Ein Sym­bol ohne Pass

Foto: wikimedia/​ShawncDer heu­ti­ge japa­ni­scher Kai­ser Aki­hi­to, Sohn des 1989 ver­stor­be­nen Kai­sers Hirohito.

Braucht der Ten­no einen Pass, wenn er auf Rei­sen geht? Dar­über zer­brach sich 1971 das Aus­sen­mi­nis­te­ri­um den Kopf, wie laut NHK News ein kürz­lich frei­ge­ge­be­nes Regie­rungs­do­ku­ment zeigt. Der Anlass war Kai­ser Hiro­hi­tos ers­te offi­zi­el­le Aus­lands­rei­se, die ihn nach Lon­don, Paris und Bonn füh­ren sollte.

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Als Ver­gleich moch­te dem japa­ni­schen Aus­sen­mi­nis­te­ri­um Gross­bri­tan­ni­ens Köni­gin Eli­sa­beth II. gedient haben, die schon damals wie kei­ne ande­re Mon­ar­chin die Welt bereiste.

In ihrem Fall ist es so, dass sie kei­nen bri­ti­schen Rei­se­pass besitzt. Denn immer­hin wer­den die­se Doku­men­te im Namen der Köni­gin, die zugleich Staats­ober­haupt ist, aus­ge­stellt. «Damit ist es für die Queen nicht not­wen­dig, selbst einen Rei­se­pass zu besit­zen», wird auf der offi­zi­el­len Sei­te der bri­ti­schen Mon­ar­chie festgehalten.

Ein zere­mo­ni­el­les Symbol

In Japan ist die Sache etwas kom­pli­zier­ter. So ist der Kai­ser laut Arti­kel 1 der Ver­fas­sung das Sym­bol des Staa­tes und der Ein­heit des Vol­kes. Der Ten­no ist also weder Staats­ober­haupt, noch ver­fügt er über irgend­wel­che Befug­nis­se, poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen zu tref­fen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Sein Por­trät ziert auch kei­ne Bank­no­ten oder Münzen.

Wie soll­te man also ein Sym­bol, das weder Staats­ober­haupt noch nor­ma­ler Bür­ger ist, bezüg­lich Rei­se­for­ma­li­tä­ten behan­deln? Am 10. Mai 1971 kam das Aus­sen­mi­nis­te­ri­um laut dem Regie­rungs­do­ku­ment zum Schluss, dass es «unan­ge­mes­sen» wäre, dem Kai­ser und der Kai­se­rin einen Rei­se­pass aus­zu­stel­len. Aus­ser­dem wäre es «höchst unan­ge­bracht», den Ten­no einer Visa-Pro­ze­dur aus­zu­set­zen, hiess es dar­in weiter.

Ers­te Aus­lands­rei­se seit 1921

So reis­te der Ten­no wie die Queen ganz ohne Rei­se­pass ins Aus­land. 1972 ging er nach Euro­pa, 1975 folg­te ein Besuch in den USA. Es waren genau gese­hen nicht sei­ne ers­ten Rei­sen nach Über­see. Bereits 1921 war Hiro­hi­to als ers­ter japa­ni­scher Kronz­prinz über­haupt mit einem gros­sen Gefol­ge zu Besuch in Gross­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Hol­land und Bel­gi­en. Ob Hiro­hi­to damals einen Pass besass, konn­ten weder das Aus­sen­mi­nis­te­ri­um noch das Hof­amt auf Anfra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur Jiji beantworten.

Die Ent­schei­dung des Aus­sen­mi­nis­te­ri­ums von 1971 ist übri­gens unver­än­dert geblie­ben. Auch der heu­ti­ge Ten­no und sei­ne Frau besit­zen kei­ne Rei­se­päs­se. Für die rest­li­chen Fami­li­en­mit­glie­der, inklu­si­ve Kron­prinz, gel­ten wie­der­um ande­re Regeln. Sie alle sind im Besitz diplo­ma­ti­scher Pässe.

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