Foto: flickr/​kane­genKai­ser Aki­hi­to und sei­ne Ehe­frau Michi­ko im Jahr 2013.

In Japan schreibt man offi­zi­ell das Jahr «Heisei 28». Heisei («Frie­de über­all») ist die Regie­rungs­de­vi­se des der­zei­ti­gen Kai­sers und die Zahl steht für des­sen Amts­jah­re. Im 28. Jahr ist Aki­hi­to nun schon auf dem Thron. Für den 82-jäh­ri­gen scheint dies genug zu sein. Er möch­te früh­zei­tig abdan­ken. Dies hat er sei­nem engs­ten Fami­li­en- und Bera­ter­kreis mit­ge­teilt, wie NHK berichtet.

Offen­bar sind es gesund­heit­li­che Grün­de, die ihn zu die­sem Ent­scheid bewo­gen haben. Er wol­le kein Ten­no sein, der sei­ne Pflich­ten redu­zie­ren müs­se. Den genau­en Zeit­punkt hat er jedoch nicht ver­ra­ten. «In den kom­men­den Jah­ren», heisst es ledig­lich in den japa­ni­schen Medi­en. Der 56-jäh­ri­ge Sohn und Kron­prinz Naru­hi­to wäre der Nach­fol­ger. NHK hat die Nach­richt über eine anony­me Quel­le im Hof­amt in Erfah­rung gebracht. Das offi­zi­el­le Hof­amt demen­tier­te der­weil eine sol­che Mel­dung. Sol­che Gesprä­che hät­ten nicht stattgefunden.

Nur vier Kai­ser seit 1868

Eine Abdan­kung wäre ein Novum in der moder­nen japa­ni­schen Geschich­te. Seit dem Beginn der Mei­ji-Zeit 1868 ende­ten die Amts­jah­re eines Kai­sers jeweils mit des­sen Tod. Ledig­lich vier Ten­no zähl­te das Land in den letz­ten 150 Jah­ren. Der letz­te Thron­wech­sel fand 1989 statt, nach­dem Kai­ser Hiro­hi­to nach 63-jäh­ri­ger Amts­zeit ver­stor­ben war.

Der letz­te Kai­ser, der noch zu Leb­zei­ten einem Nach­fol­ger wich, war Kai­ser Koka­ku im Jahr 1817. Zuvor war die Abdan­kung jedoch nichts Unüb­li­ches. Immer wie­der wur­den die Ten­nos vom Sho­gu­n­at gezwun­gen, vor­zei­tig zurück­zu­tre­ten. Unter den 125 Kai­sern trat rund die Hälf­te zu Leb­zei­ten ab. Doch seit der Moder­ni­sie­rungs­pha­se blieb der Ten­no stets bis zum Lebens­en­de offi­zi­ell auf dem Thron. Im Gesetz über die kai­ser­li­che Fami­lie gibt es nicht ein­mal eine Rege­lung dafür. Dies müss­te ange­passt werden.

Die Rol­le des Kai­sers hat sich stark gewan­delt. Seit 1947 ist der Ten­no per Ver­fas­sung nicht mehr das Staats­ober­haupt, son­dern ledig­lich noch ein Sym­bol. Die US-Besat­zer ent­zo­gen dem Kai­ser und dem Hof­staat damit jeg­li­che Macht. Seit­her hat er aus­schliess­lich eine reprä­sen­ta­ti­ve Funktion.

Ver­fech­ter der Friedensverfassung

Aki­hi­to ver­kör­pert die­se Rol­le in Per­fek­ti­on. Im Gegen­satz zu sei­nem Vater Hiro­hi­to, in des­sen Namen Japan im Zwei­ten Welt­krieg kämpf­te und der dadurch ein zwie­späl­ti­ges Bild hin­ter­liess, ist Aki­hi­to der ers­te Kai­ser, der unter den neu­en Ver­fas­sung inthro­ni­siert wur­de. Er gilt als ein über­zeug­ter Ver­tre­ter der pazi­fis­ti­schen Ver­fas­sung. Trotz sei­nes prak­tisch inexis­ten­ten poli­ti­schen Akti­ons­ra­di­us ver­stand er es, kla­re sym­bo­li­sche Wor­te und Ges­ten zu fin­den. Sehr früh in sei­ner Amts­zeit such­te er die Ver­söh­nung mit den Nach­barn Korea, Chi­na und den Phil­ip­pi­nen. 1992 besuch­te er gar als ers­ter japa­ni­scher Mon­arch China.

Bei sei­ner Gedenk­re­de zum 70-jäh­ri­gen Ende des Zwei­ten Welt­kriegs drück­te er sein «tie­fes Bedau­ern über den Krieg» aus aus. Da er die­se Wor­te zu die­sem Anlass so noch nie ver­wen­det hat­te, wur­den sie als ver­steck­te Kri­tik an das Geschichts­bild von Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe gewer­tet, der bei sei­ner Rede auf eine expli­zi­te Ent­schul­di­gung ver­zich­tet hat­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Zuvor hat­te bereits Kron­prinz Naru­hi­to betont, dass man die tra­gi­sche Ereig­nis­se des Zwei­ten Welt­kriegs den jün­ge­ren Gene­ra­tio­nen kor­rekt wei­ter­ver­mit­teln müsse.

Ein nah­ba­rer Tenno

Gleich­zei­tig war Aki­hi­to auch so nah­bar wie kein ande­rer Kai­ser vor ihm. Er hei­ra­te­te mit Michi­ko Sho­da eine Bür­ger­li­che. Nach Natur­ka­ta­stro­phen, wie bei­spiels­wei­se 2011, besuch­te er wie­der­holt die Kri­sen­re­gio­nen und such­te das Gespräch mit der Bevöl­ke­rung. Es sind die­se Ges­ten und Wor­te, die ihm in Japan einen gros­sen Rück­halt in der Bevöl­ke­rung ein­ge­bracht haben. Naru­hi­to hat schon frü­her ange­kün­digt, dass er den Stil sei­nes Vaters wei­te­füh­ren wolle.