Die Abbit­te der Machos

Screen­shot: youtube/​ANNnewsCHAki­hi­ro Suzu­ki ent­schul­digt sich bei Aya­ka Shio­mu­ra für sein Benehmen.

Am Ende war der media­le und poli­ti­sche Druck zu gross. Aki­hi­ro Suzu­ki, Abge­ord­ne­ter der Libe­ral­de­mo­kra­ten (LDP) im Tokio­ter Stadt­par­la­ment, hat zuge­ge­ben, mit einem sexis­ti­schen Zwi­schen­ruf die Rede der Abge­ord­ne­ten Aya­ka Shio­mu­ra (Asi­en­spie­gel berich­te­te) ver­un­glimpft zu haben.

Vor ver­sam­mel­ter Pres­se ent­schul­dig­te er sich öffent­lich und in aller Form bei der 34-jäh­ri­gen Poli­ti­ke­rin. Die Ent­schul­di­gung sei ein Fort­schritt, auch wenn sie ein biss­chen spät kom­me, mein­te Shio­mu­ra. Die Poli­ti­ke­rin der Your Par­ty setz­te sich in ihrer Rede für eine bes­se­re staat­li­che Unter­stüt­zung der Frau­en ein, um die anhal­tend tie­fe Gebur­ten­ra­te im Land zu überwinden.

Suzu­ki gab zu, dass der Zwi­schen­ruf «Am bes­ten hei­ra­test Du ganz schnell!» von ihm kam. Für die wei­te­ren sexis­ti­schen Äus­se­run­gen, wie «Kriegst Du etwas kei­ne Kin­der?», sei­en ande­re ver­ant­wort­lich. Tat­säch­lich stamm­ten die Zwi­schen­ru­fe von meh­re­ren LDP-Poli­ti­kern, die im Par­la­ment mit 59 von 127 Sit­zen die gros­se Mehr­heit stellen.

Nicht der ein­zi­ge Übeltäter

Öffent­lich­keit ent­schul­digt hat sich jedoch erst der 51-jäh­ri­ge Suzu­ki, obwohl er zuerst jeg­li­che Schuld von sich gewie­sen hat­te. Auch die Spit­ze der LDP-Abge­ord­ne­ten zog zunächst in Zwei­fel, ob die Zwi­schen­ru­fe aus ihren Rei­hen gekom­men sei­en. Par­la­ments­prä­si­dent Toshia­ki Yoshi­no, eben­falls von der LDP, sag­te es sei «tech­nisch schwie­rig» her­aus­zu­fin­den, wer der Übel­tä­ter gewe­sen sei. Shio­mu­ra hat­te von ihm zuvor gefor­dert, Licht in die Affä­re zu brin­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

In den letz­ten Tagen wur­de der Druck jedoch zu gross für die LDP, wel­che mit Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe auf natio­na­ler Ebe­ne die Regie­rung stellt. Das Ver­hal­ten der Abge­ord­ne­ten gegen­über der weib­li­chen Kol­le­gin hat für viel Empö­rung gesorgt. In kür­zes­ter Zeit erhielt das Lokal­par­la­ment Tau­sen­de von Beschwer­den aus der Bevölkerung.

Suzu­ki, der Sündenbock?

Auf der Inter­net­sei­te chan​ge​.org wur­de per Online-Peti­ti­on die Iden­ti­fi­zie­rung und Bestra­fung der ver­ant­wort­li­chen Abge­ord­ne­ten gefor­dert. Über 80’000 Unter­schrif­ten kamen so zusam­men. Schliess­lich for­der­te auch LDP-Gene­ral­se­kre­tär Shi­ge­ru Ishi­ba laut der Asahi Shim­bun, dass die Ver­ant­wort­li­chen sich schnell ent­schul­di­gen soll­ten.

Mit Aki­hi­ro Suzu­ki ist zumin­dest ein Abge­ord­ne­ter die­ser For­de­rung nach­ge­kom­men. Es ist gut mög­lich, dass es bei ihm bleibt. Suzu­ki, der seit 2007 im Par­la­ment sitzt, wür­de damit zum allei­ni­gen Sün­den­bock, um die ande­ren, womög­lich höher gestell­ten Mit­ver­ant­wort­li­chen zu decken. Suzu­ki als Bau­ern­op­fer – es wäre eine Abbit­te mit bit­te­rem Nach­ge­schmack. «Es war nicht nur Suzu­ki. So been­det man eine Ange­le­gen­heit nicht», zitiert die Tokyo Shim­bun eine ent­täusch­te Shiomura.

Suzu­ki hat nach sei­ner Ent­schul­di­gung ange­bo­ten, aus der LDP-Frak­ti­on aus­zu­tre­ten. Als unab­hän­gi­ger Abge­ord­ne­ter will er jedoch wei­ter­ma­chen, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Die Oppo­si­ti­on kri­ti­siert die­ses Ver­hal­ten. Damit sei das Pro­blem nicht gelöst. Suzu­ki sol­le sich vor dem gesam­ten Par­la­ment ent­schul­di­gen, for­dern die Kom­mu­nis­ten. Shio­mu­ras Your Par­ty will mit einem Antrag dafür sor­gen, dass es künf­tig nicht mehr zu sol­chen Zwi­schen­ru­fen kommt.

Scha­den für Abes Politik

Für Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe kommt die­ser inter­na­tio­na­le Skan­dal aus den eige­nen Rei­hen zu kei­nem guten Zeit­punkt. Um der Wirt­schaft wie­der zu nach­hal­ti­gem Wachs­tum zu ver­hel­fen, setzt er auf die Frau­en. Mehr staat­li­che Kin­der­ta­ges­stät­ten, die Mög­lich­keit, Nan­nys anzu­stel­len und die För­de­rung von Frau­en in Kader­po­si­tio­nen, sind sei­ne Vor­schlä­ge (Asi­en­spie­gel berich­te­te), die auch Aya­ka Shio­mu­ra unter­schrei­ben würde.

Für einen Kon­ser­va­ti­ven wie Shin­zo Abe sind es küh­ne Ansät­ze. Doch aus­ge­rech­net die Macho-Anfäl­le aus den eige­nen Rei­hen scha­den der Glaub­wür­dig­keit die­ser Politik.

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