News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Der Fremdenführer-Mangel

Ein touristischer Anziehungspunkt: Dotonbori in Osaka. (Foto: flickr / Ray in Manila)

Ein touristischer Anziehungspunkt: Dotonbori in Osaka. (Foto: flickr / Ray in Manila)

Lizenzierte Touristenführer für ausländische Gäste in Japan gehören zu einer ganz seltenen Spezies. Denn wer diesen Beruf ausüben will, muss eine Prüfung der japanischen Tourismusbehörde bestehen, die jeweils einmal im Jahr durchgeführt wird. Getestet werden die Leute auf ihre Fremdsprachenkenntnisse, die japanische Geschichte, Geografie, Wirtschaft, Politik und Kultur. Hinzu kommt ein praktischer Test, um zu sehen, ob der angehende Fremdenführer auch in der Praxis sein Wissen anwenden kann.

Gerade mal 20 Prozent erhalten am Ende die Lizenz. Wer ohne diesen Schein Geld verdient, dem droht eine Strafe von bis zu 500’000 Yen. Rund 22’000 offizielle Touristenführer gibt es heute in Japan, wie die Mainichi Shimbun berichtet. Rund 70 Prozent davon sind auf die englische Sprache fokussiert. Die Auswahl für die 1300 Reisebüros im Land ist entsprechend limitiert. Erstellt wurden die Regeln für diesen Beruf 1949. Bis heute ist das Ziel, den Qualitätsstandard auf einem hohen Niveau zu halten. So sind die Fremdenführer auch auf ihre Weise Stellvertreter ihres Landes.

Lockerung der Regeln

Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Wegen des Tourismus-Booms mangelt es heute in Japan an lizenzierten Fremdenführern. Gerade bei der chinesischen Sprache, die eigentlich am meisten gefragt ist, gibt es zu wenige Fachkräfte. Die Regierung hat das Problem erkannt. Die Lösung lautet Deregulierung. Bis Ende Jahr soll das Gesetz gelockert werden, um die Zahl der Fremdenführer markant zu erhöhen. Die Kritiker sorgen sich jetzt schon um das Fachwissen der künftigen Fremdenführer. Andere sehen es wiederum als Chance, um einer alten Branche neues Leben einzuhauchen und neue Wege zu beschreiten.

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