flickr/​naoyafujiiKrea­tiv gedrängt: Die Zwil­lings­tür­me von Tadao Ando bei Kobe.

In Japan leben 125 Mil­lio­nen Men­schen auf rund 30 Pro­zent der Gesamt­flä­che des Lan­des. Die Grund­stü­cke sind ent­spre­chend teu­er, Bau­land ist rar. Sol­che Bedin­gun­gen for­dern von den Archi­tek­ten alles ab. Ein Meis­ter die­ser krea­ti­ven Her­aus­for­de­rung ist Tadao Ando, der sich den Mini­ma­lis­mus rich­tig­ge­hend ein­ver­leibt hat.

Der 69-Jäh­ri­ge scheut beim Bau­en kei­ne Hin­der­nis­se, auch wenn sich ein Grund­stück zwi­schen Eisen­bahn­schie­nen und Sand­strand drängt. In einem Vor­ort der west­ja­pa­ni­schen Stadt Kobe stell­te ihn Grund­stück­be­sit­zer Yoshi­na­ri Naka­ta vor eben eine sol­che Herausforderung.

«Hier kommt der Oze­an zu dir»

«Wenn es in einem Pro­jekt dar­um geht, phy­si­sche Limi­ten zu über­win­den, ist die Auf­merk­sam­keit der Öffent­lich­keit am Ende gewiss», sagt Ando zu sei­nem Pro­jekt 4×4 Hou­se, das er 2003 im Auf­trag von Herrn Naka­ta in Kobe ent­ste­hen liess. Hier ragen zwei Zwil­lings­ge­bäu­de in Beton auf 65 Qua­drat­me­ter zwi­schen Schie­nen und Strand in die Höhe. Auf die bei­den Bau­wer­ke hat Ando jeweils einen über­hän­gen­den Kubus gesetzt, der sich zum Strand hin etwas vor­ge­scho­ben ist. Eine gros­se Fens­ter­wand erlaubt dem Bewoh­ner einen frei­en Mee­res­blick. «Es ist ein klei­ner Raum, der einen viel grös­se­ren Raum fasst», beschreibt Ando sein Werk gegen­über der New York Times.

Die Häu­ser sind seit­her zu einem Blick­fang gewor­den. Yoshi­na­ri Naka­ta ist stolz auf sein Zuhau­se, das er mit sei­ner Ehe­frau und sei­nem Sohn bewohnt: «Hier kommt der Oze­an zu dir, man braucht nicht ein­mal aus dem Fens­ter zu schau­en.» Der ein­zi­ge Nach­teil sei das Trep­pen­stei­gen nach dem Ein­kau­fen. Doch die Aus­sicht kom­pen­sie­re alles. «Müss­te ich aus­zie­hen, ich wür­de die­sen Aus­blick vermissen.»

Die Sym­bo­lik des Ortes

Der Bau des Hau­ses kos­te­te 35 Mil­lio­nen Yen (425’000 Dol­lar). Für Ando ging es beim Bau auf einem solch engen Grund­stück um die krea­ti­ve Her­aus­for­de­rung, des­halb mach­te er bei der Aus­schrei­bung mit. «Vor einem archi­tek­to­ni­schen Gesichts­punkt her gese­hen, ist nie­mand an einem Bau inter­es­siert, für den man Mil­lio­nen von Dol­lar brau­chen kann.» Aus­ser­dem zog ihn die Sym­bo­lik des Ortes an. Nicht weit weg der 4x4-Häu­ser lag das Epi­zen­trum des gros­sen Erd­be­bens von Kobe 1995. Das Bau­werk soll­te laut Ando zu einem Andenken an die ver­hee­ren­de Natur­ka­ta­stro­phe werden.

Andos mini­ma­lis­ti­sche Kunst­wer­ke sind mitt­ler­wei­le über­all auf der Welt zu sehen. So bau­te er unter ande­rem das Muse­ums­ge­län­de Rake­ten­sta­ti­on Hom­broich in Deutsch­land, das «Pulit­zer-Foun­da­ti­on of the Arts»-Museum in St.Louis im US-Bun­des­staat Mis­sou­ri oder die «Church of the Light»-Kapelle in Iba­ra­ki in der Prä­fek­tur Osa­ka. Bereits 1995 erhielt Tadao Ando den Pritz­ker-Preis, die welt­weit renom­mier­tes­te Aus­zeich­nung in der Archi­tek­tur-Bran­che. ja.