Eine Kat­ze als Touristenmagnet

Foto: wikimedia/​san­peiHier das Kat­ze das Sagen: Tama bei der Arbeit.

Noch vor ein paar Jah­ren stand die Kis­hi­ga­wa-Bahn­li­nie in der Prä­fek­tur Waka­y­a­ma vor dem Aus. Immer weni­ger Pas­sa­gie­re nutz­ten die­sen loka­len Zubrin­ger. Selbst Spar­mass­nah­men durch den Betrei­ber Waka­y­a­ma Elec­tric Rail­way änder­ten nichts an der Situa­ti­on. Erst als die her­un­ter­ge­kom­me­ne End­sta­ti­on Kishi im Städ­chen Kino­ka­wa Anfang 2007 eine Kat­ze anstell­te, kam die Wen­de zum Guten.

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Die Kat­ze mit dem Namen Tama tut seit­her «ihren Dienst» beim Ein­gang des Bahn­hofs. Selbst eine Dienst­müt­ze hat man ihr geschnei­dert. Die Idee dazu hat­te der Prä­si­dent der Bahn­ge­sell­schaft, nach­dem er aus Finanz­not sein Per­so­nal von zahl­rei­chen Bahn­hö­fen abzie­hen muss­te. Ursprüng­lich hat­te Toshi­ko Koy­a­ma, der beim Bahn­hof einen Lebens­mit­tel­han­del führt und wegen der Spar­mass­nah­men gleich­zei­tig zum Bahn­hofs­vor­ste­her von Kishi ernannt wur­de, die Kat­ze bei sich aufgenommen.

Schnell nah­men die Medi­en die unge­wöhn­li­che Geschich­te auf. Tama wur­de über Nacht zu einer Tou­ris­ten­at­trak­ti­on. Selbst aus dem Aus­land rei­sen die Gäs­te an, um ein Erin­ne­rungs­fo­to mit der süs­sen Kat­ze zu schies­sen. Gewöhn­lich hält sich Tama in einem eigens ein­ge­rich­te­ten Kat­zen­häus­chen hin­ter siche­rem Glas auf.

Geld­se­gen für eine Region

Für Waka­y­a­ma Elec­tric Rail­way sowie das Städt­chen Kino­ka­wa war Tama ein Glücks­fall. Gleich im ers­ten Jahr soll die Kat­ze der Regi­on einen Zuschuss von 1,1 Mil­li­ar­den Yen (7,8 Mil­lio­nen Euro) beschert haben, wie CNN damals berich­te­te. Die Bahn ver­zeich­net inzwi­schen über 2 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re pro Jahr. Der Gou­ver­neur der Prä­fek­tur Waka­y­a­ma zeich­ne­te Tama gar für ihre Ver­diens­te aus.

Seit­her gibt die Kat­ze den Takt an. 2008 wur­de sie Ober­bahn­hofs­vor­ste­he­rin ernannt, 2013 gar zur Vize-Prä­si­den­tin der Bahn­ge­sell­schaft. Eine gesam­te Zug­kom­po­si­ti­on der Kis­hi­ga­wa-Linie wur­de bis ins letz­te Detail mit einem Tama-Design ver­se­hen. Neben­bei betreibt die Linie übri­gens noch einen «Erd­beer»- und einen «Spielzeug»-Zug. Der kom­plett ver­al­te­te Bahn­hof Kishi wur­de 2010 gross­zü­gig erneu­ert. Fas­sa­de wie Dach wur­den nach der Form eines Kat­zen­kopfs gestal­tet. Auch Herr Koy­a­mas Geschäft erstrahl­te in neu­em Glanz. Hin­zu kam ein Café mit Tama-Souvenirs.

Foto: wikimedia/​ひろりんWie eine Kat­ze: Der Bahn­hof Kishi in Kinokawa.

Wahr­zei­chen einer Präfektur

Die Kat­zen-PR-Akti­on hat in ganz Japan Nach­ah­mer gefun­den. Zahl­rei­che Bahn­hö­fe hal­ten inzwi­schen Hun­de, Kat­zen oder Kanin­chen als Mas­kott­chen und Glücksbringer.

Doch Tama bleibt das Ori­gi­nal. Die Prä­fek­tur Waka­y­a­ma fei­ert die Kat­ze auf ihrer Web­site als ihr tou­ris­ti­sches Wahr­zei­chen. Bis heu­te wird kei­ne Gele­gen­heit aus­ge­las­sen, um die Kat­ze rich­tig zu ver­mark­ten. Für den Valen­tins­tag gab es laut 47 News gar eine limi­tier­te Tama-Scho­ko­la­den­se­rie, zum stol­zen Preis von 1600 Yen (11 Euro) für vier kat­zen­för­mi­ge Pralinés.

Seit sie­ben Jah­ren sorgt die Kat­ze bereits für gute Zei­ten. Am 15. April wird sie stol­ze 15 Jah­re alt. Ewig wird auch Tama nicht leben. Des­halb hat die Bahn­ge­sell­schaft vor­ge­sorgt. 2012 erhielt Tama eine «Ange­stell­te» mit Namen Nit­a­ma, die nun stets an ihrer Sei­te ist, wie die Japan Times damals berich­te­te. Wer Tama übri­gens sehen möch­te, der soll­te zwi­schen Diens­tag und Frei­tag vor­bei­schau­en. Am Sams­tag, Sonn­tag und Mon­tag geniesst die Kat­ze ihre ver­dien­ten Freitage.

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