Foto: flickr / Jen­ni­fer Muraw­skiDas gibt es schon seit 1954 in Japan: Das gemein­sa­me Mit­tag­essen in der Schule.

Die Regie­rung der Prä­fek­tur Hiro­shi­ma hat ein womög­lich weg­wei­sen­des Pro­jekt für ganz Japan ange­kün­digt: Künf­tig möch­te sie allen Grund­schü­lern ein kos­ten­lo­ses Früh­stück zur Ver­fü­gung stel­len, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­tet. Ange­bo­ten wird die Mahl­zeit jeweils früh mor­gens in ver­schie­de­nen Gemein­de­zen­tren in der Nähe der Schu­len. Reis­bäll­chen, eine Miso-Sup­pe sowie Brot und Milch gehö­ren zum fes­ten Spei­se­plan. Eine ers­te Test­pha­se beginnt an drei Orten. Ab nächs­ten Jahr soll das Pro­jekt schliess­lich in der gan­zen Prä­fek­tur umge­setzt wer­den. 40 Mil­lio­nen Yen hat Gou­ver­neur Hide­hi­ko Yuza­ki dafür veranschlagt. 

Der Aus­lö­ser für die­se Mass­nah­me war eine Umfra­ge bei 25’000 Haus­hal­ten mit Kin­dern. Dabei stell­te sich her­aus, dass rund ein Vier­tel davon eher schlecht als recht finan­zi­ell über die Run­den kommt. Über­durch­schnitt­lich vie­le Kin­der die­ser Fami­li­en müs­sen dabei auf das Früh­stück ver­zich­ten. Die Fol­ge ist ein Leis­tungs­ab­fall in den Mor­gen­stun­den. Das kos­ten­lo­se Früh­stück vor dem Unter­richt soll nun dafür sor­gen, dass alle Kin­der ihre vol­le Leis­tung wäh­rend der Schul­stun­den abru­fen kön­nen. Das Pro­jekt ist ein Novum in Japan.

Gleich­zei­tig setzt die Prä­fek­tur Hiro­shi­ma einen Trend fort, der vor eini­gen Jah­ren in den Uni­ver­si­tä­ten begon­nen hat. Dort bie­ten immer mehr Kan­ti­nen ein reich­hal­ti­ges, tra­di­tio­nell japa­ni­sches Früh­stück zum Bil­lig­preis an (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Sub­ven­tio­niert wird das Essen von Eltern­ver­ei­ni­gun­gen. Die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: vol­le Bäu­che, ein gere­gel­ter Tages­ab­lauf, kon­zen­trier­te Stu­den­ten und bes­ser besetz­te Unter­richts­stun­den sind die posi­ti­ven Auswirkungen. 

Das tra­di­tio­nel­le Schulessen

Aus­ser­dem kann man das Pro­jekt Hiro­shi­mas auch als Erwei­te­rung des vor­bild­li­chen japa­ni­schen Schu­les­sens sehen. So stel­len die meis­ten öffent­li­chen Schu­len den Kin­dern ein Mit­tag­essen zur Ver­fü­gung, das aus­ge­wo­gen und gesund zu sein hat, kyūs­ho­ku genannt. Die Kin­der ser­vie­ren sich gegen­sei­tig und essen im Schul­zim­mer. Dabei geht es dar­um, dass die Schü­ler mehr über die Nah­rung, die Gesund­heit und das Kochen ler­nen. Die­se gemein­sa­me Erfah­rung trägt auch zur Sozi­al­kom­pe­tenz bei und erklärt letzt­end­lich auch die Lie­be der Japa­ner zum Essen und die tie­fe Rate an über­ge­wich­ti­gen Kin­dern. Dabei gilt auch: Man hat alles zu essen, ja alles, auch wenn man etwas nicht ger­ne hat. Das Schu­les­sen wird finan­ziert über die monat­li­chen Schul­ge­büh­ren, die die Eltern zu bezah­len haben. Ein­ge­führt wur­de die­ses Sys­tem 1954.