Japans indus­tri­el­le Ruinen

wikimedia/​hisa­giDer Blick auf Hashima.

Ab 1868 ver­wan­del­te sich Japan von einem iso­lier­ten Feu­dal­staat zu einer auf­stre­ben­den Indus­trie­na­tio­nen, die sich mit den west­li­chen Staa­ten zu mes­sen begann. Fabri­ken für die Schwer­indus­trie wur­den hoch­ge­zo­gen, ein Eisen­bahn­schie­nen­netz gelegt, Schu­len gebaut, eine Ver­fas­sung mit dem Ten­no an der Spit­ze aus­ge­ar­bei­tet und eine schlag­kräf­ti­ge Armee auf die Bei­ne gestellt.

«Die Berei­che­rung des Lan­des und die Stär­kung der Armee» war die Losung jener indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on. Am Ende des 19. Jahr­hun­derts war Japan zu einer Vor­macht in Asi­en auf­ge­stie­gen, die ihre ter­ri­to­ria­le Expan­si­on begann und die Aus­ein­an­der­set­zung mit den west­li­chen Gross­mäch­ten nicht mehr scheu­te. Es war auch der Anfang einer ver­hee­ren­den mili­tä­risch-poli­ti­schen Ent­wick­lung, die erst mit dem Zwei­ten Welt­krieg endete.

Auf die Mei­ji-Zeit, die von 1868 bis 1912 dau­er­te, schaut man in Japan mit viel Nost­al­gie zurück. Die­se Zeit der Moder­ni­sie­rung hat bis heu­te im gan­zen Land ihre Spu­ren hin­ter­las­sen, in Form von Fabri­ken, alten Kanä­len, Spin­ne­rei­en, still­ge­leg­ten Docks, Was­ser­pump­wer­ken oder ver­las­se­nen Kohlebergwerken.

Gewis­se his­to­ri­sche Orte wie das 1901 in Betrieb genom­me­ne Yaha­ta-Stahl­werk in der Stadt Kitakyus­hu oder die Schiffs­wert in Naga­sa­ki sind noch bis heu­te in Betrieb. Die Süd­in­sel Kyus­hu bie­tet beson­ders viel Relik­te die­ser Ära.

Die Schlacht­schiff-Insel

23 Ein­rich­tun­gen in 8 Prä­fek­tu­ren hat die japa­ni­sche Regie­rung als «His­to­ri­sche Stät­ten der indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on der Mei­ji-Zeit» gelis­tet. Dazu gehört auch die Insel Hash­i­ma vor Naga­sa­ki, die spä­tes­tens seit dem James-Bond-Film Sky­fall welt­wei­te Bekannt­heit erlangt hat (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Zwi­schen 1887 und 1974 wur­de auf der Insel, die wegen ihres Aus­se­hens den Über­na­men Gunkan­ji­ma (Schlacht­schiff-Insel) hat, im Auf­trag von Mitsu­bi­shi unter dem Meer Koh­le abge­baut. Auf ihrem Höhe­punkt beher­berg­te Hash­i­ma auf sei­nen 6,3 Hekta­ren 5300 Men­schen, was rund 1600 Haus­hal­ten ent­sprach. Es war damals die höchs­te Bevöl­ke­rungs­dich­te der Welt.

Mit dem Auf­stieg des Erd­öls wur­de schliess­lich der Unter­gang der Insel besie­gelt. 1974 ver­lies­sen die letz­ten Ein­woh­ner die Insel. Die Klein­stadt wur­de sich selbst über­las­sen und ist heu­te zu einem tou­ris­ti­schen Anzie­hungs­punkt gewor­den, der selbst mit Goog­le Street View erkun­det wer­den kann.

Ent­scheid ab 2015

Nun möch­te Japan die­se Hin­ter­las­sen­schaf­ten der Moder­ni­sie­rungs­zeit zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be erklä­ren las­sen. Bis Ende Monat wird die Regie­rung in Tokio der UNO-Orga­ni­sa­ti­on ein offi­zi­el­les Gesuch stel­len, wie die Nishi Nip­pon Shim­bun berichtet .

Die Inter­na­tio­na­le Denk­mal­pfle­ge ICO­MOS, eine Unter­or­ga­ni­sa­ti­on der UNESCO, wird sich vor­aus­sicht­lich noch die­ses Jahr einen Über­blick über die his­to­ri­schen Stät­ten ver­schaf­fen. Frü­hes­tens 2015 wird die UNESCO ent­schei­den, ob die­se Orte der Moder­ni­sie­rungs­ära Japans zum Welt­kul­tur­er­be erklärt werden.

Kri­tik aus Südkorea

Das Gesuch Japans stösst aber nicht über­all auf Wohl­wol­len. Süd­ko­rea hat Tokio laut NBC Naga­sa­ki auf­ge­for­dert, noch­mals über die Bücher zu gehen.

Denn in eini­gen die­ser his­to­ri­schen Indus­trie­stät­ten muss­ten Tau­sen­de von Süd­ko­rea­nern wäh­rend der Kolo­ni­al­zeit Zwangs­ar­beit ver­rich­ten. Auch auf Hash­i­ma lies­sen wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges zahl­rei­che chi­ne­si­sche und süd­ko­rea­ni­sche Arbei­ter ihr Leben.

Japan betont der­weil, dass es sich bei die­sem Vor­stoss um das bau­li­che Ver­mächt­nis einer bestimm­ten Zeit han­delt. Es gehe dabei nicht um eine his­to­ri­sche Ein­ord­nung die­ser Ära.

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