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Die Hälfte ist geschafft

Die Hälfte ist geschafft: Thomas Köhler wird von den Menschen in Itoigawa empfangen. (Foto: Thomas Köhler)

Die Hälfte ist geschafft: Thomas Köhler wird von den Menschen in Itoigawa empfangen. (Foto: Thomas Köhler)

Herr Köhler, die Hälfte der Strecke ist geschafft. Wie fühlen sie sich? Und wieviel Kilo leichter sind Sie inzwischen?
Ich fühle mich sehr gut und bin nach wie vor noch top motiviert. Abgenommen habe ich nicht mehr als 2 Kilo, denn in Japan gibt es ja so viele Köstlichkeiten, dass man auch mit einem hohen Kalorienverbrauch sich gut und gesund ernähren kann.

Was hat sich für Sie persönlich seit dem Start ihrer Reise vor über 2 Monaten verändert?
Nun ja, das ist keine einfache Frage…bestimmt habe ich mich an einen anderen Lebensrhythmus gewöhnt und gehe auch viel gelassener auf die Leute zu, ansonsten bin ich immer noch derselbe.

Welcher Ort hat sie am meisten beeindruckt?
Als Ort gefiel mir Yudanaka und Itoigawa sehr gut. Yudanaka wegen den Bergen und Itoigawa wegen seiner landschaftlichen Vielfalt, mit seinen Berge gleich am Meer, den Grünflächen und den Reisfeldern.

Welches war der schönste Moment?
Es gab sehr viele schöne Momente, aber das Fest in Itoigawa war mit seiner Herzlichkeit und Originalität sehr sehr eindrücklich und schön. Sogar eine Alphornbläser-Gruppe kam aus Matsumoto angereist! Und, eine Delegation der Schweizer Botschaft zeigte auch sehr viel Engagement und wir hatten wirklich eine tolle Zeit zusammen.

Welches war der schwierigste Moment?
Mein schwierigste Moment waren gewisse Tage vor dem 15. Taifun, wo es extrem feuchtheiss war. Kaum waren die Kleider gewaschen, klebten sie schon wieder am Körper und trockneten auch über Nacht nicht. Auch das Übernachten im Zelt war eine Qual, ich konnte wirklich nur wenige Stunden schlafen.

Sie sind in zahlreichen japanischen Zeitungen erschienen, auch im Radio und im Fernsehen. Erkennen Sie die Leute mittlerweile auf der Strecke?
Manchmal werde ich erkannt, aber nicht viel.

Wie nehmen Sie die Menschen auf?
Immer sehr positiv, unterstützend und mit viel Freundlichkeit. Ich bin nach wie vor erstaunt, wie nett und freundlich diese Menschen hier sind. Das Herz und nicht das Geld zählt in diesem Land!

Welche neuen Seiten von Japan haben Sie kennengelernt?
Ich bin natürlich schon vor meinem Marsch sehr oft nach Japan gereist, deshalb ist für mich nichts wirklich neu.

Haben sich mittlerweile Sponsoren für ihre Reise finden lassen?
Mammut hat mich für den Winter grosszügig eingekleidet, dafür bin ich auch sehr dankbar. Und, auf meinem Blog habe ich ein paar Gönner, die ihre Banner für einen Minimalbetrag anbringen konnten. Die 60`000er-Klickmarke wird in den nächsten Tagen erreicht sein und so auch immer eine interessantere Werbeplattform.

Wie finden Sie eigentlich einen Zeltplatz? Japan ist ja nicht gerade berühmt fürs Camping. Wie gehen Sie da vor?
Ich orientiere mich immer nach Zeltplätzen oder den sogenannten Michi-no-eki-Raststätten, wo ich dann den Chef um Erlaubnis bitte mein Zelt aufzuschlagen. Das geht immer ganz gut.

Haben Sie nie ans Aufgeben gedacht? Sind nie Zweifel aufgekommen?
Nein, ich habe noch nie ans Aufgeben gedacht. Ich hatte auch noch nie Zweifel, nicht im geringsten. Manchmal denke ich sogar, dass es mir zu schnell geht und ich auf keine Fall ans Ende denken möchte. Es ist einfach toll in diesem Land!

Wann werden sie ungefähr das Ziel erreichen? Wird es ein Fest geben?
Wie bereits erwähnt, möchte ich noch nicht ans Ziel denken. Nun ja, es wird wahrscheinlich Ende Dezember werden, aber ich kann es wirklich nicht genau sagen. Es ist auch kein Problem für mich, wenn es Januar wird, denn schliesslich bin ich nicht an einem Wettlauf. Ich möchte jeden Tag das Japan zeigen, wie ich es sehe und ich freue mich auch, dass meine Absicht verstanden wird, denn Japan kann man ohne Probleme bereisen. Ich denke schon, dass es in irgendeiner Form ein Fest geben wird. Es hängt vom Zeitpunkt ab, vielleicht in Tokio mit der Schweiz. Botschaft. Aber, es ist noch überhaupt nichts bestimmt, denn die erste Wichtigkeit für mich ist, dass ich gesund am Kap Sata ankomme und das dauert noch eine ganze Weile.

Thomas Köhler marschiert von der Nordspitze Hokkaidos bis zur Südspitze Kyushus. 2900 Kilometer wird er bis im Dezember zu Fuss zurückgelegt haben, «um positive Signale aus Japan zu senden und zu zeigen, dass hier nicht alles Fukushima ist.» Denn Japan ist noch immer eine Reise wert, ist Reisefachmann Köhler mehr denn je überzeugt. In einem Blog hält er seine täglichen Erlebnisse fest. Und auch für Asienspiegel bloggt Thomas Köhler regelmässig über die Reise seines Lebens.

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