News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Japans Fast-Flugzeugträger

Der japanische Hubschrauberträger Izumo. (Foto: wikimedia/ Japan Maritime Self-Defense Force)

Der japanische Hubschrauberträger Izumo. (Foto: wikimedia/ Japan Maritime Self-Defense Force)

Japan hat am 1. Mai seinen Hubschrauberträger Izumo auslaufen lassen, um ein US-Versorgungsschiff auf der Pazifikseite des Landes zu eskortieren und im Notfall militärisch zu verteidigen. Es handelt sich um ein Novum, wie NHK News berichtet. Zum ersten Mal überhaupt hat Japan damit eine aktive Schutzrolle für die USA übernommen. Möglich macht dies die 2015 umgesetzte Neuinterpretation des Kriegsverzichtsartikel 9 (Asienspiegel berichtete), wonach Japan eigenen Truppen zur Unterstützung von Alliierten entsenden darf (Asienspiegel berichtete).

Die Kritiker sagen, dass dies Japan einen Schritt näher in einen kriegerischen Konflikt führt. Sollte das US-Versorgungsschiff angegriffen werden, wäre Japan automatisch involviert. Ohnehin sei die von der Regierung und dem Parlament abgesegnete Neuinterpretation von 2015 verfassungswidrig.

Die Befürworter hingegen meinen, dass es in der heutigen Zeit eine Notwendigkeit sei, die Alliierten, insbesondere die USA, zu schützen. Es dürfe nicht mehr sein, dass Tokio den USA, die über einen Sicherheitsverträg zum Schutz Japan verpflichtet ist, eine aktive militärische Unterstützung verweigere. Und ausserdem sei man schon immer pragmatisch mit dem Artikel 9 umgegangen. So wurden in den 1950ern die sogenannten Selbstverteidigungsstreitkräfte gegründet, obwohl die Verfassung den Unterhalt einer Armee bis heute untersagt. Diese Truppen sind in der Bevölkerung akzeptiert, da sie gerade bei Naturkatastrophen wichtige Dienste leisten.

Japans grösste Kriegsschiff seit Kriegsende

Der aktuelle Einsatz des Hubschrauberträgers ist letztendlich mehr von symbolischer Natur. So ist die aktuelle Mission von geringem Risiko. Der Hubschrauberträger bewegt sich in den sicheren Gewässern auf der Pazifikseite Japans. Vielmehr geht es der Regierung darum, die eigene Öffentlichkeit behutsam an die neuen Tatsachen heranzuführen. International, insbesondere im Konflikt mit Nordkorea, will Japan damit auch Stärke zeigen und die Allianz mit den USA unter Beweis stellen.

Für Japan ist es auch eine Gelegenheit, eine ihrer neuesten Anschaffungen der Welt vorzuführen. Die Izumo wurde 2015 in Dienst gestellt. 248 Meter lang und 38 Meter breit ist der im Tarnkappen-Design gebaute Hubschraubträger. 14 Hubschrauber kann die Izumo theoretisch laden. Es handelt sich um das grösste japanische Kriegsschiff seit dem Zweiten Weltkrieg. Im März dieses Jahres wurde das Schwesterschiff Kaga in Dienst gestellt, wie die Asahi Shimbun berichtete. Damit besitzt Japan bereits vier Hubschrauberträger.

Ein kleiner Schritt zum Flugzeugträger

Auf den Besitz von Flugzeugträgern verzichtet Japan hingegen (Asienspiegel berichtete), da dies als Mittel für Angriffskriege angesehen und somit gegen den Artikel 9 verstossen würde. Doch auch in diesem Fall zeigt sich Japan flexibel. So meinen Militärexperten, dass die Hubschrauberträger Izumo und Kaga mit einer baulichen Anpassung durchaus in kleine Flugzeuträger umgewandelt werden könnten (Asienspiegel berichtete). So entspricht die Länge von 250 Meter fast derjenigen des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle (264 Meter). Selbst neben dem Flugzeugträger USS George Washington (317 Meter Länge) wirkt die Izumo alles andere als klein.

Die Izumo im Vergleich mit dem Flugzeugträger USS George Washington. (Foto: wikimedia/ Japan Maritime Self-Defense Force)

Die Izumo im Vergleich mit dem Flugzeugträger USS George Washington. (Foto: wikimedia/ Japan Maritime Self-Defense Force)

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