekann­tes­ten sind Mago­me und Tsum­a­go, die bis heu­te durch den his­to­ri­schen Fuss­weg mit­ein­an­der ver­bun­den sind (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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Mei­ne Rei­se führt mich an die­sem Mor­gen nach Narai­juku. Das Dorf war die 34. Sta­ti­on auf der Naka­sen­do. Narai­juku lag kurz vor dem 1197 Meter hohen Torii-Pass und war dadurch ein wich­ti­ger Erho­lungs­ort. Die­se stra­te­gi­sche Lage ver­half Narai­juku in der Edo-Zeit zu bedeu­ten­dem Wohl­stand. Ent­lang der 1 Kilo­me­ter lan­gen Haupt­stras­se ent­stan­den zahl­rei­che tra­di­tio­nel­le Häu­ser, die als Geschäf­te, Restau­rants und Her­ber­gen dien­ten. Auf­grund der Viel­zahl der Gebäu­de erhielt das Dorf den Bei­na­men «Narai­sen­ken» – «Narai der 1000 Häuser».

Tra­di­tio­nel­le Häuser

Die Hauptstrasse ist 1 Kilometer lang.
Die Haupt­stras­se ist 1 Kilo­me­ter lang.

Die Häu­ser in Narai­juku zeich­nen sich durch ihre tra­di­tio­nel­le Bau­wei­se der Edo-Zeit aus. Es han­delt sich um lang­ge­streck­te Struk­tu­ren, die sich weit nach hin­ten erstre­cken. Die Holz­häu­ser sind zwei­stö­ckig, wobei die obe­re Eta­ge leicht über die unte­re hin­aus­ragt – eine Eigen­heit, die im Japa­ni­schen Dashi­ba­ri­zu­ku­ri genannt wird. Die­se Bau­wei­se ver­grös­ser­te den Wohn­raum und schütz­te den unte­ren Bereich vor Regen. 

Das eigent­li­che Wun­der ist jedoch, dass die­ses Dorf Krie­ge und Umwäl­zun­gen über­stan­den hat und sei­ne his­to­ri­sche Archi­tek­tur nahe­zu unver­än­dert erhal­ten geblie­ben ist. Narai­juku gehört damit zu den weni­gen Orten in Japan, in denen eine aus­ge­dehn­te Alt­stadt ihr Aus­se­hen bewah­ren konn­te. Im Jahr 1978 stell­te die Regie­rung das tra­di­tio­nel­le Dorf­bild von Narai­juku unter Denkmalschutz.

His­to­ri­sche Atmosphäre

«Narai der 1000 Häuser» nannte man dieses Dorf.
«Narai der 1000 Häu­ser» nann­te man die­ses Dorf.

Meh­re­re Häu­ser in Narai­juku sind für Besu­cher geöff­net, sei es als Café, Muse­um, Her­ber­ge oder Restau­rant. Im Haus der ehe­ma­li­gen Händ­ler­fa­mi­lie Naka­mu­ra etwa erhält man nicht nur einen Ein­blick in das Inne­re der Gebäu­de, son­dern erfährt auch, dass Narai­juku einst für sei­ne Uru­shi-Lack-Käm­me berühmt war. Die­se als Oro­ku­gu­shi bekann­ten Käm­me erfreu­ten sich in der Edo-Zeit gros­ser Beliebt­heit und wur­den von Rei­sen­den als Sou­ve­nir gekauft. Die Kamm­her­stel­lung war ein wich­ti­ger Wirt­schafts­zweig für das Dorf und wird auch heu­te nach tra­di­tio­nel­len Hand­werks­me­tho­den betrie­ben. Über­dies wer­den in Narai­juku vie­le wei­te­re Uru­shi-Hand­werks­pro­duk­te angeboten.

Ein Spa­zier­gang durch Narai­juku ist wie eine Rei­se in eine ande­re Zeit. Das Beson­de­re dar­an ist, dass das Dorf nicht ein­fach ein musea­ler Ort ist, son­dern ein leben­di­ger Ort mit Bewoh­nern, die sich lie­be­voll um die alten Häu­ser küm­mern. Für Geschichts- und Archi­tek­turin­ter­es­sier­te hat Narai­juku einen ganz beson­de­ren Reiz. Es ist eines der am bes­ten erhal­te­nen Dör­fer aus der Edo-Zeit – nir­gend­wo sonst wird die­se Epo­che so lebendig.

Ein Urushi-Geschäft in Naraijuku.
Ein Uru­shi-Geschäft in Narai­juku. Asi­en­spie­gel
Einige Häuser wurden innen modernisiert.
Eini­ge Häu­ser wur­den innen moder­ni­siert. Asi­en­spie­gel
Das historische Dorfbild ist seit 1978 geschützt.
Das his­to­ri­sche Dorf­bild ist seit 1978 geschützt. Asi­en­spie­gel
Spaziergang in Naraijuku an einem frühen Morgen.
Spa­zier­gang in Narai­juku an einem frü­hen Mor­gen. Asi­en­spie­gel
Naraijuku war in der Edo-Zeit bekannt für seine Urushi-Kämme.
Narai­juku war in der Edo-Zeit bekannt für sei­ne Uru­shi-Käm­me. Asi­en­spie­gel
Im Innern des Hauses der einstigen Händlerfamilie Nakamura.
Im Innern des Hau­ses der eins­ti­gen Händ­ler­fa­mi­lie Naka­mu­ra. Asi­en­spie­gel
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