Die neue Art des Ausländerkomplexes

flickr/​w00kieNicht immer ein ein­fa­ches Leben: Ein Aus­län­der in Japan.

Das japa­ni­sche Wort «Gai­jin Komupurek­kusu» (zu Deutsch Aus­län­der­kom­plex) stammt aus einer Zeit, als sich Japan von der selbst gewähl­ten Iso­la­ti­on lös­te und sich zu moder­ni­sie­ren begann. In der Mei­ji-Zeit (1868−1912) ging es in ers­ter Linie dar­um, der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on nach­zu­ei­fern und deren impe­ria­lis­ti­sche Poli­tik zu kopie­ren. Der Wes­ten wur­de als über­le­gen ange­se­hen und ent­spre­chend mach­te sich unter vie­len Japa­nern ein Gefühl der Unter­le­gen­heit breit.

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In der Showa-Zeit (1926−1989) ange­kom­men, wen­de­te sich das Blatt. Japan war selbst zu einer impe­ria­lis­ti­schen Macht gewor­den. Ein Gefühl der Stär­ke und Arro­ganz wich dem Aus­län­der­kom­plex gegen­über dem Wes­ten. Nach der Nie­der­la­ge im Zwei­ten Welt­krieg schlich sich mit der Schmach der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zung wie­der­um ein «Gai­jin Komupurek­kusu» unter den Japa­nern ein.

Heu­te wirkt der Begriff ver­al­tet, wenn nicht lächer­lich. Gleich­zei­tig hat sich jedoch eine neue Art des Aus­län­der­kom­ple­xes ein­ge­nis­tet, auf Japa­nisch «Shinga­ta Gai­jin Komupurek­kusu» genannt. Doch davon ist nicht der Japa­ner selbst betrof­fen, son­dern der West­ler, der seit vie­len Jah­ren in Japan wohn­haft ist, flies­send Japa­nisch spricht und trotz­dem von den Japa­nern dau­ernd auf Eng­lisch ange­spro­chen und als Tou­rist behan­delt wird. Gemeint ist die stän­di­ge Spe­zi­al­be­hand­lung der west­li­chen Mit­bür­ger im guten wie im schlech­ten Sin­ne. Es ist der Kom­plex des Aus­län­ders nie wirk­lich zur japa­ni­schen Gesell­schaft gehö­ren zu dür­fen, auch wenn man noch so gut inte­griert sein mag.

Gereiz­te Reaktion

Wäh­rend vie­le West­ler mit die­ser Tat­sa­che gut umge­hen kön­nen, gibt es in Japan auch die West­ler, wel­che die Spe­zi­al­be­hand­lung nach Jah­ren der eige­nen Inte­gra­ti­ons-, ja gar Assi­mi­la­ti­ons­be­mü­hun­gen in den fal­schen Hals bekom­men. Oft reagie­ren sie gereizt oder zie­hen sich mit einem inne­ren Groll zurück. Ande­re begin­nen die Japa­ner dar­in zu unter­rich­ten, was der Unter­schied zwi­schen den Neu­an­kömm­lin­gen und den Alt­ein­ge­ses­se­nen aus dem Wes­ten ist. Die­se Leu­te lei­den unter der neu­en Art des Aus­län­der­kom­ple­xes. So ändern sich die Zeiten.

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