Das Ende der Love Hotels?

Foto: Asi­en­spie­gelEin Love Hotel in Shibuya.

In den Love Hotels ver­brin­gen die japa­ni­schen Paa­re ihre gemein­sa­men Stun­den. Dis­kre­ti­on ist obers­tes Gebot. Anstatt auf eine offe­ne Rezep­ti­on trifft man auf Auto­ma­ten, wo man bezahlt, um spä­ter wie­der still ver­schwin­den zu kön­nen. Die Zim­mer sind ver­spielt ein­ge­rich­tet, die kit­schig-grel­len Fas­sa­den machen die Hotels ein­fach erkenn­bar. Man kann hier eini­ge Stun­den oder eine Nacht bleiben.

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Die Love Hotels in ihrer heu­ti­gen Form nah­men ihren Anfang, als die Pro­sti­tu­ti­on in den 50ern ver­bo­ten wur­de. Die Blei­ben wur­den zum Ersatz für die Bor­del­le. Noch heu­te spielt sich die ille­ga­le Bestell­pro­sti­tu­ti­on vor­nehm­lich in Love Hotels ab. Gleich­zei­tig began­nen in den 60ern, immer mehr jun­ge und auch ver­hei­ra­te­te Paa­re, die Love Hotels als Ort der Zwei­sam­keit zu nut­zen. Der enge Wohn­raum in den eige­nen vier Wän­den erlaub­te kei­ne Pri­vat­sphä­re. Die kurz­wei­li­gen Blei­ben schos­sen damals wie Pil­ze aus dem Boden. Die Fas­sa­den sowie die Innen­aus­stat­tung der Love Hotels wur­den in den Jah­ren dar­auf immer extravaganter.

Die Wen­de in den 80ern

In den 80er-Jah­ren began­nen die Behör­den ein stren­ge­res Auge auf die Love Hotels zu wer­fen. Zu zahl­reich und zu auf­fäl­lig wur­den sie. Die Bran­che unter­lag neu dem Unter­hal­tungs­ge­wer­be-Gesetz, Fuei­ho genannt. Die­se rigi­den Regu­lie­run­gen erschwe­ren Neueröffnungen.

Dies hat dazu geführt, dass vie­le Besit­zer ihre Love Hotels offi­zi­ell als regu­lä­re Busi­ness Hotels regis­trie­ren, um so einen unmög­li­chen Papier­krieg und stren­ge Regu­lie­run­gen zu umge­hen. Die kit­schi­gen Fas­sa­den wur­den in der Fol­ge zurück­hal­ten­der gestal­tet. Um nicht wei­ter auf­zu­fal­len, spre­chen die Betrei­ber bewusst von Fashion Hotels oder Bou­tique Hotels. Dies macht es schwer, die wah­re Anzahl an Love Hotels in Japan zu schät­zen. Offi­zi­el­le Zah­len gehen von 10’000 aus, die Dun­kel­zif­fer liegt aber höher.

Inzwi­schen kämp­fen die Love Hotels aber noch mit wei­te­ren Pro­ble­men. Die Über­al­te­rung der Gesell­schaft und eine zuneh­men­de Kon­kur­renz durch gewöhn­li­che Hotels, die eben­falls die Paa­re als lukra­ti­ve Kund­schaft ent­deckt haben, hat die Nach­fra­ge sin­ken las­sen. Heu­te ver­su­chen die Love Hotels neue Gäs­te anzu­lo­cken. Älte­re Ehe­paa­re, Leu­te, die allei­ne hier über­nach­ten, aber auch Frau­en-Grup­pen, die eine Karao­ke-Nacht ver­an­stal­ten, sind willkommen.

Die Umwand­lung von Love Hotels?

Die Regie­rung hat wie­der­um ganz ande­re Plä­ne für die­se Hotels wie die Chu­go­ku Shim­bun berich­tet. So hat sie die­se als die per­fek­ten Orte ent­deckt, um den aku­ten Man­gel an Hotel­zim­mern durch den Tou­ris­mus­boom (Asi­en­spie­gel berich­te­te) zu ent­schär­fen. Zur­zeit fehlt es an über 10’000 Zim­mern, um die Nach­fra­ge abzu­de­cken. Eine Ent­span­nung ist nicht in Sicht. Für die nächs­ten Jah­re peilt Japan sogar 40 Mil­lio­nen aus­län­di­sche Tou­ris­ten pro Jahr an. 

Hier bie­ten sich aus der Sicht der Regie­rung die Love Hotels an, die an Wochen­ta­gen mit rund 40 Pro­zent chro­nisch unter­be­las­tet sind. Bis zu den Som­mer­spie­len 2020 möch­te sie die Umwand­lung von Love Hotels in gewöhn­li­che Hotels mit Rezep­ti­on und allen zusätz­li­chen Dienst­leis­tun­gen vor­an­trei­ben. Finan­ziert wer­den soll der Umbau mit attrak­ti­ven Dar­le­hen von öffent­li­chen Kreditinstituten.

Es fragt sich jedoch, ob sich die­ses Vor­ha­ben für die Love Hotel-Besit­zer lohnt und ob sie dies über­haupt wol­len. Ein Umbau ist trotz staat­li­cher Unter­stüt­zung teu­er. Ein nor­ma­les Hotel benö­tigt zudem viel Per­so­nal. Aus­ser­dem befin­den sich vie­le der Love Hotels, die kei­nen Gewinn abwer­fen, in unat­trak­ti­ven Gegen­den. Es ist daher kaum zu erwar­ten, dass Tou­ris­ten an lär­mi­gen Haupt­stras­sen in Vor­or­ten ohne Zugang zu öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln über­nach­ten möchten.

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