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Unsittlich und blasphemisch

Der Künstler bei der Arbeit: Kishin Shinoyama an einem Workshop in Südfrankreich im Jahr 1975. (Wikimedia: Wolfgang H. Wögerer, Wien)

Die Tokioter Staatsanwaltschaft klagt den 69-jährigen Kishin Shinoyama wegen Unsittlichkeit und Blasphemie an. Der weltbekannte Kunstfotograf hat in Tokio Aktfotos von zwei Models geschossen und dabei für öffentliche Aufregung gesorgt. Die Bilder entstanden für den Fotoband «No Nude by Kishin 1 20XX Tokyo» (Asienspiegel berichtete).

Ein Fotoshooting auf dem Tokioter Aoyama-Friedhof im Oktober 2008 hat die Staatsanwaltschaft dazu bewogen, Shinoyama wegen Gotteslästerung anzuklagen. Die Heiligkeit der Stätte sei dabei missachtet worden. Die Anklage wegen Blasphemie ist in Japan äusserst selten. Die Höchststrafe in solchen Fällen beträgt 6 Monate Gefängnis und eine Geldbusse über 100’000 Yen (900 Euro).

«Einschränkung des kreativen Ausdrucks»

Shinoyama ist enttäuscht über die Anklage. In einer Stellungnahme zeigte er sich besorgt darüber, dass der Fall «zu einer Einschränkung der kreativen Energie und Ausdrucks» führen könne. Er habe sich in seiner 40-jährigen Karriere noch nie etwas zu Schulden lassen kommen, hiess es weiter.

Beim Fotoshooting habe er zudem äusserste Vorsicht walten lassen. Die Fotos auf dem Friedhof seien bewusst in der Nacht geschossen worden und Stellwände zur Verdeckung der Sicht habe man auch verwendet. Eine komplette Abriegelung im Freien sei jedoch nicht möglich.

Fotograf von Lennon

Kishin Shinoyama begeistert seit über 4 Jahrzehnten die Kunstwelt mit ästhetischen Aktbildern voller Erotik und Sinnlichkeit. Mit dem Coverfoto zu John Lennon und Yoko Onos Album «Double Fantasy» hat sich Shinoyama ins Gedächtnis der Massen eingebrannt. ja.

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